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Schwalmtal
Bücherschränke für Amern und Waldniel gut gefüllt

Schwalmtal. Lesestoff tauschen Schwalmtaler nun an öffentlichen Bücherschränken am Markt und an der Bahnstraße.

Luis (6) hat sich den "Wunschpunsch" von Michael Ende aus dem Kinderfach gezogen und fängt an zu schmökern. Auf der anderen Seite des 2,20 Meter hohen und 60 Zentimeter breiten Gebildes aus Corten-Stahl, das neuerdings auf dem Waldnieler Markt steht, schaut Claudia Richter die Bücher durch - und wird sofort fündig. "Ich lese die Serie ,Der dunkle Turm' von Stephen King", erzählt die Schwalmtalerin. "Und die gibt es in zwei verschiedenen Übersetzungen. Ich suche die alte, und die gibt es nur noch antiquarisch." Sie nimmt gleich zwei Bände mit - und verspricht, später zwei andere Bücher vorbei zu bringen.

Denn das ist der Sinn der Bücherschränke. An der Bahnstraße in Amern steht Nummer 99, in Waldniel auf dem Markt Nummer 100. In jedem Schrank ist Platz für 250 Bücher. RWE Deutschland hat vor vier Jahren damit begonnen, die vom Architekten Hans Jürgen Greve entworfenen wetterfesten Schränke aufzustellen, in Engte bei Bramsche in Niedersachsen. Die meisten stehen inzwischen in größeren Städten. Dass eine Gemeinde zwei an einem Tag bekam, wie jetzt Schwalmtal, hat es noch nie gegeben.

"Literatur to go", nennt es RWE-Sprecher Jürgen Esser, der durch den Eröffnungstag führt. Die Schränke sind an 365 Tagen rund um die Uhr geöffnet. Und es ist spannend, "Sie wissen nie, was auf Sie zukommt, was gerade da ist." Auch für Bürgermeister Michael Pesch ist es "die perfekte Ergänzung zur Bibliothek am Markt". Besonders freue er sich, dass beide Ortsteile von dem neuen Angebot profitieren können. Die bisherige Erfahrung mit den Bücherschränken habe gezeigt, so Esser, dass es nicht vorkomme, dass die Schränke einfach geleert würden. "Die Leute bringen gerne her, was sie anderen empfehlen möchten."

Die Patenschaft für den Schrank übernimmt das Team der Gemeindebücherei. Leiterin Uta Pieper räumt ihn - unterstützt von Kindern des Kindergartens Schier - ein. Sie selbst sei ein Fan von Jugendbüchern, deshalb schaue sie auch gerne in das Kinderfach, sagt Pieper. Dr. Heinz-Willi Mölders, Personalvorstand von RWE Deutschland, bricht eine Lanze für das Buch: Natürlich habe er für den Urlaub auch einen E-Book-Reader, aber normalerweise bevorzuge er die gedruckte Variante: "Lesen ist etwas anderes, wenn man es in der Hand hat." Dass sein Unternehmen sich als Energieversorger in diesem Bereich engagiere, sei nicht abwegig: "Wir sind zuständig für die Infrastruktur - technisch wie intellektuell."

Wie der Bücherschrank funktioniert, steht in kurzen Worten darauf - auf einer Seite sogar auf in der Waldnieler Mundart, auf "Neller Plott". Dafür haben Bibliothekarin Uta Pieper und Klaus Müller vom Heimatverein Waldniel gesorgt. Vielleicht tauchen schon bald die ersten Mundart-Werke im Schrank auf. Man kann nie wissen.

(hah)
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