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Solingen
Jugendliche bringen Farbe an Korkenziehertrasse

Solingen. Wer auf der Korkenziehertrasse unterwegs ist und den Schlagbaumtunnel in Richtung Stadtmitte verlässt, trifft dort auf einen leuchtend bunten und zum Nachdenken anregenden Weg. Denn dort haben Jugendliche auf einer rund 100 Meter langen Mauer vielen Stationen eines Lebensweges mit Sprühdosen und Farben Gestalt verliehen. "Thema war: der Weg", erklärt Künstler Matthias Furch, der das Projekt "We Create Solingen" ins Leben gerufen hat, um Farbe in die Klingenstadt zu bringen und sie damit ein bisschen schöner und freundlicher zu gestalten. "Die Wand hier habe ich anvisiert, seit ich nach Solingen gekommen bin", verrät er. "Die ist so hässlich. Und hier ist doch ein Erholungsgebiet."

Die Korkenziehertrasse ist in der Tat ein Erholungsgebiet für viele Solinger, besonders das Gelände um den ehemaligen Nordbahnhof mit dem Bolzplatz, den Sportgeräten für Senioren und dem Spielplatz. Nun ist mit der liebevoll gestalteten Wand noch ein Höhepunkt dazugekommen. Das farbliche Konzept hat Matthias Furch den Workshop-Teilnehmern vorgegeben. So ist die Wand aufgeteilt in drei farbliche Bereiche: sand, blau, grün. Auf der sandfarbenen Seite, dem Beginn des Weges, sind zerbombte Städte, Friedhof, Panzer, ein weinendes Auge und der große Fernsehbildschirm zu sehen, der Bilder von der heilen Welt Europa zeigt.

Auf der grünen Fläche steht in riesigen Lettern: Je suis human? Blumen, Bäume und die vielfältigen grünen Farbschattierungen stellen eine friedliche Welt dar. Dort steht der zweite Fernseher, der die Bilder des Terrors zeigt. Zwischen der grünen und der sandfarbenen Fläche erstreckt sich das Meer. Die rund 20 Jugendlichen, die hier mit der Spraydose und mit Schablonen Streetart machen, sind bunt gemischt. "Es sind Flüchtlinge dabei, aber auch Leute, die Graffiti cool finden", sagt Matthias Furch. Anna Lina Kutter ist eine von ihnen. "Am Montag haben wir in drei Teams die Skizzen für die einzelnen Farbflächen gemacht", berichtet sie. Denn für Matthias Furch war es wichtig, dass sich die Jugendlichen mit dem Thema auseinandersetzen. Anna Lina hatte vorher noch nie eine Spraydose in der Hand, aber es macht ihr Spaß. "Matthias zeigt uns, wie man es noch besser hinbekommt." Natürlich bessert der Künstler noch nach, setzt Konturen und Lichtpunkte, so dass die Wand am Ende ein richtiges Kunstwerk wird. Das Projekt "We Create Solingen" wird unterstützt vom Verfügungsfonds "Wir für die Nordstadt" und gehört zum Projekt "Jugend macht Dialog".

Eine ganze Woche arbeiten die Jugendlichen an der Wand. Ihr Leitmotto ist "Make Art not War". Und Matthias Furch hat schon das nächste Ziel für "We Create Solingen" im Auge: "Den Bauwagen der Arbeiterwohlfahrt, der am Nordbahnhof steht."

(sue)
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