| 17.34 Uhr

Remscheid
Vernunft regiert den Auto-Markt

Remscheid. Der Genfer Autosalon, der vor zehn Tagen endete, zeigte wichtige Trends auf. Auf dem Massenmarkt geht es weiter um das Thema Sprit-Sparen. Roger Wildemann, Geschäftsführer der Remscheider AVL Schrick GmbH, bewertet die Neuheiten.

Herr Wildemann, war auch die Firma AVL Schrick beim Genfer Autosalon mit einer Neuheit vertreten?

Wildemann Ja, wir haben für den neuen Audi A 1 e-tron den Range-Extender geliefert.

Was ist das?

Wildemann Ein Range-Extender wird in Elektroautos eingebaut und ist ein kleiner Verbrennungsmotor, der Strom erzeugt. Das dient dazu, die Reichweite des Autos nochmals zu verlängern, ist also, wenn man so will, ein kleiner Angst-Nehmer.

Wird uns das Thema Elektroantrieb auch in Zukunft beschäftigen?

Wildemann Ja, da kommt noch mehr auf uns zu. Zurzeit gibt es auf dem Markt einen regelrechten Hype, aber wir müssen uns überlegen, was wir erreichen wollen. Elektro-Motoren sollen Kohlendioxid einsparen, aber so lange Strom auch aus Kohle und Erdöl erzeugt wird, bleibt die Umwelt-Bilanz schlechter als beim Verbrennungsmotor. Erst Atomstrom würde die Bilanz aufbessern, ob uns das nun gefällt oder nicht.

Das heißt, Sie halten Elektromotoren für unsinnig?

Wildemann Der Weg ist ja schon mal nicht blöd, aber bis es so weit ist, dass er eine optimale Energiebilanz aufweist, werden viele Jahre und Jahrzehnte vergehen. In dieser Zeit sind wir Ingenieure gefragt, alle Zwischenschritte auszunutzen, bis wir beim reinen Elektro-Fahrzeug angelangt sind.

Was heißt das?

Wildemann Es gibt Studien, die besagen, dass Elektro-Fahrzeuge im Jahr 2020 gerade mal einen Anteil zwischen drei und fünf Prozent am Gesamtaufkommen bilden werden. Da ist es sehr sinnvoll, den Verbrennungsmotor weiter zu optimieren.

Gibt es denn dafür überhaupt noch Potenzial?

Wildemann Ja, klar, da gibt es viele technologische Finessen. Fiat hat beispielsweise das System MultiAir entwickelt, das beim Autosalon vorgestellt wurde. Es ermöglicht in einigen Fahrsituationen eine Spritersparnis um bis zu 25 Prozent. Das ist eine völlig neue Erfindung und ein System, das uns alle weiterbringen wird.

Was hat Sie auf dem Genfer Autosalon persönlich am meisten überrascht?

Wildemann Ich war wirklich überrascht über das große Echo auf unseren Range-Extender. Ich habe in der Vergangenheit oft erlebt, dass solche Ingenieurlösungen von der Öffentlichkeit kaum oder gar nicht wahrgenommen werden, obwohl sie doch so wichtig sind.

Was ist mit der Brennstoffzelle als Antriebsart für Automobile? Von der hört man in jüngster Zeit wenig. Ist sie eine ernsthafte Alternative?

Wildemann Ich denke, die Brennstoffzelle wird kommen, aber ihr Entwicklungsaufwand ist nicht zu unterschätzen. Es gibt viele Detailfragen, die noch gelöst werden müssen. Das wird dauern.

Die Neuheiten auf dem Genfer Autosalon sind ja fast schon wieder überholt, weil an neuen Innovationen gearbeitet wird. Was erwartet uns?

Wildemann Auf der Dieselseite müssen wir wegen der geplanten strengeren Normen versuchen, die Abgas-Seite in den Griff zu bekommen. Bei den Otto-Motoren geht es darum, den Verbrauch noch effizienter zu gestalten. Die Hubräume werden kleiner, der Anteil der Turbo-Motoren wird drastisch steigen.

Auf dem Genfer Autosalon werden viele automobile Träume präsentiert. Welcher hat Sie besonders fasziniert?

Wildemann Sehr gut gefallen hat mir der neue Lamborghini Gallardo Superleggera. Aber von Haus aus bin ich ja eher ein Bugatti-Fan, da die Firma Schrick auch Bugatti-Motoren mitentwickelt.

Das Gespräch führte BM-Redakteurin Alexandra Kemp.

Quelle: RP
 
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