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Serie Mein Verein
Inklusion mit Spaßfaktor

Serie Mein Verein: Inklusion mit Spaßfaktor
Behinderte und nicht behinderte Vereinsmitglieder verbringen gemeinsam ihre Freizeit. Oliver und Mira (beide vorne) kommen gerne zu den Treffen. Vorsitzender Willi Hormanns (r.) lobt das Engagement. FOTO: jobu
Viersen. Der Verein Die Mutigen bietet Menschen mit Behinderungen sinnvolle Freizeitgestaltung und fröhliche Gemeinschaft Von Joachim Burghardt

Nettetal "Alles ist schön hier", gibt Mira zu verstehen. Die junge Frau in ihrem Spezialrollstuhl versucht, sich deutlich zu artikulieren, wiegt mit dem Kopf hin und her, doch nicht jede Silbe ist klar verständlich. Wie Mira dabei aber lacht und strahlt, da versteht jeder sofort: Sie ist gern im Verein Die Mutigen, der sich seit fast 40 Jahren um Menschen mit Behinderungen kümmert, sie bestärkt in Gemeinschaftssinn und Lebensfreude.

Die Mutigen - der Name lässt aufhorchen. "Noch in den 1970er-, 1980er-Jahren blieben viele Eltern mit ihren behinderten Kindern lieber zu Hause oder unter sich, so war halt die Zeit, bis einige es wagten, rauszugehen, ihren Kindern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, Gleichgesinnte zu suchen, das waren die Mutigen", erinnert sich Hans-Gerd Bertges vom Vereinsvorstand. Aus dieser Initiative sei der Verein entstanden, man habe bewusst den Namen behalten.

Rund 80 Mitglieder hat der Verein, knapp 30 von ihnen sind Menschen zwischen 23 und 60 Jahren aus Nettetal und Umgebung mit körperlichen, emotionalen und vor allem geistigen Einschränkungen. Einige der Älteren sind schon mehr als 30 Jahre dabei. An diesem Nachmittag treffen sie sich im Vereinsheim in Schaag, erzählen von Aktivitäten wie Ausflügen, Bastelnachmittagen oder Feiern. "Besonders schön ist das Kegeln. Jeder will gewinnen, aber die Hauptsache ist, wir haben Spaß. Wir lachen viel", sagt Oliver. Vorstandsmitglied Irmgard Goertz ergänzt: "Wer aufgrund seiner Behinderung die Kugel nicht allein halten kann, dem wird geholfen, und wenn einer viele Kegel abräumt, jubeln alle mit." Zudem beteiligen sich Die Mutigen an Veranstaltungen in Nettetal wie Pfarrfesten oder den Stadtmeisterschaften für Menschen mit Behinderungen.

"Inklusion war für uns von Anfang an unser Prinzip - auch als der Begriff noch gar nicht so geläufig war", sagt Vorsitzender Willi Hormanns. Er lobt grundsätzlich das Engagement für die Belange behinderter Mitmenschen in Nettetal. So manche Initiativen und Organisationen setzten sich ein für schulische, sportliche oder kreative Teilhabe, während Die Mutigen ihren Schwerpunkt im geselligen Miteinander sehen: "Wir sind sozusagen ein Freizeitverein. Dieser Aspekt darf im Leben nicht zu kurz kommen, gerade bei Menschen mit Beeinträchtigungen", sagt Hormanns.

Von den Aktionen zeugen Fotoalben und Bilder an den Wänden im Vereinsheim. Stolz zeigt René auf ein Foto von Borussia Mönchengladbach und sagt: "Borussia, mein Verein, ja!" So groß der Spaßfaktor ist, Schriftführerin Susanne Kummer gibt auch zu: "Wir Vereinsmitglieder, darunter Eltern von Behinderten, kümmern uns um die Betreuung bei den Treffen. Aber es wäre eine große Erleichterung, wenn eine Fachkraft ehrenamtlich mithelfen könnte."

Auf dem Wunschzettel des Vereins steht ferner, eine barrierefreie Kegelbahn zu finden sowie freundliche Mitbürger, die bei Ausflügen mit geeigneten Autos Fahrdienste anbieten. Probleme gibt es ansonsten laut Hormanns nicht: "Wir fühlen uns überall willkommen, auch hier in der Nachbarschaft des Vereinsheims. Das macht uns Mutigen natürlich Mut."

Quelle: RP
 
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