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Veranstaltungs-Tipp
Die barocke Lebenslust des Hendrick Goltzius

Veranstaltungs-Tipp: Die barocke Lebenslust des Hendrick Goltzius
Teylers-Museum: Pia Fries studiert eine Zeichnung des Barockkünstlers, mit dessen Werk sie sich seit Jahren befasst. FOTO: mgr
Viersen. Der in Brüggen-Bracht geborene Künstler starb 1617. Zu seinem 400. Todestag richtet das Museum Kurhaus Kleve eine große Ausstellung aus. Ein Besuch an seinem Arbeitsort

Schon zu Lebzeiten war Hendrick Goltzius ein gemachter Mann: Er kaufte in der Jansstraat in Haarlem in zentraler Lage ein Haus mit Schmuckgiebel und direktem Bezug auf die große St. Bavokerk und den Marktplatz. 5000 Gulden musste der Kupferstecher dafür auf den Tisch des Hauses legen. 500 Gulden bekam er für eines seiner Bilder. Denn der in Brüggen-Bracht 1558 geborene, in Xanten aufgewachsene und schließlich in Haarlem zu Ruhm gekommene Künstler gehörte zu den berühmtesten Zeichnern und Kupferstechern seines Jahrhunderts.

Kaiser Rudolf II. hatte sich in Prag eine ganze Sammlung mit mythologisch wie erotisch geprägten Bildern der niederländischen Barock-Künstler und Kupferstecher wie Hendrik Goltzius, Jan Müller oder Aegidius Sadeler zugelegt. Goltzius gar genoss einen besonderen kaiserlichen Schutz: Er durfte auf Erlass Rudolf II. sechs Jahre lang nicht kopiert werden, sagt Valentina Vlasic, Kuratorin im Museum Kurhaus Kleve. Der Haarlemer gehörte eben zu den Stars seiner Zeit, seine Blätter waren ebenso genial wie beliebt. Er starb, lebenslang mit "Schwindsucht" kämpfend, 59-jährig in der Silvesternacht 1616/17 in Haarlem.

"Zu seinem 400. Todestag werden wir den Schatz unserer Sammlung mit über 200 seiner Arbeiten öffnen, ihn durch herausragende Werke aus anderen Sammlungen komplettieren und so einen Überblick über das gesamte grafische Werk des Niederländers bieten", sagt Vlasic. "Hendrick Goltzius und Pia Fries: Proteus und Polymorphia" heißt die große Ausstellung des Museums im Kurhaus Kleve, das in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. Denn liebgewonnene neue Tradition des Hauses ist es, die alte Kunst durch einen zeitgenössischen Künstler zu ergänzen. Vlasic konnte die Malerin Pia Fries gewinnen. Die Schweizer Künstlerin beschäftigt sich nicht nur seit Jahren mit Goltzius, sie gehörte 1997 auch zu den ersten Künstlerinnen, die im neu eröffneten Kurhaus in einer Einzelausstellung ihre faszinierende Farbmalerei vorstellte.

Jetzt wandelte das Goltzius-Team, das die Ausstellung vorbereitet, mit Fries auf den Spuren des Barockkünstlers in Haarlem. Auf ihren neuen Blättern möchte sie diese Bewegung der Goltzius-Figuren in Farbe umsetzen: Die vom Himmel stürzenden Helden oder der Fahnenschwenker, eine Art Landsknecht, der eine große Fahne hält. Fries hat die Fahne in leuchtende Farbe umgesetzt. Das Banner pulsiert, flimmert, zieht ins Blatt hinein.

Vlasic kann den kompletten Zyklus zu Goltzius Malerin, die in München Malerei lehrt, erstmals in seiner Gesamtheit präsentieren. Es wird eine besondere Ausstellung, weil Fries kurz nach der Eröffnung in Kleve mit dem mit 50.000 Euro dotierten Gerhard-Altenbourg-Preis des Lindenau-Museums Altenburg ausgezeichnet wird. Im Teylers-Museum in Haarlem konnte Fries den genialen Zeichner Goltzius kennenlernen. Den Mann, der den Pottwal von Berckheij, der im Februar 1598 zwischen Kattwijk und Scheveningen gestrandet war, und die gaffende Menge im hauchzarten Strich auf das Blatt gesetzt hatte, der sich so viel Mühe mit Panaceas kräftiger Statur und ihrem Busen unter einem Hauch von Nichts gegeben hatte. Überhaupt ist es die Körperlichkeit seiner Figuren, diese Lebenslust am Hier und Jetzt, die aus dem Ende des 16. Jahrhunderts so präsent bis heute aus den Blättern spricht. Matthias Grass

Quelle: RP
 
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