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Solingen
Blutkonserven in Solingen werden knapp

Solingen: Blutkonserven in Solingen werden knapp
Sorgen sich um die Anzahl der Blutkonserven im Zentrallabor des Klinikums Solingen: Dr. Jürgen Heinrich (Leiter des Zentrallabors) und Mitarbeiterin Nicole Erzt. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Die großen Engpässe in der Hauptreisezeit bereiten den Kliniken und Rettungsdiensten Sorgen. Vor allem die Spendenbereitschaft der Jüngeren ist eher gering, was dazu führt, dass Experten inzwischen Alarm schlagen. Von Alexander Riedel

Schon der erste Blick ins Innere der wuchtigen Kühlschränke im Zentrallabor des Klinikums offenbart das Problem: Hinter dem Schild mit der Aufschrift "0 Rhesus-negativ" war gestern Vormittag nur noch eine Konserve übrig. Und genau das ist die Blutgruppe, die besonders oft gebraucht wird, weil jeder Patient sie verträgt.

"Am Freitag war die Reihe noch gut gefüllt", berichtet Dr. Jürgen Heinrich, Leiter des Zentrallabors. Dann jedoch habe es eine dringende Operation gegeben. "Wenn jetzt jemand mit einer schweren Verletzung kommt, wird es schwierig", sagt Heinrich. Dann müsste das Klinikum womöglich bei einem seiner Kooperationspartner, etwa dem Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes in Hagen, Konserven bestellen, die mit Blaulicht nach Solingen gefahren würden. "Das dauert dann aber auch eine halbe bis Dreiviertelstunde", schildert Heinrich die Lage.

Zumal auch die Versorger selbst Alarm schlagen. "Im Moment ist es kritisch", sagt Detlef Hasenkox, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst-West. Dessen Ziel sei es, einen Drei-Tages-Katastrophen-Vorrat bereitzustellen. Tatsächlich jedoch reichten die Vorräte oft nicht einmal für einen Tag. Bei schwerwiegenden Unglücksfällen könne es notwendig sein, sogar in anderen Bundesländern nachzufragen. "Manchmal fahren Blutkonserven durch ganz Deutschland, weil sie an einem Ort dringend gebraucht werden und am anderen vielleicht keine sofortige Verwendung vorhanden ist", erklärt Cerstin Tschirner, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Kplus-Gruppe, zu der auch die St. Lukas Klinik gehört. Im Ohligser Krankenhaus gebe es zwar derzeit noch keinen Engpass. Der Blutspendedienst habe jedoch bereits signalisiert, dass bestimmte Blutgruppen in ganz NRW knapp seien.

Das ist nicht ungewöhnlich. "Die Spender sind im Urlaub", sagt Jürgen Heinrich. Allerdings macht den Lebensrettern nicht nur der typische saisonale Mangel Sorgen. Die Spendenbereitschaft ist in manchen Teilen der Bevölkerung eher schwach ausgeprägt. Während in ländlichen Gegenden ganze Vereine und Chöre praktisch als Gemeinschaft zum Blutspenden gehen, ist der Eifer vor allem in größeren Städten überschaubar - und auch zwischen Älteren und Jüngeren gibt es ein großes Gefälle. Inzwischen wurde die Altersgrenze für erfahrene Blutspender von 68 auf 72 Jahre angehoben. "Die Jüngeren muss man noch motivieren", sagt Heinrich. Den Engpass im Kühlschrank relativiert er schließlich ein wenig: Für geplante Eingriffe seien Konserven noch ausreichend vorhanden. Dennoch mahnen die Krankenhäuser und Rettungsdienste dringend zum Spenden.

Gelegenheiten gibt es für die Solinger zahlreiche, so zum Beispiel heute zwischen 15 und 19 Uhr im Walder Stadtsaal, am Freitag zwischen 14 und 18 Uhr in den Clemens-Galerien oder am Mittwoch, 17. August, zwischen 14 und 19 Uhr im Theater und Konzerthaus.

Quelle: RP
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