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Niederkrüchten
Die Orgel schmiegt sich um eine Säule

Niederkrüchten: Die Orgel schmiegt sich um eine Säule
So soll die Orgel demnächst in St. Martholomäus wirken (links). Orgelbauer Martin Scholz, Pastor Alexander Schweikert und Kirchenmusiker Volker Mertens präsentieren ein Modell der neuen Orgel (rechts). FOTO: WR
Niederkrüchten. Wenn alles klappt, wird im Advent 2014 eine neue Orgel in der Niederkrüchtener Pfarrkirche St. Bartholomäus erklingen. Der kühne Entwurf wurde am Samstag nach der Abendmesse in der Kirche vorgestellt. Von Jochen Smets

Sie ist so dünn wie ein Reiskorn, nicht viel länger als ein Finger, und sie klingt unwesentlich lauter als das Fiepen einer Maus. Sie ist das erste Bauteil der neuen Orgel von St. Bartholomäus – die kleinste Orgelpfeife. Orgelbauer Martin Scholz überreichte sie Pastor Alexander Schweikert – quasi als kleines Versprechen auf das Große, das noch folgt. Die Vorfreude ist riesig. Niederkrüchtens Kirchenmusiker Volker Mertens schwärmt schon jetzt. Eine Scholz-Orgel, wie sie die Pfarre nun in Auftrag gibt, "ist der Mercedes unter den Orgeln", so Mertens. Sie habe "weiche, sehr edle Farben im Klang", und es sei "eine Wonne, sie zu hören". Davon hat sich der Niederkrüchtener Orgelbauausschuss in anderen Kirchen mit Scholz-Orgeln selbst überzeugt. Zwei Mitbewerber, ebenfalls renommierte Orgelbauer, hat der zweimal überarbeitete Scholz-Entwurf ausgestochen.

Nicht nur klanglich, sondern auch architektonisch ist die Orgel einzigartig. Sie wird ihren Platz mitten in der Kirche finden, an einem symbolträchtigen Ort: Im Schnittpunkt zwischen dem älteren Teil der Kirche und dem 100 Jahre alten Erweiterungsbau – "als Zeugnis unserer Zeit, das die beiden Gebäudeteile verbindet", so formulierte es Schweikert. Dort wird sie sich um eine Säule schmiegen (von der jetzt noch der Heilige Hubertus auf die Gemeinde blickt) und von allen Seiten sicht- und erlebbar sein. In drei Meter Höhe wird sie über dem Boden "schweben". Darum müssen noch nicht einmal Bänke versetzt werden, so Kalle Wassong vom Förderverein Kirchenmusik – "und Weihbischof Borsch kommt auch mit Mitra locker drunter durch." Auf der bisherigen Orgelbühne wird nach Abbau der baufälligen alten Orgel Raum für den Kirchenchor entstehen. Die steinerne Bühnen-Brüstung wird durch eine transparente ersetzt, damit Chor und Organist Sichtkontakt halten können.

Über 1400 Pfeifen bringen die neue Orgel zum Klingen – die längste wird sechs Meter lang sein, erklärte Orgelbauer Scholz. Es gibt 1034 so genannte Lippenpfeifen und 210 Zungenpfeifen, jeweils aus Zinn. Hinzu kommen 164 Holzpfeifen. Jede Pfeife muss einzeln auf die Gegebenheiten in St. Bartholomäus eingestellt (intoniert) werden. Allein das Intonieren wird nach Aufbau der Orgel zwei bis drei Monate dauern, so Scholz. Besonderheiten sind ein Gong, den der Organist per Zug bedient, und ein komplettes Register "spanische Trompeten", die nach vorn aus dem Orgelprospekt herausragen und der Orgel eine besondere Optik verleihen.

416 000 Euro wird die neue Orgel kosten. Die Finanzierung – ein gewaltiger Kraftakt für eine 2000-Seelen-Pfarre wie St. Bartholomäus – ist so gut wie gesichert. Das liegt vor allem an der laut Mertens "gigantischen Spendenbereitschaft". In zweieinhalb Jahren sind bereits 270 000 Euro eingegangen – von einem Euro bis hin zu einer anonymen Großspende von 100 000 Euro. Wegen des großen Rückhalts für das Projekt in der Gemeinde – bislang haben 463 Einzelpersonen oder Firmen gespendet – ist Wassong sehr zuversichtlich, dass auch die noch fehlenden 146 000 Euro bald beisammen sind. In Kürze läuft eine weitere Spendenaktion an: Gesucht werden Spender, die eine Patenschaft für eine oder mehrere Orgelpfeifen übernehmen.

Quelle: RP
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