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Rheinberg
Mit einem gutem Gewissen auftischen

Rheinberg. Fairness, Transparenz und Wertschätzung für Lebensmittel - das Projekt Solidarische Landwirtschaft. Von Tobias Kruse

Egal ob Äpfel, Tomaten oder Zucchini: Die meisten Obst- und Gemüsesorten sind im Supermarkt das ganze Jahr über erhältlich. Als Verbraucher hat man sich daran gewöhnt, die Hintergründe werden oftmals nicht in Frage gestellt. Denn um bestimmte Feldfrüchte auch außerhalb der Saison zu bekommen, werden sie unter Aufwendung hoher Energie- und Transportkosten importiert. Gleichzeitig sollen die Lebensmittel möglichst billig sein, was oft nur durch den Einsatz aggressiver Kunstdünger und Pestizide erreicht werden kann.

Vor allem kleine landwirtschaftliche Betriebe leiden dabei unter dem Preiskampf. Um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken ist die Idee einer solidarischen Landwirtschaft, kurz: SoLaWi, auf dem Vormarsch. Dabei wird eine überschaubare Ackerfläche von den Mitgliedern einer Interessengemeinschaft zusammen mit einem erfahrenen Landwirt bestellt. Dies kann aktiv durch eigener Hände Arbeit vonstattengehen oder durch die reine Bereitstellung eines monatlichen Geldbetrags.

Der Gärtner oder Landwirt produziert gemeinschaftlich für einen exklusiven Kundenkreis und gewinnt Planungssicherheit. Die Mitglieder bestimmen selbst, welches Gemüse in welcher Form angebaut wird und wissen somit genau, welche Qualität ihre Lebensmittel haben. Bundesweit existieren etwa 100 solcher SoLaWis unterschiedlicher Größe und Organisationsform. Auch am Niederrhein soll nun eine entstehen. Daher lud die Initiative "Energiewende Niederrhein" zu einer Infoveranstaltung in der Gaststätte "Schwarzer Adler" ein, um Mitglieder für das Vorhaben zu gewinnen.

"Solidarisch heißt für uns: Gerechtigkeit für alle Beteiligten. Die Ernte, die Kosten aber auch die Risiken werden fair zwischen allen Mitgliedern aufgeteilt", sagt Nicole Weber F. Santos. Die 43-Jährige Klimaschutzmanagerin ist zusammen mit ihrem Kollegen Jens Harnack (58) von der Stadtverwaltung Rheinberg federführend bei dem Vorhaben. "Regional und lokal schont die Energie. Gleichzeitig gewinnt man durch die eigene Arbeit eine neue Wertschätzung für seine Lebensmittel".

Das Projekt steht dabei noch ganz am Anfang. "Wir sind sehr offen in der Ausgestaltung. Jeder kann seine Ideen mit einbringen", so Harnack. Noch fehlt es an Mitgliedern und einer geeigneten Ackerfläche. Die bisherige Resonanz ist aber durchaus positiv. "Ich finde das Projekt toll und sehr mutig. Ich hoffe, dass sich hier in der Nähe ein Flecken Erde dafür finden lässt", sagt Gisela Sper (60). Die Sozialpädagogin ist eine der rund 15 Teilnehmer des Infoabends.

Weitere Infoveranstaltungen und eine Exkursion zu der SoLaWi Dortmund sind bereits geplant. Informationen unter www. energiewendeniederrhein.wordpress.com oder bei Jens Harnack unter 02843 171-493.

Quelle: RP
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