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Rheinberg
Piano und Violine in wunderbarem Einklang

Rheinberg. Julian Riem und Amelie Böckheler brillierten bei ihrem Klassikkonzert in der Rheinberger Stadthalle

Zu Beginn des Konzerts hatte die Vorsitzende der Musikalischen Gesellschaft, Lore Rabe, dem Publikum eine unerfreuliche Botschaft zu überbringen. Die Cellistin Raphaela Gromes, die ursprünglich für das Abendprogramm vorgesehen war, musste wegen einer schweren Handverletzung ihre Teilnahme absagen (wir berichteten). Als Duettpartnerin für den Pianisten Julian Riem hatte sie aber kurzfristig die Geigerin Amelie Böckheler engagieren können. Die 25-Jährige hatte schon vor acht Jahren den ersten Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in der Solowertung Violine gewonnen, triumphierte mit ihrer Duettpartnerin Gromes beim "Concorso Fiorindo Torino" und ist Bestandteil des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Moderiert von Riem, präsentierte das Duo zu Beginn Ludwig van Beethovens "Sonate für Klavier und Violine D-Dur, op 12.1", dass der junge Komponist damals geschrieben hatte, um in Wien als neuer Mozart "vor allem gehört zu werden und aufzutrumpfen" und damit seine Zeitgenossen zu überfordern. Entsprechend furios präsentierten die beiden auch das Stück: zupackend-schroff vor allem im "Allegro con brio" mit perlenden Klavier-Glissandi und filigranem, recht schnörkellosem Violinstrich, im "Tema con Variazioni" und dem "Rondo" mit seltsamen Kontrasten und Pausen in der klassischen Sonatenform, dynamisch und dialogorientiert. Danach folgte die Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 A-Dur op. 100" von Johannes Brahms - eine von der Landschaft des Comer Sees beeinflusste "freundlich, positiv leuchtende" Komposition. Hingebungsvoll-zart erklang da Böckhelers Violine, ergänzt durch ein "blühendes" Klavier mit harmonischen Motiven im "Allegro amabile" , gefühlvoll-atmend im "Andante tranquillo" und abschließend mit dem sich verdichtenden "Allegretto grazioso". Nach der Pause folgte mit Edvards Griegs "Sonate für Klavier und Violine c-Moll op.45" der definitive Höhepunkt des Abends: ein von den Fjorden Mittelnorwegens inspiriertes, stürmisches, meerumtostes Stück Musik mit kantigem Ecksatz und versetzt mit volksmusikalischen Melodien. Beiden Musikern gelang es, das enorm Emotionale, das Sperrige und das gewaltig aufbrausende Element der Musik für den Zuhörer erfahrbar zu machen. Böckhelers flirrend-feuriges Spiel und die vollen, über das Klavier fliegenden Hände von Riem erzeugten eruptiv-mitreißende Klangmomente von hohem künstlerischen Ausdruck. Das Publikum quittierte diese außergewöhnliche Darbietung mit langem Applaus und erhielt zu Dank dafür noch das charmant-humorvoll anmutende "La capricieuse" von Edward Elgar als Zugabe .

(aflo)
 
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