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Rheinberg
Virtuoses Klavierkonzert

Rheinberg. Gelungener Auftakt: Das Klavierduo St. Petersburg hat die Konzertsaison der Musikalischen Gesellschaft eröffnet. Von Udo Spelleken

Mit dem virtuosen Klavierduo St. Petersburg startete die Musikalische Gesellschaft in der Stadthalle vielversprechend in die neue Konzert-Saison. Maja und Sergej Zirkunow sind Konzertpianisten aus St. Petersburg. Sie leben und arbeiten in Deutschland. Das Programm beinhaltete Solobeiträge, vierhändige Stücke sowie auch Improvisationen.

Den "Juni" und den "Dezember" der 1878 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski geschriebenen "Jahreszeiten" eröffnete Maja Zirkunow solistisch mit nahezu symphonischen Fakturen. Farbig arbeitete sie griffig die Kontraste heraus und entlockte dem Flügel wirkliche Klangfarben durch ihren flexiblen Anschlag und ihre dynamisch fein abgestufte Ausdruckspalette. Man fühlte in den beiden Stücken förmlich den Temperatur- und Naturzustand des jeweiligen Monats.

Im vierhändigen "Tanz der Zuckerfee" aus dem Ballett "Der Nussknacker", ebenfalls von Tschaikowski, widmete sich das Duo in fast übersteigerter Zärtlichkeit dem fragilen Wesen der Fee und geriet mit gezielter Dramatik in schwerelose Momente tänzerischer Vollkommenheit. Einen tiefen Einblick in die russische Seele vermittelte Sergej Zirkunow in drei "Préludes" von Sergej Rachmaninow. Er entfaltete in den Stücken einen fast lyrischen Klangzauber, der jeder "Miniatur" individuell angepasst war und trotzdem eine übergreifende Interpretationsgrundlage zeigte.

Im "Prélude cis-moll" ging er mit den gewaltigen Klangmassen umsichtig um. Sehr intelligent verband er Klangfülle mit tonalen Qualitäten, ließ den emotionalen Gehalt nicht sein Spiel beherrschen, sondern ordnete ihn ein in facettenreiche dynamische Entwicklungen. Im "Prélude g-moll" entstand kein düsteres Tonbild, sondern ein lyrisch poetisches Werk, dem er mit Sensibilität und ausgereifter Anschlagskultur intimes Leben einhauchte.

Die vierhändig gespielten "Slawischen Tänze" von Antonín Dvoøák und die "Norwegischen Tänze" von Edvard Grieg überzeugten durch Einfallsreichtum und mitreißende Melodik, deren Schlichtheit und vordergründigen Leichtsinn von Gefühlen und Frohsinn bestimmt wurden.

Voller tänzerischer Lebensfreude präsentierte Sergej Zirkunow Franz Liszt's "Ungarische Rhapsodie Nr. 6", in der er mit beeindruckenden Oktavläufen, Trillern und halsbrecherischen Akkordverbindungen brillierte. Der klare, präzise Anschlag wurde deutlich unterstützt vom obertonreichen und kristallklaren Klang des Bösendorfer Flügels.

Bei den Improvisationen über "klassische" Jazz-Themen erläuterte Sergej Zirkunow dem Publikum vorab die Gemeinsamkeiten von Franz Liszt und Duke Ellington und entwickelte aus dem Ellington-Jazz-Standard "Caravan" eine ungemein "Lisztig rhapsodierende", Bach-fugierte kraftstrotzende Beethoven-Fantasie.

Quelle: RP
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