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Bergischer HC
Am Ende wird aus hektisch hässlich

Bergischer HC: Am Ende wird aus hektisch hässlich
Gummersbachs Kevin Schmidt scheitert mit diesem Siebenmeter-Versuch an BHC-Torwart Björgvin Gustavsson. FOTO: Köhlen
Solingen. Nach der bitteren 22:23-Niederlage im Handball-Derby zwischen dem BHC und dem VfL Gummersbach gibt es Ärger. Von Georg Amend

Das sogenannte Bergische Derby in der Handball-Bundesliga verlief über weite Strecken hektisch, mit vielen Fehlern auf beiden Seiten, dazu einem stets engen Spielverlauf, einigen harten Fouls, wechselnden Führungen und einer Schiedsrichterleistung, die zum Ende hin arg abfiel. Doch nach dem Schlusspfiff wurde aus hektisch hässlich: Gummersbachs Christoph Schindler rannte zu BHC-Rechtsaußen Arnor Gunnarsson und schubste ihn um, weil der Isländer ihn bei einer der finalen Abwehraktionen leicht mit seiner Hand im Gesicht touchiert hatte. Es war sicher nicht die brutalste Aktion des Abends, sie reichte aber für eine handfeste Rudelbildung, die die Unparteiischen zerstreuen mussten. In dieser Szene agierten sie vorbildlich.

Das galt allerdings für viele andere Szenen während des Spiels nicht, vor allem in den letzten 15 Minuten häuften sich die - sagen wir mal - unglücklichen Pfiffe. Und so fühlten sich die BHC-Spieler nach der 22:23-Niederlage um den Lohn ihrer aufopferungsvollen Arbeit gebracht. Kapitän Viktor Szilágyi zählte stellvertretend auf: "Da ist ein ganz, ganz wichtiger Ball auf Mo (Kreisläufer Moritz Preuss, Anm. d. Red.), wo sie Kreis pfeifen. Ich stehe direkt daneben - das war niemals Kreis. Und dann gibt es im direkten Angriff danach erst einen Schrittfehler von Gummersbach, den sie nicht pfeifen und dann auch noch das Kreistor." Gemeint war der Treffer von Simon Ernst zum 23:21 - auf Fotos ist zu erkennen, dass der Europameister den Ball noch in der Hand hat, als er schon mit dem Fuß im Kreis landet - klar irregulär, wird aber aufgrund der Geschwindigkeit der Aktion fast immer übersehen.

Das konnte Szilágyi allerdings so gar nicht besänftigen, er erinnerte an die letzten 50 Sekunden der Partie, in denen Gummersbach mit nur vier Feldspielern gegen sechs BHC-Akteure einfach nur die Uhr herunterspielte und bei einem Tor Vorsprung nichts mehr riskieren mochte: "Die Krönung ist dieser letzte Angriff", ereiferte sich der Österreicher. "Die spielen fast eine Minute mit vier Mann - das sehe ich nach den ersten zwei, drei Pässen, dass das nur passives Spiel ist. Die spielen zeitweise sogar rückwärts! Wo gibt es das denn? Ich akzeptiere das auch nicht, dass es heißt: Das ist in unserer Situation so. Nein, dagegen wehre ich mich!"

Dass die Unparteiischen hier nicht einschritten, ist ebenso schwer verständlich wie ihre Entscheidung 14 Sekunden vor dem Ende: Schindler hatte sich endlich mal in Richtung BHC-Tor bewegt und Max Weiß ihn hart im Gesicht erwischt - es gab zwei Minuten. Da es aber die Regel gibt, dass ein Foul in den letzten 30 Sekunden, das eine klare Torchance vereitelt, mit Roter Karte und Siebenmeter geahndet werden muss, war das eine Fehleinschätzung der Unparteiischen - Schindler war bis zum Kreis gezogen, eine klarere Torchance hätte er wohl kaum haben können. Doch die Schiedsrichter legten es anders aus, mit der Zeitstrafe für Weiß wurde das passive Spiel aufgehoben. "Das kann ich nicht nachvollziehen", meinte Preuss. "Wenn sie die Regel anwenden, haben wir bei einem Siebenmeter die Chance auf eine Parade und dann noch 14 Sekunden den Ball. So war es das Blödeste, was sie entscheiden konnten."

Allerdings hatten die BHC-Akteure auch selbst dazu beigetragen, dass sie nicht die angestrebten Punkte geholt hatten - das sah unter anderem Maximilian Weiß ein: "Zum Schluss sind wir zu oft zu früh in die Aktion gegangen, die Zeitstrafen und die vielen Siebenmeter am Ende brechen uns das Genick." Sein Trainer Sebastian Hinze ergänzte: "Wir haben in ein, zwei Situationen die Cleverness vermissen lassen, werfen uns den Ball auf den Fuß, die erste Überzahl, die wir hatten, wurde direkt durch eine Zeitstrafe wieder aufgehoben, und auch gegen Schindler am Ende haben wir es nicht clever gelöst." Dazu sagte er über Mittelmann Inal Aflitulin, den er zum Schluss trotz guter Leistung nicht mehr auf die Platte gelassen hatte: "Es war schwer für mich - dann hat wieder was funktioniert im Angriff, dann gab es wieder zwei Fehlversuche. In den letzten Minuten wäre Inal eine Option gewesen. Das nehme ich auf meine Kappe."

BHC-Beirat Jög Föste fand: "Die Phase, die wir durchzustehen haben, ist eine sehr ungewöhnliche. Es gibt Situationen, wo man alles versucht, aber wir sind nicht belohnt worden." Der zeitweise überragende Torhüter Björgvin Gustavsson ergänzte: "In unserer Phase ist das so. Aber wenn wir so kämpfen, kommen auch die Punkte. Wir wissen, was wir können. Das ist eine bittere Niederlage, aber wir müssen den Ärger darüber ausnutzen und dann am Sonntag alles reinwerfen und in Lemgo gewinnen."

Quelle: RP
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