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Solingen
Märchenhaft weihnachtlich

Solingen: Märchenhaft weihnachtlich
Bei der Weihnachtsgala der Wupperhofer im Konzertsaal wirkte auch die dänische Sopranistin Lisa Tjalve. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Von still besinnlich bis schmissig keck: Die große Weihnachtsgala der Wupperhofer im Konzertsaal war eine vielseitige und festlich gelungene Einstimmung. Von Jan Crummenerl

Böse, alte Frauen, die gerne kleine Kinder fressen, sind in der Vorweihnachtszeit eigentlich nicht so gern gesehen. Aber doch ist es so gekommen. Es ist der denkwürdige 23. Dezember 1893 in Weimar. Die Märchenoper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck wird am Hoftheater aus der Taufe gehoben. Nicht nur der Uraufführungsdirigent Richard Strauss ist begeistert. Seitdem wird diese Oper gerne in der Zeit vor dem Christfest aufgeführt. Eine bezaubernde und bewegende Interpretation der Ouvertüre gab es am Sonntag im Konzertsaal zu hören.

Durchsichtig und mit schöner Klangfülle spielten die Bochumer Symphoniker unter Leitung von Heinz Walter Florin. Mit fein gestalteter Melodik führten die Musiker ins Märchenreich. Und die eindringlich sausenden Aufstiege im Orchester konnten wohligen Grusel auslösen: Der Hexenritt kündigt sich von Ferne an. Mit dieser Ouvertüre wurde der zweite Teil der großen Weihnachtsgala der Wupperhofer eröffnet. "Es wird märchenhaft und weihnachtlich", versprach Chorvorsitzender Michael Schmitz eingangs.

Die Sänger und Musiker hielten mehr als Wort im sehr gut besuchten Konzertsaal. Gleichzeitig schickte Schmitz Grüße in die Schweiz: Helga Leister, die große Mentorin der Wupperhofer, hatte just an diesem Tag Geburtstag. Alleine die Aufstellung und Zahl des Männerchores war imposant. Noch beeindruckender war aber das Können, das ihr Chef Heinz Walter Florin aus ihm herausholte. Hier ist gestalterischer Wille am Werk. Als Beispiel beeindruckte der große Chor in Mozarts "Laudate Dominum" nicht nur mit einem einheitlichen Klang bis in die leisesten Stellen hinein. Sondern dynamische Differenzierung zeichnete den Gesang aus - etwa in Mozarts "Du Seele des Weltalls".

Vielseitig - von still besinnlich bis schmissig keck - erwiesen sich die Sänger der Wupperhofer in drei Medleys über deutsche und internationale Weihnachtslieder. Alleine schon die peppig von den Bochumer Symphonikern umgesetzten Arrangements machten gute Laune. In den Stücken für gemischten Chor waren die Damen der Bonner Operisten im Einsatz. Das aus Solistinnen bestehende Ensemble setzte dem Männergesang der Wupperhofer eine stimmlich stil- und klangvolle Krone auf.

Neben den tadellosen Gästen aus Bochum und Bonn gab es auch noch Besuch aus dem Norden. Solistin der Weihnachtsgala war die dänische Sopranistin Lisa Tjalve. Die Stimme der Sängerin war beeindruckend. Hell und klar - voll und doch wendig bis in die Höhen. So wurden etwa das scheinbar so schlichte "Sandmännchen" von Brahms oder Max Regers "Mariä Wiegenlied" zu sanglich innigen Erlebnissen.

Zudem war die Sopranistin eine ideale Ergänzung zu den Wupperhofern. Ein Männerchor - auch mal verstärkt von den Bonner Sängerinnen - mit einem darüber schwebenden Sopran ist ein selten zu hörender Genuss. So gelang auch Adolphe Adams "Cantique de Noel" zu einem klanglich zarten Weihnachtskleinod. Und mit Tschaikowskys Blumenwalzer aus dem Weihnachtsklassiker "Der Nussknacker" gaben sich Florin und die Bochumer von besonders schwungvoller Seite.

War der zweite Konzertteil märchenhaft-weihnachtlich, so wurde der erste festlich eröffnend gestaltet. In Schuberts "Im Abendrot" waren die Wupperhofer ganz in ihrem a-cappella-Element. Klangreich und homogen im Klang beeindruckte der dynamische Facettenreichtum. Umrahmt wurde der erste Konzertteil von zwei Orchesterstücken aus "L'Arlesienne" von Bizet. Ausdifferenziert, mal dramatisch, mal schwungvoll, gelang die Ouvertüre. Festlich gestalteten Orchester und Dirigent den Glockenklang mit dem läutenden Ostinato der Hörner in "Carrillon".

Diese einstimmende Weihnachtsgala mit beeindruckenden musikalischen Gästen war ein vorweihnachtliches Geschenk an das Publikum.

Quelle: RP
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