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Solingen
Stadt baut Unterkunft für 600 Flüchtlinge

Solingen: Stadt baut Unterkunft für 600 Flüchtlinge
FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. An der Monhofer Straße in Ohligs wird die bisher größte Notaufnahme für Asylsuchende entstehen. Das Flüchtlingsdorf soll im November fertig sein. Stadt kaufte Grundstück vom Räderhersteller Kronprinz. DRK soll Betreuung übernehmen. Von Martin Oberpriller und Uwe Vetter

Die Zeit drängt - und darum sollen die ersten Bautrupps schon heute auf dem verwilderten Areal an der Monhofer Straße in Ohligs anrücken und Bäume sowie Sträucher fällen. Die Stadt Solingen wird auf einem 25.000 Quadratmeter großen Grundstück, das sie von der Firma Kronprinz gekauft hat, eine weitere Notaufnahmestelle für Flüchtlinge bauen. Bereits Anfang November könnten die ersten Asylsuchenden in das neue Flüchtlingsdorf einziehen, das nach seiner Fertigstellung Platz für rund 600 Menschen bieten wird.

An der Monhofer Straße - gegenüber von Kronprinz (o.) - will die Stadt ein Flüchtlingsdorf errichten. Heute beginnen Rodungsarbeiten auf dem Areal, auf dem früher Tennisplätze für die Mitarbeiter des Räderherstellers lagen. FOTO: Köhlen

Damit geht die Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen erstmals neue Wege. In Ohligs werden mehrere beheizbare Häuser entstehen, die in Messebauweise errichtet werden und auch in den Wintermonaten bewohnbar sind. Bislang wurden Asylsuchende, die im Rahmen einer Nothilfe für das Land aufgenommen wurden, in ehemaligen Schulgebäuden beziehungsweise in Sporthallen untergebracht. Zuletzt zogen beispielsweise rund 120 Frauen, Männer und Kinder in eine Halle des Gymnasiums Schwertstraße.

Ob mit dem Neubau an der Monhofer Straße die Einquartierungen von Asylsuchenden in Sporthallen ein Ende haben werden, steht allerdings nicht fest. Dies hänge von der künftigen Entwicklung der Flüchtlingszahlen ab, hieß es gestern vonseiten der Stadt. Darüber hinaus, so stellte ein Rathaus-Sprecher klar, handele es sich bei dem neuen Flüchtlingsdorf in Ohligs um eine Notaufnahmeeinrichtung, nicht um eine dauerhafte Erstaufnahmestelle. Hierüber befindet sich die Stadt zurzeit noch in Gesprächen mit dem Land.

Verhandlungen laufen momentan auch mit dem Deutschen Roten Kreuz. Das DRK Solingen soll die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen. "Wir erfüllen die Qualitätsstandards und erarbeiten ein Konzept", sagte DRK-Geschäftsführer Jan Welzel unserer Redaktion. So werde unter anderem geprüft, wie viel Personal nötig sei und ob das Rote Kreuz die Sicherung des Objekts übernehmen könne.

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Tatsächlich verlangt gerade das Thema Sicherheit den Verantwortlichen viel ab. Auch aus diesem Grund gibt es Kritik an der Entscheidung der Stadt, ein Flüchtlingsdorf zu errichten. So zeigte Frank Knoche, der für die Grünen im Sozialausschuss sitzt, gestern zwar Verständnis für die Zwänge, denen die Verwaltung unterliegt. Gleichzeitig mahnte Knoche aber eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen an. "In kleinen Einheiten gibt es weniger Probleme", sagte der Sozialpolitiker. Darüber hinaus, so Knoche, müsse die Stadt dringend neue Wohnungen bauen. Knoche: "Wir brauchen wieder städtisches Wohneigentum, um langfristig zu planen".

Der Erwerb an der Monhofer Straße ist indes bereits nachhaltig angelegt. Die Stadtverwaltung kaufte das Areal vom Räderhersteller Kronprinz. Der Automobilzulieferer hatte zuletzt, so heißt es, keine Verwendung mehr für das Grundstück, da er auf seinem direkt gegenüberliegenden Firmengelände ausreichend Platz für mögliche Erweiterungen besitzt.

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Die Stadt Solingen beziehungsweise die Wirtschaftsförderung hatten darum schon seit Längerem ein Auge auf das Kronprinz-Grundstück geworfen. Ziel war es zunächst, das Areal in Ohligs für die Ansiedlung von Unternehmen in einem neuen Gewerbegebiet zu nutzen. Ein Plan, der mit dem Bau des Flüchtlingsdorfes nicht aufgegeben wird. Denn wird die Unterkunft später nicht mehr benötigt, kann das Grundstück wieder umgewandelt werden.

Am heutigen Dienstag will die Stadt Solingen im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Details nennen. Diese dürften auch den Bezirksbürgermeister von Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid, Marc Westkämper, interessieren. Der Christdemokrat wurde gestern von den Flüchtlingsdorf-Plänen der Stadt überrascht. Westkämper: "Ich gehe davon aus, dass die Verwaltung die Bürger gesondert informieren wird. Das hat bislang immer gut funktioniert".

Quelle: RP
 
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