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Solingen
Unterbringung von Flüchtlingen durch gemeinsamen Kraftakt

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Solingen. Vor den Sommerferien war die Welt noch in geordneten Bahnen, "jetzt ist das nicht mehr so", sagte Sozialdezernent Robert Krumbein in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Mitte mit Blick auf die steigenden Flüchtlingszahlen. Von Günter Tewes und Uwe Vetter

"Ab Juli zeichnete sich eine deutliche Steigerung ab", so Krumbein. 137 waren im vergangenen Monat in Solingen angekommen, im August sind es inklusive der Flüchtlinge in der Landeseinrichtung an der Goerdelerstraße bereits 225. "Und der Monat ist noch nicht zu Ende." Krumbein will zwar nicht spekulieren, doch geht er davon aus, dass bis zum Jahresende bis zu 2000 Flüchtlinge zusätzlich in Solingen aufgenommen werden müssen.

"An eine so große Zahl haben wir in unseren kühnsten Träumen nicht gedacht", gibt der Dezernent zu, gleichwohl wolle man weiter vermeiden, Flüchtlinge in Turnhallen oder Zeltstädten unterzubringen. Geprüft werde zudem, neben dem alten Finanzamt eine weitere Erstaufnahmestelle für das Land mit rund 500 Plätzen einzurichten. "Wir treffen Vorsorge, um eine menschenwürdige Unterbringung für Flüchtlinge zu gewährleisten. Ob das gelingt, kann man angesichts unsicherer Zuweisungszahlen aber nicht vorhersagen", erklärte Krumbein.

"Wenn wir alle Möglichkeiten intelligent nutzen und alle Kräfte eng vernetzen, werden wir die Flüchtlinge in Solingen angemessen unterbringen können", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Kurzbach. Er ist davon überzeugt: "Das wird auch ohne die Nutzung von Turnhallen gehen."

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Für Oberbürgermeister Norbert Feith ist klar: "Es ist noch Raum in der Herberge." Obwohl bereits 1500 Flüchtlinge in der Stadt leben und weitere 2000 dazu kommen könnten. "Das ist eine große Herausforderung für die Stadt, aber die Aufgabe erscheint lösbar: Wenn die Verwaltung sich der Herausforderung anpasst und diese effizient managt. Wenn noch leerstehender Wohnraum mobilisiert wird. Wenn die Unterstützung durch ehrenamtliche Kräfte anhält oder sich sogar steigern lässt", sagte Norbert Feith. Er fordert gleichzeitig Land und Bund auf, sich stärker an den Kosten zu beteiligen: "Dass die NRW-Städte bis heute auf über zwei Dritteln dieser Kosten sitzenbleiben, im Unterschied zum Beispiel zu Bayern, ist und bleibt unverständlich und ein großes Ärgernis."

Obwohl Solingen jetzt einen Sonderkrisenstab eingerichtet hat, heißt dies laut Feith nicht, dass die Stadt überfordert ist. "Aber die Unterbringung und Betreuung so vieler Menschen in denkbar kurzer Zeit ist keine Alltagsaufgabe mehr, für die es Routinen und Rezepte gibt. Die Stadtverwaltung muss handlungsfähig und in der Lage sein, die humanitäre Aufgabe der Flüchtlingshilfe zu bewältigen und gleichzeitig die Stadtgesellschaft zusammenzuhalten."

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Schätzungsweise rund 2500 leerstehende Wohnungen gibt es momentan in Solingen. Die Stadt hat deshalb gestern Nachmittag Haus- und Grundeigentümer in den Konzertsaal zu einer Infoveranstaltung eingeladen mit dem Ziel, Vermieter und Immobilieneigentümer zu motivieren, ihren privaten Wohnraum für Flüchtlinge zu vermieten.

"Die Stadt ist Mieter der Wohnungen und zahlt die marktübliche Miete laut dem aktuellen Mietpreisspiegel", erklärte Bernd Wörder vom Stadtdienst Wohnen. Er und Lutz Blum vom städtischen Immobilienmanagement sowie Iris Erkelenz und Stefan Grohé vom Stadtdienst Soziales gingen auch auf Fragen der rund 50 Interessierten im Konzertsaal ein.

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Nach den Worten von Wörder schließt die Stadt mit den Privatvermietern einen normalen, unbefristeten Mietvertrag ab. Falls sich herausstellen sollte, dass der zugeteilte Flüchtling nicht zum Vermieter passen sollte, reagiert die Stadt sogleich und sorgt für eine Alternative. Und falls es überhaupt nicht funktionieren sollte, kann der Mietvertrag auch einvernehmlich aufgelöst werden. Die Infoveranstaltung fand in enger Zusammenarbeit mit den Haus- und Grundeigentümervereinen Solingen und Ohligs statt, die, so wurde deutlich, ihren Mitgliedern bei der Gestaltung der Mietverträge und allen weiteren Fragen behilflich sind. Fast 500 Flüchtlinge sind derzeit in privaten Wohnungen in Solingen untergebracht.

Quelle: RP
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