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Solingen
Kalt erwischt von Hallen-Schließung

Das sind die Sparvorschläge für Solingen
Das sind die Sparvorschläge für Solingen FOTO: gms
Solingen. Durch die Lektüre unserer Zeitung erfuhr Frank Eisler, der beim Ohligser Turnverein den Volleyball-Nachwuchs betreut, davon, dass mit der Schließung der Hauptschule Ohligs auch die Sporthalle Heiligenstock vor dem Aus steht. Der Verein will eine mögliche Übernahme in Ruhe prüfen. Von Andrea Röhrig

Montag für Montag trainiert Frank Eisler, Übungsleiter beim Ohligser Turnverein (OTV), mit den Nachwuchs-Volleyballern seines Vereins. Vier wertvolle Stunden hat er ab 18 Uhr für die Jugendlichen an eh schon knapp bemessenen Hallenzeiten in Solingen in der Sporthalle Heiligenstock ergattern können. Noch. Denn seit der Zeitungslektüre gestern Morgen rechnet Eisler mit dem Schlimmsten.

So konnte er in der Morgenpost nachlesen, dass mit der Schließung des Hauptschulstandortes Ohligs zugleich auch deren Sporthalle aus Kostengründen dicht gemacht werden soll: "Ich bin aus allen Wolken gefallen", zeigt sich Eisler noch Stunden später völlig konsterniert. Vor allem, weil am Abend vorher in der Volleyball-Abteilungsversammlung auch die zweite Vereinsvorsitzende, Beate Globisch, davon noch gar nichts wusste, was diese auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte: "Mit dem Verein hat im Vorfeld niemand gesprochen." Die Hallen-Schließung, so ist sich Globisch sicher, werde nicht nur die Volleyballabteilung treffen, sondern auch den Jugend-Handball, der in dieser Halle viele Trainingsstunden abhält sowie am Wochenende seine Meisterschaftsspiele austrägt.

Was das für Auswirkungen auf Solingens größten Verein mit seinen derzeit 2600 Mitgliedern haben könnte, zeigt der Verweis auf den TSV Aufderhöhe, der seit der Schließung der baufälligen Sporthalle Gillicher Straße mit Austritten zu kämpfen hat. Bei der Stadt räumte man gestern ein, dass die Kommunikation, was die geplante Aufgabe des Sporthallen-Standortes Heiligenstock betrifft, alles andere als optimal verlief. "Die Schließung der Hauptschule Krahenhöhe stand verwaltungsintern bereits länger fest; Ohligs kam kurzfristig hinzu, weil es dort nur sieben Abmeldungen für das kommende Schuljahr gab. Da hat wohl erstmal keiner an die Halle gedacht", berichtete gestern Stadtsprecherin Sabine Rische, die darauf verweist, dass das bislang alles nur Sparvorschläge seien, die erst noch die Politik bestätigen müsse. Allerdings kann derzeit niemand glauben, dass die Hauptschule Ohligs in dieser Form eine Zukunft hat; bereits im kommenden Schuljahr wird schon keine Eingangsklasse mehr gebildet. Eine frühere Schließung als die avisierte in 2013 ist also denkbar. Krahenhöhe soll nach derzeitigem Stand ein Jahr später dicht machen.

Wohl erst vergangenen Dienstag – wahrscheinlich in der Sitzung des Sportausschusses – sei der Fachverwaltung klar geworden, dass die Ohligser Halle betroffen sei, erläuterte Rische weiter. Die Verwaltung habe auf die betroffenen Vereine erst zugehen wollen, wenn Ausweichmöglichkeiten für die dort Sport treibenden Vereine gefunden worden seien, so die Stadtsprecherin weiter.

Nun ist das sprichwörtliche Kind allerdings erstmal in den Brunnen gefallen und Frank Eisler und Beate Globisch sind beide total sauer, dass die Stadt in dem wichtigen Bereich Kinder- und Jugendförderung spart. Denn gleichzeitig steht ja ab 2011 auch die Anhebung der Sportstätten-Nutzungsgebühren um stolze 58 Prozent zur Disposition. "Ich kann eigentlich nur allen raten, aus dieser Stadt wegzuziehen", sagt Eisler, der noch eine Schippe drauf legt: "Vielleicht ist es der Stadt lieber, wenn sich immer mehr Kinder ohne Aufsicht am Graf-Wilhelm-Platz aufhalten und sich gegenseitig Flaschen über den Kopf ziehen." Bei allem Ärger will man beim OTV auch nach vorne schauen. Denn die Stadtverwaltung würde auch eine Möglichkeit des Weiterbetriebs der Sporthallen in Betracht ziehen, wenn man sie an einen Verein übergibt und dadurch die Betriebskosten einspart.

Der OTV ist ein gutes Beispiel dafür, wie das bereits seit über 20 Jahren funktionieren kann. Allerdings will die Stadt auch an diesem Vertrag rütteln. 2009 flossen an den Ohligser Verein für den Betrieb der OTV-Halle 200 000 Euro an Personal- und Sachkosten. Die will man ab 2011 um 50 000 Euro kürzen. Beate Globisch sieht diesen Vertragspoker gelassen: "Unser Anwalt ist der Ansicht, dass der Vertrag hieb- und stichfest ist und nicht einseitig gelöst werden kann." Trotzdem kann sich die stellvertretende Vereinsvorsitzende zweierlei vorstellen: "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könnten wir überlegen, ob wir die Sporthalle Heiligenstock zusätzlich übernehmen. Oder – wie schon lange von uns geplant – wir bauen an unsere OTV-Halle an."

Quelle: RP
 
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