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Solingen
Baubranche bangt trotz Boom vor dem Winter

Solingen. Die Wirtschaftslage der Mittelständler im Bergischen Land ist laut einer Umfrage auf einem Höhepunkt. Dennoch blicken viele Bauunternehmer pessimistisch auf die kommenden sechs Monate. Von Verena Kensbock

Vielleicht denken sich die Unternehmer in der Baubranche: "Das ist zu schön, um wahr zu sein. So kann es doch gar nicht weitergehen." Das vermutet zumindest Ole Kirschner von Creditreform Solingen. In einer Umfrage hat die Wirtschaftsauskunftei 300 mittelständische Firmen aus der Region zu ihrer Wirtschaftslage befragt. Das Ergebnis: Den Unternehmen geht es so gut wie noch nie seit Beginn der Befragung im Jahr 1996. Trotzdem erwartet das Baugewerbe eine Verschlechterung der Lage im kommenden halben Jahr.

Das gilt allerdings nicht für die anderen Branchen: Industrie, Groß- und Einzelhandel sowie das Dienstleistungsgewerbe. "Insgesamt ist die Stimmung hervorragend", sagt Kurt Ludwigs von Creditreform. Fast 80 Prozent der Unternehmen schätzten ihre aktuelle Lage als "sehr gut" oder "gut" ein. Als Schulnote ergibt sich für diesen Herbst in der Region eine 2,0. In der Bauwirtschaft ist es sogar eine 1,6.

So gut sei die Situation noch nie bewertet worden, sagt Ludwigs. Damit liegt das Bergische Land sogar über dem bundesweiten Durchschnitt mit der Note 2,2.

Dieses Hoch zeige sich vor allem in den Auftragsbüchern. Geringe Arbeitslosigkeit und günstige Kredite sorgen für ein Plus im Einkommen der Kunden und damit auch für viele Aufträge bei den Mittelständlern. Besonders in der Baubranche sind die Betriebe stark ausgelastet. Wer einen Handwerker oder eine Baufirma engagieren möchte, muss mitunter Wochen oder Monate warten.

Eine schlechte Nachricht gibt es jedoch für die Kunden: Viele Firmen müssen teurer einkaufen und die höheren Preise an ihre Kunden weitergeben. Etwa 44 Prozent der Unternehmen mussten mehr Geld für Materialien ausgeben, bei etwa der Hälfte der Firmen blieben die Preise stabil. "Höhere Einkaufspreise sind für die Betriebe kein Problem, wenn sie ihre Angebotspreise erhöhen können", sagt Ludwigs. Demnach musste etwa jeder dritte Mittelständler seine Preise anheben - besonders im Bausektor und in der Industrie. Bei einem Großteil von 64 Prozent blieben die Preise der Produkte und Dienstleistungen aber wie im Vorjahr.

Wer viele Aufträge hat, braucht viele Mitarbeiter. "Der lokale Mittelstand ist der Jobmotor der Region", sagt Kurt Ludwigs von Creditreform. Seit Frühjahr 2017 hat etwa jeder zweite Betrieb neue Mitarbeiter angeheuert und durchschnittlich 3,1 neue Arbeitsplätze geschaffen. Weniger als acht Prozent der Firmen haben Mitarbeiter entlassen - im Durchschnitt betraf das 3,6 Stellen. Besonders gut ist die Lage für Angestellte in Remscheid: Dort hat keines der befragten Unternehmen einen Mitarbeiter entlassen.

Obwohl die Stimmung in der Baubranche auf einem Hoch ist, blicken offenbar nicht alle Unternehmer zuversichtlich auf die kommenden sechs Monate. Jeder fünfte Firmeninhaber fürchtet, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern wird. Nur sieben Prozent glauben an eine Verbesserung. "Das liegt an der saisonabhängigen Arbeit im Baugewerbe", sagt Kirschner.

Im Handel, der Industrie und unter den Dienstleistern bleibt die Stimmung hingegen positiv: Hier rechnet ein Großteil mit einer Verbesserung oder einer konstanten Lage. Vor allem der Handel erwartet optimistisch das Weihnachtsgeschäft und kalkuliert mit hohen Umsätzen.

Quelle: RP
 
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