| 00.00 Uhr

Solingen
Reformation wird ein Jahr lang gefeiert

Solingen: Reformation wird ein Jahr lang gefeiert
Umfänglich ist das Veranstaltungsprogramm zum Reformationsjubiläum. Für junge Menschen bietet die evangelische Stadtkirche Ohligs zum Auftakt am 31. Oktober abends die "Churchnight". FOTO: Nico Hertgen (Archiv)
Solingen. Am 31. Oktober 2017 jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal. Die Evangelische Kirche in Solingen bietet ab Ende Oktober über 70 Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum. Von Benjamin Dresen

In gut einem Jahr feiert ein Stück Weltgeschichte runden Geburtstag: Am 31. Oktober 2017 jährt sich der Thesenanschlag Martin Luthers an die Tür der Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal. Für die Evangelische Kirche beginnt das Reformationsjahr exakt ein Jahr vorher. Bis zum Jubiläumstag feiert sie das Ereignis, das als Startschuss der Reformation gilt, mit über 70 Veranstaltungen in Solingen. Das Programm umfasst Gottesdienste, Konzerte, Vorträge, Theater und eine Ausstellung.

Am 31. Oktober fällt der Startschuss ins Jubiläumsjahr mit einem dezentralen Reformationsfest. Hierzu gehören etwa ein ökumenischer Gottesdienst in Gräfrath oder ein "abrahamitisches Gastmahl" als interreligiöses Begegnungsfest in der Kirche in Wald. In der evangelischen Stadtkirche Ohligs steigt abends für junge Menschen die "Churchnight".

Am 11. November startet die Wanderausstellung "Typisch evangelisch" im Evangelischen Gemeindezentrum Merscheid. Sie tourt danach durch Solingen und wird auch im Rathaus, im Theater und Konzerthaus, der Stadtbibliothek oder Stadt-Sparkasse zu sehen sein. "Die Ausstellung zeigt, wie die Evangelischen sind", erklärt Pfarrer Thomas Förster.

Eine gemeinsame Veranstaltung aller Solinger Christen ist der Bibelmarathon vom 5. bis 11. März 2017. Eine Woche lang wird dann die Bibel vom Anfang bis zum Ende gelesen. Der Akademietag am 29. April 2017 zum Thema "Der unperfekte Mensch" gibt mit Vortrag und Diskussionen Möglichkeit zur intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung. Unter dem Motto "Nimm Platz!" soll es am 30. Juni 2017 einen Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Fronhof mit "FeierAbendBrot" und Zeit für Texte, Gebete und Gedanken geben.

Musikalischer Höhepunkt sind die zwei Aufführungen des Pop-Oratoriums "Luther" von Michael Kunze und Dieter Falk am 30. September im Theater. Beteiligt sind viele Profimusiker, Musicalsänger und ein 200-köpfiger Projektchor. Das Reformationsjahr endet am 31. Oktober 2017 mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche. Dieser Tag ist einmalig in ganz Deutschland ein Feiertag.

Auch heute sei die Botschaft der Reformation aktuell, sagte Superintendentin Dr. Ilka Werner: "Viele erleben das Leben als Hamsterrad, wo es darum geht, von vielen ,gelikt' zu werden." Die reformatorische Botschaft von Gottes Gnade halte dem entgegen: "Du bist okay und musst dir die Anerkennung nicht verdienen." Sie betonte aber auch: "Wir feiern nicht Martin Luther, wir machen kein Lutherjahr." Dieser habe zwar große Einsichten gehabt, die bis heute gelten, aber auch "katastrophale Einschätzungen", etwa gegenüber den Juden. Es sei "typisch evangelisch", niemanden auf den Sockel und sich selbst immer in Frage zu stellen.

Ob sich der Thesenanschlag anno 1517 zu Wittenberg tatsächlich so zugetragen hat, ist heute in der Geschichtswissenschaft ziemlich umstritten. "Es war wohl nicht so", sei der Standpunkt der meisten Historiker, erklärte Pfarrer Thomas Förster. Denn von Luther selbst gibt es keinen Bericht über den Anschlag der 95 Thesen. Vielmehr verbreitete der Reformator Philipp Melanchthon diese Version nach Luthers Tod 1546.

Das Programmheft mit allen Terminen im Reformationsjahr liegt in evangelischen Gemeindehäusern, in der Stadtbibliothek, im Rathaus und der Stadtkirche aus.

Programm Nach den Herbstferien sind alle Termine auch im Internet zu finden unter www.solingen2017.de.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Reformation wird ein Jahr lang gefeiert


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.