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Hückeswagen
Das Wiegen des Mülls ist letztlich zu teuer

Hückeswagen: Das Wiegen des Mülls ist letztlich zu teuer
FOTO: Stephan Büllesbach
Hückeswagen. Ist es nicht gerechter, die tatsächliche Müllmenge zu wiegen, als dass zum Jahresbeginn eine pauschale Gebühr gezahlt werden muss? Ist es nicht, versichern Stadtkämmerin und ein Experte des BAV. Und sie erläutern, warum sie vom Wiegen nichts halten. Von Stephan Büllesbach

Abgezockt fühlt sich eine Hückeswagenerin, die ihrem Unmut kürzlich auf Facebook Luft machte. Sie ärgere sich schon länger darüber, dass die Abrechnung für die Müllgebühren bereits am Jahresanfang in Rechnung gestellt werde. "Die wissen doch noch gar nicht, wie viel Müll ich machen werde." Die Hückeswagenerin verweist auf andere Kommunen, in denen der Müll gewogen wird. Dort werde einem nur das an Geld abgeknöpft, was man auch tatsächlich an Müll produziere, schrieb sie.

Das mag auf den ersten Blick betrachtet der richtige Weg sein, doch für Stadtkämmerin Isabel Bever und Christoph Rösgen, Leiter der Abfallwirtschaft des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (BAV), ist er das nicht. Im Gegenteil.

Bever erläutert im Gespräch mit unserer Redaktion das System, bei dem zum Jahresende die Müllgebühren für das nächste Jahr festgelegt werden; bezahlt werden muss dieser Abschlag zum Jahresbeginn. "Bei dieser Gebührenkalkulation handelt es sich um eine Systematik, bei der die Kosten nach dem Kommunalen Abgabegesetz berechnet werden", sagt die Kämmerin. Im Grunde genommen ist es ähnlich wie bei den Nebenkosten: Diese werden zu Beginn des Jahres geschätzt und auf die Miete umgelegt, am Jahresende wird abgerechnet. Hat der Mieter in den zurückliegenden Monaten zu viel bezahlt, erhält er die entsprechende Summe zurück. Hat er zu wenig abgeführt, muss er nachzahlen. Bezogen auf die Müllgebühren bedeutet das: "Wir haben zunächst einen kalkulierten Preis", sagt Isabel Bever. "Am Ende des Jahres wird jedoch der wahre ermittelt."

Entweder gibt es dann ein Defizit oder einen Überschuss - beides wird in einem bestimmten Rahmen an die Hückeswagener zurückgegeben. Grundlage ist dabei die Gebührenausgleichsrücklage, die innerhalb der nächsten drei Jahre aufgelöst werden muss. Diese gesetzliche Regelung soll verhindern, dass es in diesem Zeitraum zu hohen Gebührensprüngen kommt. Haben die Bürger also beispielsweise in einem Jahr anfangs zu viel bezahlt, bekommen sie das Geld gewissermaßen über die Gebührenkalkulation für das folgende Jahr zurück, da der Überschuss auf dessen kalkulierte Gebühr angerechnet wird. Dort hinein wird aber auch ein mögliches Defizit aus dem Vorjahr eingerechnet.

Die Müllgebühren enthalten jedoch nicht nur die Entsorgung des Abfalls - egal, ob die Tonne voll oder leer ist -, sondern auch eine ganze Menge weiterer Fixkosten. Christoph Rösgen zählt auf: "Da gibt es einen Strauß von Leistungen: das kostenfreie Bereitstellen der Behälter, die Abfuhr von Sperrmüll, Grünschnitt und Elektroschrott auf Abruf, das Schadstoffmobil, der Wertstoffhof, die Depotcontainer für Kleingeräte und Altkleider, die Abfallberatung, die Deponie-Nachsorgung, das Entsorgen von wildem Müll und das Entleeren der Straßenpapierkörbe - letzteres übernimmt zwar der Bauhof, wird aber dem BAV in Rechnung gestellt."

Das Wiegen des Mülls, wie es etwa in Kürten praktiziert wird, ist durchaus eine Möglichkeit. "Doch das sehen wir mit sehr viel Abstand", betont Isabel Bever. Denn dann werde der Abfall auf anderen Wegen entsorgt - etwa in der Mülltonne des Nachbarn, im Büro oder im Wald. Was alles illegal ist.

Zudem ist das Wiegen auch teurer. Rösgen: "Wir müssten das alles irgendwie abrechnen. Und dafür bräuchten wir mehr Personal." Das gilt auch für das Abfahren von illegal entsorgtem Abfall. "Nichts ist so teuer wie wilde Müllkippen", stellt Bever klar. Und wenn etwa Kinderwindel in den Wald geworfen werden, um Kosten zu sparen, hat das auch noch einen Ekelfaktor - vor allem für die Mitarbeiter des Bauhofs.

Quelle: RP
 
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