| 00.00 Uhr
Dirk Wagner
Entscheidungswege spürbar kürzer
Dirk Wagner: Entscheidungswege spürbar kürzer
Dirk Wagner ist Leiter des kommunalen Jobcenters. FOTO: martin Kempner (Archiv)
Solingen. Seit einem Jahr führt die Stadt das Jobcenter in alleiniger Verantwortung. Leiter Dirk Wagner zieht im Interview eine positive Bilanz.

Was läuft gegenüber früher, als man noch mit der Arbeitsagentur unter einem Dach in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengearbeitet hat, jetzt besser?

Wagner Die Entscheidungswege sind nun spürbar kürzer. Außerdem wurde die Zusammenarbeit sowohl mit städtischen Dienststellen als auch mit anderen Beteiligten deutlich intensiviert.

Und was läuft schlechter?

Wagner Wir hatten sicherlich ein paar Anlaufschwierigkeiten am Anfang des letzten Jahres, die sind aber inzwischen überwunden.

Was wurde neu eingerichtet?

Wagner Unser Team Jugend kümmert sich am Rathausplatz seit einem guten halben Jahr erfolgreich um die unter 25-Jährigen. Das Arbeitgeber-Team hat sehr gute Aufbauarbeit geleistet und mit fast 1500 Kontakten zu Arbeitgebern eine solide Grundlage für eine dauerhafte Zusammenarbeit geschaffen.

Hat sich der Kostenaufwand für die Stadt durch den Alleingang eigentlich geändert?

Wagner Das Gesamtbudget in Höhe von 96 Millionen Euro teilt sich auf die großen Bereiche Transferleistungen (46 Millionen Euro), Kosten der Unterkunft (33 Millionen Euro), Eingliederungsleistungen (sieben Millionen Euro) und Verwaltungskosten (zehn Millionen Euro) auf. Der städtische Anteil liegt wie in den Vorjahren bei rund 25 Millionen Euro.

Konnten im Laufe des ersten Jahres Vermittlungserfolge verbucht werden?

Wagner Ja natürlich, Menschen in Arbeit zu bringen, hat oberste Priorität. Aus diesem Grund haben wir einzelne Bereiche, wie zum Beispiel das Arbeitgeber-Team oder das Profiling, personell verstärkt. Sobald ein Kunde einen Antrag auf Arbeitslosengeld II stellt, geht er noch am selben Tag zum Arbeitsvermittler. Wichtig in der Vermittlung ist für uns die Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass vermittelte Beschäftigungsverhältnisse auch dauerhaft bestehen bleiben. Hier konnte das kommunale Jobcenter bereits gute Erfolge auch im NRW-Vergleich erzielen.

Gibt es weiter eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur?

Wagner Mit der Agentur für Arbeit haben wir schon sehr früh Vereinbarungen getroffen, um die Schnittstellen des operativen Geschäftes zu regeln. Das läuft sehr gut. Auch bei den strategischen Themen, beispielsweise bei der Fachkräfteinitiative, der Ausbildungsstellenvermittlung oder beim Übergang Schule/Beruf, gibt es einen engen Austausch und eine kollegiale Zusammenarbeit.

Wie viele Personen beziehungsweise Bedarfsgemeinschaften werden vom Jobcenter betreut?

Wagner Aktuell betreuen wir 14 429 Personen in 7523 Bedarfsgemeinschaften.

Wie viele davon stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung?

Wagner Dem Arbeitsmarkt stehen derzeit 10 367 erwerbsfähige Leistungsberechtigte zur Verfügung.

Können gegenüber früher mehr Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen untergebracht und so fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden?

Wagner Ziel des kommunalen Jobcenters in 2012 war es nicht, die Anzahl der Qualifizierungen zu erhöhen, sondern die Qualität der Maßnahmen zu steigern. Durch die Neukonzeption von zeitlich kürzeren und passgenaueren Angeboten ist der Anfang für eine gezieltere und damit effektivere Qualifikation unserer Kunden gemacht. Das hatte positive Auswirkungen auf die Dauerhaftigkeit vermittelter Arbeitsstellen. Deshalb werden wir diesen Weg 2013 konsequent weiter verfolgen.

Ist der Arbeitgeberservice etabliert? Wie sieht es mit Stellenangeboten aus?

Wagner Unser Arbeitgeber-Team arbeitet bedarfs- und bewerberorientiert. Durch engmaschige Betreuung kennen wir unsere Kundinnen und Kunden sehr gut und können Arbeitgebern so Bewerber vorschlagen, die die geforderte Qualifikation auch mitbringen. Darüber hinaus bieten wir, falls vom Arbeitgeber gewünscht, eine gezielte Vorauswahl sowie die Begleitung von Bewerbern auch über die Einstellung hinaus an.

Hartz-IV-Bescheide stehen häufig in der Kritik. In welchem Umfang wird dagegen geklagt?

Wagner Im Jahr 2012 wurden rund 160 Klagen eingereicht. Dies entspricht der landesweiten Quote.

UWE VETTER FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT DIRK WAGNER.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar