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Bühne
Lektionen aus Beikirchers Kosmos

Solingen. Eigentlich sollte niemand weniger prädestiniert sein, den Rheinländer zu erklären, als ein Mann, der in Südtirol geboren wurde. Aber genau das macht Konrad Beikircher seit gut 30 Jahren in seiner "Rheinischen Trilogie" - und dieses Erfolgsrezept wirkt bis heute.

Angefangen hatte seine Karriere als Kabarettist im Radio: Beim WDR waren 1984 seine witzigen, oft sarkastischen Telefongespräche zwischen der Frau Roleber und der Frau Walterscheid zu hören. Die beiden betagten Damen holte der Wahlrheinländer bei seinem Gastspiel im gut besuchten Pina-Bausch-Saal auch wieder aus der Versenkung hervor. Die Bäckersfrau ist inzwischen Witwe, ihren Laden hat sie an ein modernes Bestattungsunternehmen vermietet: "Die haben keine Särge, die bestatten online über das Handy mit der Affnippel-App".

Sein Programm "Bin völlig meiner Meinung" spannte einen Bogen von biblischer Zeit bis in die Gegenwart und fand trotz größter Abschweifungen immer zum eigentlichen Thema zurück. Und dieses ist eben fortwährend das Universum des Rheinländers, das durchforscht, sprachlich in allen Winkeln durchleuchtet und mit vielen Pointen genussvoll serviert wird. Wenn sich Beikircher in eine Erzählung vertieft, dann zieht diese sich gerne schon einmal etwas länger hin. Er kam an diesem Abend vom Hölzchen aufs Stöckchen, und zu jedem Detail wusste er wieder eine eigene Geschichte zu erzählen. Nur während des Gelächters des Publikums machte er eine Verschnaufpause.

Pointiert und liebevoll ironisch streifte er die Themen Älterwerden und Kirche. Total absurd war sein tollpatschiger Versuch, im niederländischen Roermond Marihuana zu kaufen. "Als ich jegangen bin, sind 50 Kiffer aufgestanden und haben applaudiert." Der Kabarettist ist auch ein begeisternder Parodist der Dialekte. Sein Lieblingsthema im gut zweistündigen Programm, ist die Flut an Reliquien im Rheinland und ihre wechselvollen Geschichten. Etwa die Sandalen, die Jesus dabeihatte, als er in eine Sinnkrise kam und in der Wüste umherirrte, um Antworten zu finden. Als er sich auf einem Stein zur Rast niederließ, geschah das Wunder: Vor seinen Augen entwickelten die gerade abgestreiften Sandalen ein Eigenleben und marschierten schnurstracks nach Prüm in der Eifel, wo sie bis heute als Reliquie verehrt werden. Da wird die Heilige Adelheid durch ihren Schwager, den Heiligen Fielmann von ihrer Weitsichtigkeit befreit, und ein mitfühlender Kölner Dombaumeister legt den Heiligen Drei Königen kurzerhand die Gebeine von drei Jungfrauen mit in den Schrein, damit die sich nicht so einsam fühlen.

Konrad Beikircher löste mit seinen lakonisch servierten historischen Erzählungen eine Lachsalve nach der anderen aus. Das begeisterte Publikum bekam von dem liebenswerten Künstler zwei Zugaben serviert - wer weiß, ob es sich dabei diesmal um wahre Geschichten handelte. Auf jeden Fall waren sie gut erfunden und hinreißend erzählt. Der rheinische Tonfall des kurzweiligen Abends wird lange in Erinnerung bleiben, zumal Beikircher in seiner Vorstellung auch eine Liebeserklärung an das Bergische Land abgab.

WOLFGANG GÜNTHER

Quelle: RP
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