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Viersen
Initiative will mit Politikern über umstrittenes Bauprojekt sprechen

Viersen: Initiative will mit Politikern über umstrittenes Bauprojekt sprechen
Rund hundert Anwohner informierten sich im Pfarrsaal über das mögliche neue Logistikzentrum. FOTO: BUSCh
Viersen. Dichtes Gedränge bei der Anwohner-Info zum geplanten Logistikzentrum in Mackenstein. Einige Anwohner befürchten Nachteile, die Stadtverwaltung hofft auf Jobs und Gewerbesteuer Von Daniela Buschkamp

Rund hundert Zuhörer drängten sich im Pfarrsaal von St. Ulrich. Johannes Schinken, seine Frau Rita und weitere Anwohner hatten dort eine Informationsveranstaltung zu den Bauplänen des Onlinehändlers Reuter in Mackenstein organisiert. "Wir wollen erreichen, dass die Politiker unsere Bedenken kennen und sie in ihre Entscheidung miteinfließen lassen", so der Mackensteiner. Mitglieder des Stadtrates waren da.

Einer der Zuhörer war Volker Schütze. Der Steuerberater hatte im Dezember 2014 den Vertrag für sein neues Büro an der Elektronikstraße unterschrieben. "Für einen Steuerberater ein ungewöhnlicher Standort, aber wir fühlen uns hier sehr wohl", sagte Schütze. Das werde sich aber ändern, sollten die Pläne für ein großes Logistikzentrum des Online-Händlers im Gewerbegebiet Mackenstein Realität werden. Schütze hält die ausgewählte Fläche für den "falschen Standort". Was ihn zudem ärgert: "Ich habe damals nach weiteren Plänen im Gewerbegebiet gefragt." Damals hätten Vertreter der Stadt erklärt, dass konkrete Planungen für größere Ansiedlungen nicht im Raum stünden: "Man hat uns nicht die Wahrheit gesagt", kritisierte der Steuerberater an dem Abend.

Der Online-Händler Reuter entwickelt zurzeit eine Konzeptstudie fürs neue Logistikzentrum. Dessen Abmessungen sollen bei einer Breite von 120 Metern, einer Länge von 312 Metern und einer maximalen Höhe von 25 Metern liegen. "Vieles ist denkbar und möglich, aber noch nichts entschieden", betonte eine Unternehmenssprecherin. Das Unternehmen, das derzeit 400 qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt, will weiter expandieren. Pro Jahr sollen bis 2020 rund 50 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Wohin die Gewerbesteuer fließt: Sie wird in der Regel am Unternehmenssitz abgeführt. Bei mehreren Standorten wird sie - durch Zerlegung der Gewerbesteuer nach der jeweiligen Lohnsumme - am Standort abgeführt.

Mehr Lieferverkehr auf der Kreisstraße 8. Mehr Autos, die durch Hausen und Mackenstein rollen. Als Folgen mehr Lärm und eine höhere Luftverschmutzung: Das befürchten die Anwohner. "Ich bin extra hierher gezogen, weil ich Ruhe haben wollte. Kommt das Logistikzentrum, rollt mehr Verkehr durch Hausen", fürchtete eine andere Anwohnerin. Dafür seien die Straßen nicht ausgelastet. Zudem wurden Bedenken geäußert, dass auch die Tiere - anzutreffen seien etwa Rehe - in den benachbarten Wäldchen leiden könnte. Ein Anwohner schlug mit Blick auf den Artenschutz vor: "Lasst uns doch ein paar Feldhamster aussetzen."

Auch alternative Flächen wurden ins Gespräch gebracht. "Warum wird das Logistikzentrum nicht in Nettetal gebaut? Bei Venete stehen ausreichend Flächen leer", bemerkte ein Zuhörer. Ein Vorschlag, den auch Johannes Schinken gemacht hat: "Die Stadtverwaltung argumentiert, dass es in Viersen keine andere freie Fläche in dieser Größenordnung gibt." Doch in Nettetal stünden Areale für neue Betriebe leer.

Johannes Schinken will in den nächsten Wochen die Bedenken der Anwohner in Gesprächen bei der CDU- und SPD-Fraktion sowie bei den Grünen vortragen.

Quelle: RP
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