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"Tante Deli" in Afrika per Laptop gut erreichbar

Alpen: "Tante Deli" in Afrika per Laptop gut erreichbar
Seit gut 50 Jahren lebt Schwester Agathina in Ghana. Alle paar Jahre besucht sie ihren Bruder Theo Miß. Morgen geht's wieder zurück nach Afrika. FOTO: Fischer
Alpen. Urlaub macht Schwester Agathina immer am Niederrhein. Dann besucht die Ordensschwester aus Ghana ihre Familie in Bönninghardt. Von Sabine Hannemann

Für Schwester Agathina ist die Zeit des Abschieds gekommen. Zwei Monate hat sie Heimatluft geschnuppert, ihre Familie, Freunde und Klassenkameraden getroffen. Ihre Koffer hat sie bereits gepackt. Alle drei bis vier Jahre macht die Steyler Ordensschwester diese Reise. Seit 1968 arbeitet sie im afrikanischen Ghana.

Ghana sei ein Herzenswunsch gewesen, erzählt sie. Das Land und seine Menschen faszinieren sie bis heute. Auch wenn feucht-warmes Klima vorherrscht, Malaria sehr verbreitet ist. In Ghana, der ehemals englischen Kolonie, arbeitet sie in einer Missionsschule nahe der Stadt Accra. Rund 800 Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren besuchen die höhere Mädchenschule, machen einen Abschluss und gehen dann zum Studium.

"Accra hat gut vier Millionen Bewohner", sagt Schwester Agathina, die sich um den Internatsbetrieb kümmert. Ihr Alltag beginnt früh. "Ich stehe um 4.30 Uhr auf", erzählt sie. An Ruhestand denkt sie nicht, im Gegenteil. "Ich möchte so lange wie möglich arbeiten", sagt die 78-Jährige. Das Leben in Ghana sei bescheiden. Wasser und Strom gelten nach wie vor als kostbares Gut, das eingeteilt wird.

Das Land, einer von neun Steyler-Standorten in Afrika, erlebe derzeit einen Wandel, der vom Ölvorkommen vor der Küste bestimmt werde, das fest in der Hand amerikanischer Gesellschaften sei. "In Accra kaufen wir Lebensmittel ein. Wir haben nicht die Auswahl wie in Deutschland mit den verschiedenen Käsesorten und den vielen anderen Lebensmitteln", sagt sie.

Abgeschnitten von den Geschehnissen in der Welt ist sie nicht. Kommunikationsmittel wie Handy und Skype per Laptop versorgen sie mit aktuellen Neuigkeiten aus der Heimat und der Familie. "Früher war es schwer, den Kontakt mit der Heimat zu halten", so Schwester Agathina. Zu Bruder Theo Miß in Bönninghardt und den Kindern hält sie regen Kontakt. "Wir skypen mit Tante Deli", erzählt ihre Nichte Karla Miß. Deren Tochter Kristin verbrachte nach ihrem Abitur 2013 einige Zeit bei der Großtante in Ghana.

An den Beginn ihrer Ordenstätigkeit erinnert sich Schwester Agathina noch gut. "Ich fühlte mich berufen und wollte in der Mission arbeiten." Ihre Entscheidung, ihr Leben ab 1960 als Steyler Missionarin Gott zu widmen, hat sie nicht bereut. "Damals waren auch zwei Nachbarmädchen mit in Steyl", erzählt die Ordensfrau. Ihren Namen, Adele Miß, legte sie ab und erhielt den Namen Agathina, die Gütige.

In Ghana tragen 15 Mädchen ihren Namen. "Das macht ein wenig stolz", gibt sie zu. Vorm Jahreswechsel ist sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr Engagement für Kranke und Arme ausgezeichnet worden. In der Begründung heißt es, dass die Schwestern der Mission "eine tragende Säule" der kirchlichen Arbeit in Accra seien und die zur Mission gehörenden Schulen und Krankenhäuser vielen ein besseres Leben ermöglichen.

Zu erinnern ist in dem Zusammenhang auch an ein Brunnenbauprojekt, das mit Hilfe aus Birten möglich wurde. "All das war nur durch die Hilfe aus der Heimat machbar. Für die immerwährende Unterstützung bin ich sehr dankbar", sagt Schwester Agathina, die nun das nächste Projekt mit der Deutschen Botschaft angehen will. "Mein großer Traum ist Solarenergie, die uns im Krankenhausbetrieb unabhängiger macht", sagt Schwester Agathina. Sie hat noch viel vor.

Quelle: RP
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