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Fechten
Neue Wege mit gleichem Personal

Fechten: Neue Wege mit gleichem Personal
Die Fechttrainer des WMTV: Raphael Steinberger . . . FOTO: Tinter (Archiv)
Solingen. Steinberger übernimmt beim WMTV die Fechter von Ex-Trainer Uludüz. Die Kooperation mit der FALS ändert sich. Von Georg Amend

Die Kooperation zwischen dem Wald-Merscheider TV (WMTV) und der Friedrich-Albert-Lange-Schule (FALS) geht weiter. Zwar wurde der bestehende Kooperationsvertrag ad acta gelegt, doch es wird ein neuer erarbeitet. "Der WMTV und die NRW-Sportschule gehen neue Wege", sagt FALS-Leiter Peter Wirtz und erklärt: "Bislang war es so, dass der WMTV alles organisiert, was den Sport der Fechtabteilung angeht, und dass die Sportschule das Überregionale steuert. Aber der WMTV ist ein Stückweit bei seinen finanziellen Grenzen angekommen. Er kann den Hochleistungssport nicht ins Unendliche ausweiten, auch, weil die Rekrutierung von Spitzensponsoren nicht so erfolgt ist wie erhofft. Professioneller Spitzensport kommt nur mit ehrenamtlichem Engagement an seine Grenzen." Deswegen gibt es seit einigen Wochen einen hauptamtlichen Projektleiter Fechten, Dirk Schiffler. "Er war vorher ein Spitzentrainer, jetzt ist er Spitzentrainer und Spitzenmanager", lobt Wirtz.

WMTV-Vorsitzender Rolf Fischer ergänzt: "Der WMTV und die Sportschule arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich zusammen - das soll auch so weiter passieren. Das ist ein eindeutiges Bekenntnis zur Sportschule. Wir müssen die beiden Systeme in einem Hybrid zusammenführen. Schule und Verein funktionieren nach eigenen Regeln. Es steht fest, dass Spitzensport nur mit einem Partner zu leisten ist, auf der anderen Seite stehen die Interessen des Vereins, vor allem die Sicherstellung des Breitensportgedankens."

. . . Dirk Schiffler (auch Projektleiter) und Sascha Tykhomyrov. FOTO: Köhlen (Archiv)

Um diese Seiten besser zu vereinen, wurde eine Folge-Kooperation mit einem von Schiffler ausgearbeiteten Rahmenkonzept beschlossen. "Das sind hervorragende Ansätze. Es gibt nur noch einige Schnittstellen, die geklärt werden müssen. Das dauert seine Zeit", meint Fischer, der davon ausgeht, dass der neue Kooperationsvertrag in den nächsten Wochen unterschriftsreif ist.

Dass der Verein mit den bisherigen Strukturen an seine finanziellen Grenzen gekommen war, verhehlt Fischer ebenso wenig wie die Folgen: dass Herrendegentrainer Hakan Uludüz gekündigt wurde und ihm 16 Talente zum Solinger Turnerbund folgten. "Der Weggang von Sportlern war einkalkuliert. Sportlich ist das ein Verlust, betriebswirtschaftlich - das muss man sagen - ein Gewinn. Die Kosten im Herrendegen waren im Vergleich zu den Damen viel zu hoch. Wir haben Herrn Uludüz eine Halbtagsstelle angeboten, aber er hat das aus persönlichen Gründen nicht gemacht. Dass mit ihm Fechter zum STB gewechselt sind, ist eine Entscheidung, die wir akzeptieren. Wir wünschen ihnen viel Glück. Wir haben im Moment keinerlei Überlegungen, eine Kooperation mit dem STB einzugehen."

Für Schiffler war es "nach dem Weggang von Hakan Uludüz die erste Aufgabe, einen Ersatz zu finden", wie der Projektleiter erklärt. Und den hat er in Raphael Steinberger, der unlängst bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven noch unter Uludüz Bronze holte, ausgemacht. "Raphael hat sowieso schon den Schülerbereich abgedeckt - mit Erfolg: Bei den Landesmeisterschaften - deutsche Meisterschaften gibt es in dem Bereich nicht - haben die Schüler von drei Goldmedaillen zwei gewonnen", erinnert Schiffler.

Für Steinberger ist die Nachfolge von Uludüz ein logischer Schritt: "Ich studiere auf Lehramt und das nicht mehr so lange. Es gibt eine Absprache auf ein Referendariat hier an der Sportschule und die Hoffnung, danach weiter als Trainer und Lehrer hierzubleiben." Was das für seine aktive Karriere bedeutet? "Ich muss Prioritäten setzen. Ich habe die letzten zehn Jahre hart trainiert, aber es hat nicht gereicht, an die internationale Spitze auch nur in Ansätzen anzuknüpfen. Jetzt stehen Examina an, und ich will meine Gruppen vernünftig leiten. Ich werde mich fithalten und auch bei Turnieren mitfechten, aber ich habe nicht den Anspruch, anzugreifen. Ohne jeglichen Druck zu fechten, kann aber auch funktionieren", sagt Steinberger mit Blick auf seine jüngste Bronzemedaille.

So gehen WMTV und FALS die "neuen Wege" mit gleichem Personal. Weitere Änderung: Es wird einen Aufsichtsrat geben, in dem Fischer und Wirtz sitzen, der zwar über Schiffler steht, in seine Arbeit aber "nicht reinreden" wird, wie Wirtz betont. Außerdem sind "Elternvertreter mit eingebaut, was mich sehr freut, weil wir dann die Eltern direkt in die Informationsstränge einbinden können", berichtet Fischer, der ergänzt: "Wir haben das erste Ziel erreicht: Die finanzielle Situation ist wesentlich besser kontrollier- und steuerbar. So ist eine Zusammenarbeit ohne große finanzielle Probleme möglich. Wenn das in offener und ehrlicher Kommunikation erfolgt, bin ich mir sicher, dass es langfristig funktioniert. Das soll keine Seifenblase mit kurzfristigen Erfolgen sein."

Quelle: RP
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