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Angst nach Angriff in Duisburg
237 Hunde gefährlicher Rassen leben in Remscheid

Rottweiler Pascha: Remscheids Kampfhunde bisher ohne Biss
In Duisburg hat ein Rottweiler eine Zweijährige fast tot gebissen. FOTO: Reichwein
Remscheid. Nur 237 von rund 6000 Hunden gehören zu den Rassen, die als gefährlich gelten oder deren Haltern besondere Pflichten auferlegt werden. Eine lückenlose Kontrolle in Parks kann die Stadt nicht leisten.  Von Solveig Pudelski und Anna Kaiser

Der tragische Vorfall in Duisburg mag Angst vor gefährlichen Kampfhunden auch in Remscheid schüren: Am Montag riss sich ein junger Rottweiler beim Gassigang von der Leine los und biss ein zweijähriges Mädchen so stark, dass es lebensgefährlich verletzt wurde. Unsere Redaktion hakte bei den Behörden nach.

Gab es hier ähnliche Fälle?

Nach Angaben des Bergischen Veterinäramtes (BVA) gab es in Remscheid bisher keinen Beißvorfall, "aber in Wuppertal sieht das schon anders aus", sagt BVA-Abteilungsleiterin Ingeborg Krähmer. Doch ausschließen lassen sich gefährliche Attacken nicht.

Sachkundenachweis: Das müssen Hundebesitzer wissen

Werden die Halter kontrolliert?

Nein, eine lückenlose Kontrolle auf Straßen und Parks gibt es nicht, es sei nicht leistbar. Aber die Hundehalter müssen eine Art Hundeführerschein (Sachkundenachweis) besitzen und bestimmte Regeln einhalten. Werden Beißereien jedoch angezeigt, "wird jeder Einzelfall überprüft", sagt Natalie Cirocki, Leiterin des BVA. Dem für Remscheid, Solingen und Wuppertal zuständige Amt liegen zahlreiche solcher Anzeigen über Beißattacken vor. Manchmal stecke hinter dem Vorwurf nicht ein tatsächlicher Vorfall, sondern eher eine Art Rache nach Streitereien, die privatrechtlich zu klären sind.

Gibt es hier gefährliche Hunde?

Auch in Remscheid werden nicht nur Golden Retriever oder Dackel ausgeführt, sondern auch Hunde sogenannter gefährlicher Rassen. Die sind im Landeshundegesetz genau definiert.

Martin Rütter: Tipps vom Hundeflüsterer FOTO: Melanie Grande

Wie viele dieser Rassen leben in Remscheid?

Nach Angaben von Stadtsprecherin Viola Juric entrichten Halter für 17 Hunde (von rund 6000) einen erhöhten Hundesteuersatz (660 Euro/Jahr). "Halter von gefährlichen Hunden können aber beim BVA einen Antrag auf den normalen Satz stellen, wenn sie bestimmte Nachweise erbringen und Prüfungen ablegen", so Juric. Nach Angaben der BVA gibt es in Remscheid 96 Hunde gefährlicher Rassen und 141 Hunde bestimmter Rassen (siehe Kasten).

Sind im Tierheim Kampfhunde untergebracht?

"Kampfhunde", den Begriff den Angelika Hemmerling-Schier, Mitarbeiterin des Tierheims, hört nicht gerne. "Sind diese richtig erzogen, sind sie nicht gefährlicher als ein Dackel". Zwei Staffordshire Terrier sind in der Obhut des Tierheims. Sie seien unauffällig. Die Aufnahme der Hunde habe unterschiedliche Gründe wie nicht artgerechte Haltung.

Welche Voraussetzungen müssen die neuen Halter erfüllen?

Neue Besitzer der Hunde müssen ein Führungszeugnis und einen Sachkundenachweis, eine Prüfung, die sie beim Tierarzt ablegen können, vorweisen. Sowohl das Zuhause als auch das Umfeld wird gründlich überprüft. Hinzu kommt, dass die Hunde ein Wochenende zur Probe in dem neuen Zuhause verbringen. Wurden die Hund vermittelt, gibt es Nachkontrollen.

Quelle: RP
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