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Solingen
"OLX" erinnert an seine Geschichte

Solingen: "OLX" erinnert an seine Geschichte
Alte Häuser mit schönen Fassaden gehören zum Ohligser Stadtbild, und sie prägen auch die Düsseldorfer Straße mit der Fußgängerzone. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Vor 125 Jahren wurde die Bürgermeisterei Merscheid in Ohligs umbenannt. Das feierte der Stadtteil mit vielen kleinen Höhepunkten. Von Alexander Riedel

Wer am Wochenende am Solinger Hauptbahnhof auf die Abfahrt seines Zuges wartete, begab sich zunächst auf eine Reise in die Vergangenheit: An der Glasfassade der Abfahrtshalle erinnerten dutzende Fotografien an die bewegte Geschichte des heute größten Solinger Stadtteils. "Es ist interessant zu sehen, was sich so alles verändert hat", sagte Irmgard Behn-Korn, die seit 1975 in Solingen lebt, mit Blick auf die Bildauswahl. "Ich kannte zum Beispiel die Kinos, die es in Ohligs früher gab, nur vom Hörensagen", erklärte sie, während sie mit einer Freundin an den Plakaten entlang schlenderte. "Wir sind gezielt hier hin gekommen, um uns die Ausstellung anzusehen", verriet Behn-Korn - und war damit nicht allein - viele Geschichtsinteressierte aus unterschiedlichen Generationen nahmen die Schwarzweiß-Bilder, aber auch Skizzen und nicht zuletzt die umfangreiche Zeittafel in Augenschein.

Zum Staunen und Schwelgen sorgten etwa Aufnahmen von den gefüllten Rängen im Stadion am Hermann-Löns-Weg zu glorreichen Zweitligazeiten von Union Solingen, von der alten Straßenbahn - und vom früheren Gebäude des heutigen Hauptbahnhofs. Dessen Eröffnung im Jahr 1867 hatte schließlich den Ausschlag dafür gegeben, dass nur knapp zweieinhalb Jahrzehnte später aus der einst kleinen Hofschaft Ohligs eine selbstständige Stadt unter demselben Namen wurde. Das 125-jährige Stadtjubiläum, zu dem der Verein Ohligser Jongens mit vielen Partnern am Wochenende eingeladen hatte, zeigte über drei Tage viele Facetten des Stadtteillebens und seiner Geschichte. In der Fußgängerzone stellten sich lokale Initiativen und Vereine vor: Ein leerstehendes Ladenlokal an der Düsseldorfer Straße platzte aus allen Nähten, weil die Schneidwarenunternehmen Robert Herder und Richartz Einblicke in ihre Arbeit und Produktpalette gaben. Das Autohaus Schönauen bot Pannenkurse an. Und auch der Vogelpark und die Kreisjägerschaft hatten ihre Stände entlang der belebten Fußgängerzone aufgebaut. Zu einer Art "Zeitreise" luden die Verkehrsbetriebe ein: Mit ihren historischen Obussen, die am Hauptbahnhof ihre Fahrgäste aufnahmen.

"Wir werden gleich noch an der Stadtführung zu den Villen hier in der Umgebung teilnehmen", berichtete der Ohligser Karsten Berg am Samstagmittag, und Ehefrau Andrea ergänzte: "Das wollten wir eigentlich schon lange gern machen." Wenig später setzte sich eine große Menschentraube um Stadtführer Horst Rosenstock vom Hauptbahnhof aus in Richtung Festhalle in Bewegung.

Die 1904 erbaute Veranstaltungshalle, in der Vergangenheit Heimat unzähliger Vereine, stand im Mittelpunkt des festlichen Reigens - und zwar nicht nur wegen des Konzerts, das die Bands "See you" und "Mike and the Waiters" am Samstagabend dem Publikum boten. Timm Kronenberg vom City Art Projekt eröffnete mehrere Stunden zuvor eine zweitägige Kunstausstellung mit den Werken von 21 Künstlern mit persönlichem Bezug zum Stadtteil. "Man hätte auch", sagte er, "40 oder 50 Künstler zusammenbekommen können, wir haben eine Riesen-Kunstszene in Ohligs." Und die zeigte auf der Empore der Halle ihre Vielseitigkeit: Die Gäste flanierten vorbei an Fotografien, Karikaturen, Skulpturen und Malereien zu ganz unterschiedlichen Themen. Petra Korte etwa dokumentierte, wie sich der Jubilar des Festwochenendes seinen Charme über die Jahrzehnte hinweg bewahrt hat: Sie bearbeitete alte Fotos von Ohligs aus dem Stadtarchiv mit Farbe und Salz.

Dessen konservierende Eigenschaft könnte symbolisch für die Aufarbeitung der Stadtgeschichte stehen: "Es hält ein wenig die Zeit fest", sagte Korte, ihr bereitete die Arbeit zum Stadtjubiläum sichtlich Freude: "Es war sehr spannend, was ich zu Ohligs alles erfahren habe."

Quelle: RP
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