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Solingen
Vier Tage in der Welt der Musik untergetaucht

Solingen. Wer in die Tasten des Klaviers greift oder die Saiten der Gitarre zupft, hat in der Regel ein Blatt mit Noten vor der Nase. Wer klassisch ein Instrument lernt oder spielt, der kann diese Noten lesen und weiß, was der Komponist sich da zusammenfabuliert hat. Aber - oh Schreck - da liegen auf einmal keine Noten mehr, sondern kryptische Zeichen auf dem Pult - etwa: Fis7(#9/13). "Für den Jazz-Anfänger ist es natürlich erstmal ungewohnt, auf diese Akkordschrift umzustellen", erläutert Ulrich Eick-Kerssenbrock, Leiter der Musikschule. Aber keine Angst: Im Unterricht wird das genau erklärt und geübt. Anfänger und Fortgeschrittene, Reinschnupperer und Wiederholungstäter fanden zum 29. Solinger Jazzworkshop in der Musikschule zusammen. Von Jan Crummenerl

45 Begeisterte ließen sich vier Tage auf das Abenteuer Jazz ein. Zum dritten Mal fand der Workshop an der Flurstraße statt - und zum ersten Mal ganz in Eigenregie der städtischen Einrichtung. Überwiegend kamen die Teilnehmer aus Solingen und der umliegenden Region - einer sogar aus Brasilien. "Zumindest hat er wegen des Workshops seinen Rückflug um einen Tag verschoben."

Für Eick-Kerssenbrock war es eine Superveranstaltung: "Es war etwa begeisternd und zugleich rührend zu sehen, wenn ein Achtjähriger mit einem 70-Jährigen zusammen musiziert." Ganz unproblematisch fanden die Proben ganz auf Augenhöhe statt. "Besonders toll war es auch, dass viele Teilnehmer jünger als 13 Jahre waren." Rund ein halbes Dutzend Dozenten kümmerten sich um die Pianisten und Gitarristen, um die Spieler an Trompete, Posaune, Saxophon, Bass und Schlagzeug. Auch sechs Sänger waren mit dabei. Nach dem Theorie- und Instrumentalunterricht wurde in fünf Combos weitergearbeitet, bevor abends alle zur Big-Band-Probe zusammenfanden. Und warmes Mittagessen gab es natürlich auch. "In der Eingangshalle ging es fast zu, wie in einer Suppenküche", so der Musikschulleiter. Dieses Gemeinsame und vor allem die große Intensität machen den besonderen Reiz des Workshops aus. "Es ist schon ein großer Unterschied zum normalen Unterricht", erklärt Eick-Kerssenbrock. "Die Teilnehmer sind buchstäblich vier Tage weg aus dem Alltag, vier Tage ganz in die Welt der Musik abgetaucht." Das liegt auch am anspruchsvollen Unterricht. "Es geht eben nicht zu wie bei einem offenen Singen. Diese Intensität macht den Mehrwert aus und den Workshop zu einer lebendigen Gute-Laune-Veranstaltung."

Keine Frage also, dass es 2017 weitergeht, wenn der 30. Jubiläumsworkshop ansteht. Eick-Kerssenbrock: "Das lässt sich natürlich nur durch das große Engagement von Einzelnen machen." Da kommt es zugute, dass in der Musikschule großer Wert auf Jazz gelegt wird und man dazu die richtigen Dozenten im Hause hat. Und es muss natürlich finanziell zu stemmen sein. In diesem Jahr gelang das über die Teilnehmergebühr und dank der Stadt-Sparkasse als Sponsor.

Höhepunkt war das Abschlusskonzert. Die Combos stellten ihr erarbeitetes Programm vor, bevor alle als Big Band loslegten. Dann wurden die Teilnehmer wieder in die Welt des Alltags entlassen - aber um viele neue und gute Erfahrungen, Begegnungen und musikalische Erlebnisse bereichert.

Quelle: RP
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