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Viersen
Eine Heimat für Europas Schützen

Viersen. In Steyl, gleich hinter der Grenze zu Kaldenkirchen, haben Ehrenamtler das Limburger Schützenmuseum in einer alten Kirche eingerichtet. Weit über Limburg hinaus will es Europas Schützen ein Zuhause geben Von Birgitta Ronge

Wenn die Sonne durch die Fenster scheint, taucht sie die alte Kirche in buntes Licht. Dann schillert die Seide der kostbaren Fahnen, die unter dem Kreuzgewölbe hängen. Unzählige Fahnen der Bruderschaften aus Limburg haben die Freiwilligen, die das Schützenmuseum hier eingerichtet haben, dort aufgehängt, etwa die Fahne der St.-Antonius-Bruderschaft Tegelen, die der Schutterij St. Hubertus Schaesberg, die der Schutterij St. Agatha Haelen. Manche Bruderschaften sind mehrere Jahrhunderte alt.

Vor einem Jahr wurde das Limburger Schützenmuseum in Steyl eröffnet. Acht Jahre zuvor hatte es in Steyl einen Brand in dem Gebäude gegeben, in dem Limburger Schützen ein kleines Museum eingerichtet hatten. Feuerwehrleuten und Helfern gelang es, einige Exponate aus den Flammen zu retten, die in den Folgejahren restauriert wurden.

Einige Stücke, die durch die Flammen beschädigt wurden, sind heute im neuen Museum so zu sehen, wie sie gefunden wurden - darunter die mit Brandlöchern beschädigte Fahne der St.-Sebastianus-Bruderschaft Bocholtz, eine Uniformjacke, Hüte, Schuhe, Dokumente und ein kleiner Vogel aus Silber: Schwarz verrußt liegt er in einer Vitrine, während ihn eigentlich ein Schützenkönig glänzend poliert an der Königskette tragen sollte.

Nach dem Brand suchten die Ehrenamtler ein neues Gebäude. Sie fanden es in der früheren Steyler Pfarrkirche St. Rochus. Um dort ein Museum einzurichten, waren viele Stunden Arbeit nötig. Heute ist der Kirchenraum hell, bunt und gemütlich: Wände und Decken wurden vom Kerzenruß der Jahrzehnte gereinigt. Ein farbiger Anstrich sorgt für eine fröhliche Atmosphäre. Eine Fußbodenheizung gibt Wärme.

Dass ein Schützenmuseum in einer Kirche eingerichtet wird, passt. Schließlich ist die Verbindung der Bruderschaften zur Kirche ebenso alt wie das Schützenwesen: Der deutsche Leitspruch der Schützen - "Glaube, Sitte, Heimat", macht das deutlich. In den Niederlanden ist das nicht anders. Dort lautet das Motto der Schützen: "Outer, Haerdt en Troon" - sie engagieren sich für die Kirche, den Herd, der die Familie symbolisiert, und das Königshaus.

Wer dem Brauchtum verbunden ist, entdeckt im Schützenmuseum viele Gemeinsamkeiten, die Bruderschaftler diesseits und jenseits der Grenze miteinander teilen. Allerdings auch einige Unterschiede. Monika Cuypers kennt die regionalen Besonderheiten des Brauchtums. Die 36-Jährige gehört zwei Schützengesellschaften an: der St.-Josef-Bruderschaft Westend in Mönchengladbach und der Königlichen Schützengilde St. Lambertus im niederländischen Helden. In den Niederlanden wird das Schützenfest meist nur an einem Tag gefeiert, in der Regel am Sonntag, während deutsche Vereine ein Wochenende lang feiern. Holen deutsche Schützenbrüder das Luftgewehr raus, müssen niederländische Schützen viel schleppen: Die traditionelle "schwere Büchse" ("zware buks") bringt 16 Kilogramm auf die Waage und ist zwei Meter lang. Und während die deutschen Schützen innerhalb ihrer Bruderschaft mehrere Züge bilden, die unterschiedliche Uniformen tragen, etwa im Jägerzug, im Marinezug, bei den Sappeuren und den Husaren, tragen bei den niederländischen Schützen alle die gleiche Uniform - vom Standartenträger bis zum Trommler. "Dadurch ist die Zusammengehörigkeit in der Bruderschaft größer", meint Cuypers. "Man zeigt nach außen: Wir gehören zusammen."

Die Liebe führte die junge Frau in die Niederlande. Die Begeisterung für das Schützenwesen nahm sie mit in die neue Heimat, das Engagement auch. Sie übersetzt Texte für deutsche Besucher, pflegt Kontakt mit den Bruderschaften im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS). Ins Ehrenamtler-Team kam Cuypers durch Zufall: "Ich habe die Museumsseite im Internet gesehen, sie war auf Niederländisch. Also habe ich den Text ins Deutsche übersetzt und hingeschickt", erzählt sie.

Ein Schatz sind die Akten eines französischen Sammlers, der Dokumente unzähliger Bruderschaften in Europa gesammelt hat, unter anderem aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden. Cuypers hilft, sein Werk fortzuführen. Die 36-Jährige hofft, dass sich viele Schützenvereine an der Aufbauarbeit beteiligen und Fotos schicken, die die gelebte Tradition in ihrer Bruderschaft dokumentieren. Das können Zeitungsartikel sein, Fotos von Königspaaren oder vom Königssilber. Daneben sammelt Cuypers die Zeitschrift "Der Schützenbruder" und listet die Verstorbenen im BDHS nach Diözesen auf. Schützenvereine, die Informationen zur eigenen Geschichte suchen, sind im Archiv willkommen.

Eine Besonderheit im Museum ist der Schießbaum, an dem Besucher ihre Fähigkeiten per Laser-Schuss testen können. Ein Schießbaum besteht aus fünf vertikalen Holzstäben, an denen je 18 kleine Querstäbe angebracht sind. Auf den Quer-stäben sitzen kleine Holzblöcke, die beim Schützenfest - einem Wettstreit der Bruderschaften - heruntergeschossen werden müssen. Dafür stellt jede teilnehmende Bruderschaft sechs Schützen, von denen jeder drei Schuss pro Runde hat. Die Gewinner richten im Folgejahr das Schützenfest aus. Ihren eigenen König ermitteln die Bruderschaften durch den Vogelschuss. Das Wettschießen auf den Holzvogel ist eine alte Tradition, erste Meldungen dazu stammen aus dem 14. Jahrhundert. Wer den Vogel abschießt, ist König. Er stiftet seiner Bruderschaft eine silberne Plakette mit seinem Namen und fügt sie dem Königssilber an, das er während seiner Amtszeit tragen darf. Auch Beispiele solcher kunstvoll gestalteten Plaketten sind in der Ausstellung zu sehen.

Info Limburgs Schutterij Museum, Rozenstraat 18, Steyl/NL. Geöffnet mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr. Eintritt vier, für Kinder zwei Euro. www.schutterijmuseum.nl

Quelle: RP
 
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