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Brüggen
Heidecamp ist für Flüchtlinge bereit

Brüggen: Heidecamp ist für Flüchtlinge bereit
Die Gemeinde Brüggen hat zum 1. Oktober einen Teil des Heidecamps für Flüchtlinge angemietet. Sie könnte auch das ganze Heidecamp mieten, doch die Investitionskosten seien dafür zu hoch, meint die Gemeindeverwaltung. FOTO: Busch
Brüggen. Die alte Landesjagdschule ist komplett belegt. Die Gemeinde kann ab Oktober in einem Teil des Heidecamps bis zu 24 Menschen unterbringen. An der St.-Barbara-Straße sollen Container für bis zu 70 Flüchtlinge aufgestellt werden. Von Birgit Sroka

Die Gemeinde Brüggen rechnet mit weiteren Flüchtlingszuweisungen in den kommenden Wochen. Derzeit gibt es in der Burggemeinde 185 Flüchtlinge. Wie Sozialamtsleiter Joachim Müllers im Ausschuss für Soziales und Senioren mitteilte, rechne er "mit 250 Personen, eventuell sogar mehr". Für den Fall weiterer Zuweisungen hat die Gemeinde nun mehrere Möglichkeiten geschaffen, die Menschen unterzubringen. Denn die alte Landesjagdschule am Von-Schaesberg-Weg in Brüggen ist komplett belegt.

Seit Dienstag vergangener Woche kann das Haus an der Brachter Mühle, das der Gemeinde Brüggen gehört, für die Flüchtlingsunterbringung genutzt werden. Bis zu 18 Personen können dort untergebracht werden. Ab 1. Oktober kann die Gemeinde außerdem Block 2 des Heidecamps nutzen, dieser Teil verfügt über 300 Quadratmeter. In dem Trakt befinden sich elf Zimmer, eine Küche, Duschen und WCs.

Neun der Zimmer können mit zwei Personen, zwei Zimmer mit drei Personen belegt werden. Insgesamt können dort 24 Menschen untergebracht werden. Den Trakt im Heidecamp hat die Gemeinde angemietet. Dass das Heidecamp außerhalb des Ortes liegt, ist nicht das, was die Gemeindeverwaltung sich für die Menschen gewünscht hatte. Supermärkte oder Ärzte sind von dort aus nur schwer erreichbar. Doch die Kapazität der Anlage mache das Angebot interessant, heißt es aus der Gemeindeverwaltung.

Es gebe auch das Angebot der Heidecamp Gastro, den gesamten Bereich anzumieten, erläuterte Müllers im Ausschuss. Doch eine Prüfung der Verwaltung habe ergeben, dass die Investitionskosten für die Gemeinde, auch die Kosten für die sanitären Anlagen, zu hoch seien. Müllers stellte im Ausschuss klar: "Wir befinden uns nach wie vor in einer Notsituation und brauchen dringend neue Unterkünfte." Es sei ein Glücksfall gewesen, dass die Gemeinde einen Mietvertrag der Gemeinde Niederkrüchten für eine Containeranlage für 70 Personen übernehmen konnte. Die Container werden an der Ecke St.-Barbara-Straße und Tegeler Weg aufgestellt. "Uns ist natürlich bewusst, dass die Situation nicht jedem schmecken wird, uns auch nicht. Aber nach einem Jahr haben wir die Möglichkeit, aus dem Mietvertrag auszusteigen", so Müllers. Er fügte hinzu: "Wir könnten in die Verlegenheit kommen, Unterbringungsmöglichkeiten in Turnhallen in Erwägung zu ziehen, das darf für uns kein Tabu sein."

Wie viele Flüchtlinge noch kommen und wie lange sie sich in der Gemeinde aufhalten werden, ist nicht abzuschätzen. Vorsorglich wurde für das Jahr 2016 eine Million Euro für die Grundleistungen für Flüchtlinge haushaltstechnisch angemeldet. "Wir können nur hoffen, dass der Bund und das Land uns nachträglich unter die Arme greifen und nicht im Regen stehen lassen", sagte Bürgermeister Frank Gellen. "Dann brauchen wir uns nicht mehr über Konsolidierung unterhalten. So viele Bäder können wir gar nicht schließen."

Allerdings sei jetzt wichtig, den ankommenden Menschen zu helfen. Gellen und Müllers baten die Politiker um Verständnis, dass nicht jeder Schritt nun mit ihnen abgestimmt werden könne. "So schnell können wir das alles gar nicht kommunizieren. Wir bitten da nur um Vertrauen", sagte Gellen. Johannes Weiß (CDU) warnte: "Wir haben eine tolle Stimmung in Brüggen. Aber die Nutzung der Turnhallen muss so lange wie möglich tabu bleiben." Ob es keine leer stehenden Hallen gebe, die man nutzen könne? Müllers antwortete: "Man ist einfach nicht gewillt, Hallen für Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Und zwingen können wir sie nicht." Gellen teilte mit, dass erst nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten rechtlich die Grundlage gegeben sei, Industriebrachen zu beschlagnahmen. Ausschussmitglieder brachten auch leerstehende Häuser sowie das Pfarrheim in Bracht ins Gespräch.

Das Sozialamt hofft, dass Asylanträge zügig bearbeitet werden. Es kämen viele Flüchtlinge, die noch nicht einmal registriert seien. Müllers: "Sie bekommen überwiegend eine einfache Bescheinigung, dass sie sich als Asylsuchende angemeldet haben", so Müllers. "Das dauert Monate, bis der eigentliche Asylantrag gestellt wird."

Die Ausschussmitglieder lobten die Leistung der Verwaltungsmitarbeiter, während Bürgermeister Frank Gellen Ehrenamtlern dankte, die sich für Flüchtlinge einsetzen: "Ohne euch wären wir noch nicht so weit. Das ist alle Mühe wert, den Menschen eine Starthilfe zu geben."

Quelle: RP
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