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Glasfasernetz
Digitale Schrittmacher für die Region

Glasfasernetz: Digitale Schrittmacher für die Region
Thomas Görtz (v.l.), Thomas Ahls (2.v.l.), Ulrike Westkamp (3.v.l.) und Heiko Schmidt (re.) hoffen, dass die Deutsche Glasfaser das Netz ausbaut. FOTO: Ostermann
Alpen. Die Bürgermeister von Alpen, Sonsbeck, Xanten und Wesel - für Ginderich und Büderich - haben den Weg frei gemacht für die Verlegung des Glasfasernetzes. Das kommt aber nur, wenn die Nachfrage bei mindestens 40 Prozent liegt. Von Heidrun Jasper und Bernfried Paus

Die gute Nachricht ist eine schlechte Nachricht für Alpens Bürgermeister Thomas Ahls. Er ist auch dann nicht schneller im weltweiten Netz unterwegs, wenn die Deutsche Glasfaser den linken Niederrhein neu verkabelt. Sein Wohnsitz in Alpen-Veen gehört zu den vier Prozent Gehöften in den Außenbereichen, die ohne Anschluss bleiben, wenn die Datenautobahn kommt.

Die Deutsche Glasfaser möchte noch in diesem Jahr damit beginnen, Alpen, Sonsbeck, Xanten und die linksrheinischen Stadtteile von Wesel - Ginderich, Büderich, Perrich und Werrich - mit Glasfaser zu verkabeln und auch in Bereiche zu kommen, die bislang noch unterversorgt sind. Xantens Bürgermeister Thomas Görtz war gestern Gastgeber der illustren Runde mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (Wesel), den Bürgermeistern Thomas Ahls (Alpen) und Heiko Schmidt (Sonsbeck) sowie Johannes Opgen-Rhein, Wesels Wirtschaftsförderer. Ihnen hat Marko Westenberg als Regionalleiter Deutsche Glasfaser das interkommunale Breitband-Projekt vorgestellt.

Das Unternehmen will in den vier Kommunen 33 Millionen Euro investieren, um Haushalte und Betriebe mit rasanter Glasfasertechnik bis ins Haus zu versorgen. Diese stellt mindestens ein Gigabit bereit und kann problemlos auf zehn Gigabit hochgerüstet werden. Vom Infrastrukturprojekt profitieren die Kommunen zum Nulltarif. Die Politik ist dafür. Die Räte in Sonsbeck, Alpen, Xanten und Wesel haben den Weg frei gemacht für die Glasfaser.

Einen Haken hat die Sache: Die Deutsche Glasfaser baut nur, wenn sie 40 Prozent der potenziellen Anschlussnehmer fest unter Vertrag hat. "Nachfragebündelung" heißt das Soll, ohne das nichts geht, weil es sich sonst nicht rechnet. Wird die Hürde genommen, kommt die Hochleistungsfaser bis in die Wohnung (FTTH), nicht nur bis zur Gartenpforte oder bei Mehrfamilienhäusern in den Keller.

Die Bürgermeister unterzeichneten gestern entsprechende Verträge, die es der Deutschen Glasfaser erlauben, Bürgersteige schonend zu öffnen, um das Hochleistungsnetz zu verlegen. "Morgens aufgemacht, abends wieder zugemacht", lautet das saloppe Versprechen von Marko Westenberg.

Rheinberg bleibt außen vor: "Arrogant gesagt: Wir können uns die Städte aussuchen, in denen wir investieren", so Westenberg. 1700 Euro für den Anschluss inklusive Modem übernimmt das Unternehmen in der Startphase. Wer auf die Datenrennstrecke einbiegen möchte, zahlt eine einmalige Bereitstellungsgebühr von 50 Euro und monatlich 34,95 Euro für Internet und Telefon. Die Deutsche Glasfaser kündigt für Kunden die Verträge mit den alten Netzanbietern. Selbstverständlich.

Ende des Monats beginnt die Deutsche Glasfaser mit der Marketing-Kampagne, um möglichst viele Verträge abzuschließen. 40 Prozent sind keine leicht zu nehmende Hürde, zumal in vielen Bereichen auch die Telekom mit Breitband bis zur Verteilerstation (FTTC) auftritt.

Einer, dem es auch im DSL-Tempo (16 MBit/s) nicht schnell genug geht, ist Christian Knermann aus Menzelen-West. Der Leiter des IT-Service am Fraunhofer-Institut Oberhausen nimmt häufig von zu Hause aus an Video- und Telefonkonferenzen teil. "Da stoße ich regelmäßig an Grenzen. Es ist nicht umwerfend, wenn Bild und Ton ständig wackeln", so Knermann, der noch vor gut einem Jahr komplett im "Tal der Ahnungslosen" verharrte, das nur drei Straßen entfernt liegt und dem er durch Umzug entronnen ist. Nun hofft er auf weiteren Aufstieg durch Breitband - auch für sein Unternehmen mit dem schönen Namen Catfish Solutions. Der IT-Dienstleister bietet GPS-basiertes Know-how für Firmen mit Fuhrpark für ein optimiertes Fahrzeug- und Flottenmanagement. Da kann man sich vorstellen, dass Geschäfte im Gigabit-Tempo auf der Überholspur reibungsloser laufen als auf herkömmlichen Bahnen.

Quelle: RP
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