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Brüggen
Brüggen beugt Innenstadt-Verödung vor

Brüggen: Brüggen beugt Innenstadt-Verödung vor
Zugeklebte Schaufenster und leerstehende Geschäftsräume sind auch in der Brüggener Fußgängerzone ein Problem. In einem Workshop wollen Verwaltungsmitgliedern und Händler Lösungen erarbeiten. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Leerstände in der Innenstadt sind auch in Brüggen ein zunehmendes Problem. Ideen für eine lebendige Stadt holt sich die Burggemeinde in den Gemeinden Vlotho und Altena. Von Anne Peters

Leerstände in den Innenstädten sind für Kommunen ein wachsendes Problem. Auch in Brüggen. "Wer durch die Fußgängerzone geht, wird feststellen, dass viele Fenster zugeklebt sind", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Schmidt in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus.

Das sei noch kein Grund zur Panikmache, aber doch ein Zeichen dafür, dass man sich des Themas Leerstand annehmen müsse. Entsprechend zielte der Antrag der CDU darauf ab, ein Konzept zu entwickeln, das den Leerständen in der Fußgängerzone entgegen wirkt. "In Brüggen ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen", ergänzte Parteikollege Guido Schmidt. Die Burggemeinde wolle rechtzeitig vorbeugen und lässt sich von Städten wie Vlotho oder Altena inspirieren, die neuartige Konzepte umsetzen.

Altena, die Kleinstadt am Rande des Sauerlands, liegt idyllisch und bietet - wie auch Brüggen - eine Burg. Trotzdem ist wenig los in der Innenstadt. Und wenig Leute bedeuten wenig Kaufkraft. Die Folge: 40 Prozent der Läden standen zu Höchstzeiten leer. Aus Mitteln des Landes finanzierte Altena den Bau eines Erlebnisaufzugs zur Burg, der fortan Unter- und Oberstadt verbindet. Und in jener Unterstadt sollen die Touristen einkaufen.

Hier setzt Altena auf eine weitere Neuheit: Pop-up-Läden. Das sind Geschäfte, die nur für ein paar Wochen oder Monate bestehen und anschließend wieder schließen. Beispielsweise konnte so eine Schlecker-Filiale, die mehr als drei Jahre lang leer stand, in eine Galerie umgewandelt werden. Mietfrei. Die Nebenkosten teilen sich die Künstler. Durch die Pop-up-Idee konnte Altena die Leerstandsquote von 40 Prozent auf 30 Prozent herunter fahren.

Vlotho im Nordosten NRWs mit knapp 19.000 Einwohnern plagen ähnliche Probleme. Die Stadt hat Charme und lockte einst Besucher aufgrund der vielen Fachwerkhäuser und verzierten Fassaden. Vlothos Ansatz im Kampf gegen den Leerstand: Kunst in der Innenstadt. Bemalte Fassaden, Treppen mit Graffiti, Stromkästen mit kunstvollen Motiven oder Kunstobjekte in den Schaufenstern leerstehender Geschäfte. Die Innenstadt gleicht heute einer öffentlichen Galerie. Dieser Wohlfühlort soll nicht nur Kunstliebhaber, sondern eben auch Kaufkräfte in die Innenstadt locken.

Weitere Ideen, um Leerständen vorzubeugen sind laut eines Beitrags des WDR (siehe Infokasten) die günstigere Vermietung städtischer Immobilien, befristete Mietzuschüsse der Stadt für neue Händler oder die Senkung der Gewerbesteuer.

Von Ideen wie diesen ließen sich die Ausschussmitglieder inspirieren. Die CDU favorisiert die Durchführung eines Workshops zum Brainstorming, um alle Interessenvertreter an einen Tisch zu holen. "Wir müssen über eine persönliche Bindung den Kontakt zu den Einzelhändlern aufbauen", sagte Guido Schmidt. Die Maxime müsse lauten: Wer in Brüggen ein Unternehmen gründen möchte, ist herzlich willkommen und wird kompetent begleitet.

Doch das funktioniere nur, wenn alle Akteure zusammenarbeiten. "Wir wollen ein Kompetenzzentrum für Existenzgründer einrichten", sagte Schmidt. Zudem müsse man Händler ermutigen, vorbehaltloser auf Neuansiedler zuzugehen und ihnen Hilfestellungen zu leisten. Und man wolle - vor dem Hintergrund der Beispiele aus Vlotho und Altena - Existenzgründer ermutigen, besondere Ideen in der Burggemeinde anzusiedeln.

Auch die Mietpreise waren Thema im Ausschuss. Die seien mit Preisen bis zu 25 Euro pro Quadratmeter auf Kö-Niveau und deutlich zu hoch, sagte Schmidt. Die SPD unterstütze den Einwand: Vor allem Neugründer würden vor finanziellen Problemen stehen, sie sollte man gezielter unterstützen.

Zudem müsse man die Aufenthaltsqualität durch Möblierung, kostenfreie Parkangebote oder Kunst im öffentlichen Raum steigern. Hier brachte die FDP das Projekt "Bracht ganz kunstvoll" ins Gespräch. Auch die Einführung einer Bonus-Card, wie es sie in Nettetal gibt, war eine Idee. Der Ausschuss einigte sich darauf, ein Konzept gegen den Leerstand zu entwickeln.

Quelle: RP
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