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Viersen
Bodenprobe soll Wertigkeit feststellen

Viersen. Die Interessengemeinschaft Niersweg / Mutschenweg kämpft weiter gegen den geplanten Bau von Häusern für Flüchtlinge, die später zu Sozialwohnungen umgewandelt werden sollen Von Willi Schöfer

Zuletzt hatte die Willicher Verwaltung beim Bau von vier Flüchtlingsunterkünften am Neersener Niersweg immer argumentiert, dass es sich dort am Rand des Landschaftsschutzgebietes um eine rein landwirtschaftliche, ökologisch nicht wertvolle Fläche handelte. Dieser Aussage will jetzt die Anwohner-Initiative, die sich seit langem gegen den Bau dieser Unterkünfte wehrt, im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund gehen. Jetzt wollen die Anwohner von einem unabhängigen und anerkannten Gutachter prüfen lassen, welchen ökologischen Wert dieser Boden tatsächlich hat - zumal es sich nur wenige Meter weiter, darin sind sich Experten und Behörden einig, um einen hochwertigen Niedermoorboden handeln solle.

Dies war das wichtigste Ergebnis, als sich jetzt die Initiative mit ihren Sprecherinnen Martina Frey und Sylvia Krusche zum vierten Mal traf. Martina Frey war immer noch die Enttäuschung anzusehen, als sich kürzlich der Landschaftsbeirat der Unteren Landschaftsbehörde mit 7:4-Stimmen dafür ausgesprochen hatte, für den Bau die naturschutzrechtliche Befreiung zu erteilen (die RP berichtete). "Die Entscheidung musste wohl so fallen", regten sich die Sprecherinnen vor allem darüber auf, dass sich die Stadt Willich und die Kreis-Behörde bereits im Vorfeld einig gewesen seien, die Bauten zuzulassen. In der Beirats-Sitzung hatte auch Willichs Technische Beigeordnete Martina Stall ausführlich die Gelegenheit gehabt, die Notwendigkeit der Häuser an dieser Stelle mit den offenbar fehlenden Alternativen zu erläutern. Auch dies zweifelt die Initiative nach wie vor an.

Mit dabei waren auch wieder die zwei Vertreter vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Kreis Viersen (BUND), Almut Grytzmann-Meister und ihr Ehemann, Beiratsmitglied Horst Meister. Für ihn war es unverständlich, dass bei der dann ausgesprochenen Befreiung der Boden- und Artenschutz überhaupt keine Rolle gespielt habe. Was Meister vor allem empörte, war der Umstand, dass einerseits einen Tag vor der Beiratssitzung beim Kreis ein Schreiben der Bezirksregierung eingegangen war, die die Schlüssigkeit der Maßnahme anzweifelte und erst noch eine Ortsbegehung durchführen wollte und dass andererseits Kreisdirektor Andreas Budde das Schreiben der Bezirksregierung im Beirat unter anderem mit folgendem Kommentar abtat: "Ob dies eine Weisung ist, bleibt mal dahingestellt, jedenfalls gibt es für uns beim Landschafts- und Naturschutz keine Fragezeichen mehr."

"Dies war keine Empfehlung oder Weisung, sondern eine klare Anordnung der Bezirksregierung", sagte Meister, der den Ortstermin jetzt abwarten will und weiter als BUND-Vertreter davon sprach: "Wir halten uns vor, eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Andreas Budde einzureichen, weil er schlichtweg die Unwahrheit gesagt hatte." Jedenfalls habe der BUND neben der Bezirksregierung auch das NRW-Umweltministerium über die Vorfälle und über die Aussagen Buddes informiert. Den Vorschlag einer Bodenuntersuchung machte Almut Grytzmann-Meister. Sie wolle sich jetzt nach einem entsprechenden Sachverständigen umsehen. Dieses Gutachten ("das könnte man dann je nach Expertise auch bei einer späteren Klage hinzuziehen") koste allerdings zwischen tausend und 1.500 Euro. Etwa 20 Anwohner von Mutschen-, Erlen- und Niersweg kamen zu der Info-Veranstaltung ins "Café Steffi". Und etwa eine halbe Stunde nach dem Vorschlag von Almut Grytzmann-Meister hatten sich bereits 18 Anwohner mit einer Spendensumme von insgesamt rund 700 Euro in die Liste eingetragen. Weiteres Geld erhofft sich die Initiative, unter anderem beim Fest der Straßengemeinschaft "Am Tanneböschke" am 4. und 5. Juni sammeln zu können. Anwohner kritisierten noch die Stadt Willich, die immer Eigentümer der Fläche war und das Areal zur landwirtschaftlichen Nutzung - zuletzt war dort ein Maisfeld - verpachtet hatte. "Warum hat Willich als Eigentümer diese landwirtschaftliche Nutzung unmittelbar am Rand des Landschaftsgebietes überhaupt zugelassen?" - dies wurde mehrmals von Anwohnern gefragt. Später sollen an dieser Stelle aus den Unterkünften für die Asylanten Sozialwohnungen gemacht werden.

Quelle: RP
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