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Solingen
Museumsbahn nimmt wieder Fahrt auf

Solingen: Museumsbahn nimmt wieder Fahrt auf
Der Schienenweg zwischen Kohlfurth und Cronenberg führt durch den Wald und gehört zu den schönsten Museumsstrecken. FOTO: Museumsbahnen (Archiv)
Solingen. Sonntag starten die historischen Straßenbahnen in die Saison. Fast die gesamte Strecke Kohlfurth-Cronenberg ist befahrbar. Nach den Diebstählen zuletzt sollen Barrieren neue Taten verhindern. Von den Dieben fehlt weiter jede Spur. Von Martin Oberpriller

Hinter den Bergischen Museumsbahnen liegen die wahrscheinlich schwersten Monate in der Geschichte des gemeinnützigen Vereins. Bereits seit 1969 kümmern sich die Eisenbahn-Enthusiasten um die historischen Gleise der ehemaligen Straßenbahnlinie 5 zwischen der Kohlfurth sowie dem Wuppertaler Stadtteil Cronenberg. Im Jahr 1993 reaktivierten die Museumsbahnen die stillgelegte Strecke, die mitten durch den Wald führt. Doch zuletzt erschien der Fortbestand des Vereins in ernster Gefahr. Der Grund: Metalldiebe hatten im vergangenen Herbst und Winter gleich mehrmals im Kaltenbachtal zugeschlagen und unter anderem große Teile der Oberleitung gestohlen.

Die schlimmsten Folgen dieser Raubzüge sind nun aber behoben, so dass einem Start der historischen Straßenbahnen in die neue Saison nichts mehr im Wege steht. Am kommenden Sonntag werden die Eisenbahnfreunde den Betrieb der Züge auf nahezu der gesamten Strecke zwischen der Kohlfurth sowie der Station Greuel wieder aufnehmen. "Wenn wir in den kommenden Tagen nicht noch von einem Sturm ausgebremst werden, legen wir wie geplant los", sagte jetzt der erste Vorsitzende der Bergischen Museumsbahnen, Michael Schumann, auf Anfrage.

Die historischen Bahnen ziehen seit Jahren viele Besucher an. Die Fahrzeuge stammen aus unterschiedlichen Städten. Im Bild ein Wagen, der früher in Wuppertal verkehrte. FOTO: Tinter

Und auch sonst glauben sich die Verantwortlichen des Vereins inzwischen gut gerüstet. So nutzten die Bergischen Museumsbahnen die zurückliegenden Wochen dazu, ihr Sicherheitskonzept grundlegend zu überarbeiten. Unter anderem wurde nach Angaben der Polizei eine Videoüberwachung installiert, die potenzielle Metalldiebe in Zukunft abschrecken soll. Und zudem stellten die Vereinsmitglieder Überlegungen an, die bei den Kriminellen besonders begehrten Kupfer- sowie weiteren Metallteile an der Strecke mittels einer sogenannten künstlichen DNA zu kennzeichnen, mit deren Hilfe Täter noch im Nachgang zu einer Tat ermittelt werden können.

Gleichwohl könnte am Ende vor allem eine Maßnahme helfen, die einen relativ geringen technischen Aufwand erforderte. So erschwerten die Bergischen Museumsbahnen die Zufahrten zu dem Gleiskörper. An den Wegen, die von den umliegenden Straßen zu der Straßenbahnstrecke führen, wurden versetzte Barrieren errichtet, die es Dieben praktisch unmöglich machen, sich mit dem Auto dem Schienenstrang zu nähern.

Die Idee dahinter ist denkbar einfach. Nach bisherigen Erkenntnissen benutzten die Täter bei den Diebstählen stets Fahrzeuge, um die Oberleitungen sowie die anderen Metallteile von der Strecke abzutransportieren - was durch die neuen Absperrungen nun aber faktisch ausgeschlossen sein dürfte. Immerhin liegen die Gleise sehr versteckt im Wald - rund einen Kilometer von den Straßen entfernt -, so dass es für die Täter fortan unmöglich erscheint, das schwere Diebesgut fortzuschaffen.

"Wir erhoffen uns durch die Absperrungen eine spürbare Verbesserung", sagte gestern ein Sprecher der Polizei im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn haben die Diebe erst einmal zugeschlagen und sind verschwunden, tappen die Beamten des zuständigen Kriminalkommissariats zumeist im Dunkeln. Die Aufklärungsquote bei Diebstählen ist sehr gering. Was sich auch am Beispiel der Metalldiebe in der Kohlfurth ablesen lässt, die seit vergangenem September insgesamt vier Mal zuschlugen und von denen bis heute jede Spur fehlt. "Verdächtige konnten leider noch nicht ermittelt werden", hieß es bei der Polizei.

Eine Nachricht, die bei den Museumsbahnen weiter Sorgen auslöst. Schließlich entstand durch die zurückliegenden Taten ein Schaden von 50.000 Euro, wie Vereinsvorsitzender Schumann errechnet hat. Nur aufgrund der großen Spendenbereitschaft von Bürgern, Firmen und anderen Vereinen konnte das Aus für die historische Bahn verhindert werden. Aus Dank haben alle Spender am Sonntag freie Fahrt.

Quelle: RP
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