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Solingen
Offenheit im Umgang mit verdrängter Krankheit

Solingen. Mit seinem Aktionstag "Demenz bewegt uns!" sensibilisierte das St. Lukas Pflegeheim für das oft tabuisierte Thema.

Immer wieder unterbrach herzhaftes Lachen die Übungen im Stuhlkreis. Plötzlich stand eine Frau auf und drehte unter dem Applaus der anderen Teilnehmerinnen eine Pirouette. "Sportliche Aktivität gibt den Menschen viele Stärken wieder zurück", sagte Beate Kalowsky, Pflegedienstleiterin des St. Lukas Pflegeheims.

Dort leben all jene fröhlichen Damen, die unter Anleitung von OTV-Sportlehrerin Nicole Philipps mit Tüchern ihre Koordination und Beweglichkeit trainierten. Auf dem Gelände der Einrichtung an der Schwanenstraße fand am Samstag deren jährlicher Aktionstag rund ums Alter statt - diesmal unter dem Motto: "Demenz bewegt uns!"

"Wir wollen auf die Krankheit aufmerksam machen und das Thema zugleich enttabuisieren", sagte Kalowsky, die für den Tag zahlreiche Aussteller gewinnen konnte, darunter auch die Rudi Assauer Initiative. Die war im Jahr 2012 gegründet worden, nachdem der frühere Bundesliga-Fußballer und Schalke-Manager sich öffentlich zu seiner Alzheimer-Erkrankung bekannt hatte. Ihr Ziel ist es, über Demenz zu informieren und Projekte zur Hilfe für Betroffene und ihre Angehörigen anzustoßen.

Der gesellschaftliche Umgang mit der Krankheit war das Thema eines Vortrags, den Thomas Behler, Geschäftsführer der Initiative, im Ohligser Pflegeheim hielt. Vor allem der demographische Wandel stellt dabei eine große Herausforderung dar.

"Im Jahr 2050 werden wir zwischen 2,4 und 2,7 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen in Deutschland haben - das heißt, wir werden immer mehr Betroffenen im Alltag begegnen", sagte Behler und forderte einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel: "Wir werden nicht alles über Senioreneinrichtungen regeln können, sondern brauchen vielmehr eine stärkere Inklusion in allen Bereichen." In Sparkassen gebe es zum Beispiel die ersten Bemühungen, Mitarbeiter auf den Umgang mit geistig Erkrankten vorzubereiten.

Doch auch über den Schwerpunkt Demenz hinaus bot der Aktionstag ein vielfältiges Programm rund ums Älterwerden: Optic und Hörakustik Bergmann lud die Gäste zum Hör- und Sehtest ein. Die Sanitätshäuser Köppchen und Foullon präsentierten ihre Produkte von der Greifhilfe über den Rollator bis zum "Mini-Trimmer".

Auch die Busch-Stiftung Seniorenhilfe, der Malteser Hilfsdienst, die Bergische Apotheke, die Polizei und das St. Joseph Fachseminar für Altenpflege waren mit ihren Ständen in Ohligs an der Schwanenstraße vertreten.

Für alle Generationen gab es zudem eine Filzwerkstatt.

(rdl)
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