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Tina Teubner
"Man sollte sich nicht der Welt ergeben"

Viersen. Am Donnerstag gastiert die vielfach ausgezeichnete Kabarettistin Tina Teubner in der Werner-Jaeger-Halle. Sie präsentiert ihr Bühnenprogramm "Wenn du mich verlässt, komm' ich mit"

Frau Teubner, der Titel ihres Programms,"Wenn du mich verlässt, komm' ich mit", klingt nach Beziehungsfragen. Das Thema Frau/ Mann scheint Sie überhaupt sehr zu reizen, oder?

Teubner Beziehungen sind die kleinste Einheit, bei der es schon ganz schön knallen kann. Also ganz unbedingt kabarettistischer Stoff. In diesem Programm geht es mir eher um ein Bild dafür, dass man tatkräftig sein, sich nicht der Welt ergeben sollte. Es geht bergab mit der Umwelt, mit der Welt überhaupt, vielleicht auch mit dem Mann. Da muss man sich einbringen.

Sie verstehen sich als Melancholikerin mit ausgeprägter Tendenz zu humorvollen Lösungen. Werden Sie uns mit den Widersprüchen der Welt herausfordern?

Teubner An den Widersprüchen der Welt kommt keiner vorbei. So wird in Köln-Nippes vielfach "grün" gewählt, die Kinder aber werden mit dem Van zur Schule gefahren. Mir ging es nie um Handtäschchen-Fragen, sondern um Kommunikation, Glück, Heimat. Die Angst kommt in die Wohnzimmer mit den Fragen: Was passiert in Nordkorea, was in Syrien, was in den USA? Es genügt nicht, dass nur politisch abzuhandeln. Das Private lässt sich vom Politischen nicht trennen. Da muss man auch sich selbst hinterfragen. Ich fand es übrigens gar nicht leicht, dieses Programm zu schreiben, das sehr persönlich ist, bei mir anfängt und die Welt zum Thema hat. Ich ertappe mich doch selbst bei Widersprüchen. Bei uns Kabarettisten ist der Widerspruch besonders groß. Wir werden dafür bezahlt, dass wir die Welt kritisieren, und profitieren davon. Ich mache den Abend im Wissen, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind, will aber aufrufen, an die Möglichkeiten der Poesie zu glauben.

Sie sind studierte Geigerin. Wie fanden Sie zum Kabarett?

Teubner Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Allerdings habe ich auch auf der Geige immer schon andere Pfade gesucht. In einer Kneipe sollte ich einmal einen 20er-Jahre-Abend geben. Damals war ich noch sehr jung, und es war Liebe auf den ersten Blick. Das Unmittelbare des Kabaretts fasziniert mich. Ich beschreibe das Leben, und da darf man nicht vor den großen Themen Halt machen. Der Kabarettist ist verpflichtet, Themen ernst und humorvoll rüberzubringen. Da kann nichts verschleiert werden. Die Leute merken, ob man sein Hirn und sein Herz auf den Tisch legt.

Sie haben insgesamt 14 eigene Bühnenprogramme geschrieben. Liegen Text, Musik und Regie allein in Ihrer Hand?

Teubner Lied-, Sprachtexte und Musik sind von mir. Doch in der Kooperation mit Regisseur Thomas Lienenlüke gibt es immer noch Veränderungen, und Ben Süverkrup macht die wahnsinnig schönen Arrangements.

DIE FRAGEN STELLTE ANGELA WILMS-ADRIANS.

Quelle: RP
 
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