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Viersen
Musik der Welt vereint in groovigen Sounds

Viersen. Einer der ganz Großen der internationalen Gitarrenszene war zu Gast in Viersen. Pierre Bensusans bekannter Name sorgte dafür, dass das Konzert in Tommy's Workshop sehr gut besucht war.

Pierre Bensusan, geboren in Algerien, kam schon als Vierjähriger nach Paris, wo er nach dem Klavierunterricht in der Zeit des Folkrevival die Gitarre entdeckte. Sein besonderes Talent in der Verknüpfung verschiedener Stile wurde sehr früh erkannt. So bekam er schon mit 17 Jahren einen Plattenvertrag. Sein Debüt erhielt den Grand Prix du Disque beim Jazzfestival Montreux. Sein Spiel ist beeinflusst von allen nur denkbaren Musiken und Stilen. Das führte dazu, dass er 2008 vom renommierten US-Magazin "Guitar Player" zum "Best World Music Guitar Player" gekürt wurde.

Beim Konzert in Viersen musste er allerdings anfangs hart arbeiten - bei den ersten Instrumentalstücken wollte der Fluss in seinem Spiel nicht so richtig Fahrt aufnehmen. Bensusans Kompositionen sind technisch sehr anspruchsvoll in der Umsetzung. Seine Technik unterscheidet sich von der vieler Kollegen. Er verwendet viele Elemente der "klassischen" Gitarre, wie etwa den angelegten Anschlag. Dadurch hebt er die wichtigen Töne aus dem Gesamtklang sehr stark hervor, was bisweilen der Tonschönheit abträglich war. Dieser Eindruck verlor sich im Verlauf des Konzertes allerdings.

Zwischen den Formteilen streute er improvisierte Passagen ein - ein deutlicher Hinweis auf seinen Jazzbezug und ein immer wieder neu inspirierendes Element in seiner Musik. Harmonisch geht er mitunter ganz eigene Wege, die zum einen die Stücke interessant machen, zum anderen das Nachempfinden aber nicht unbedingt erleichtern.

Gespeist wird seine Musik aus verschiedenen Quellen. Dabei schafft Bensusan etwas, was ihm nicht viele gleich tun können: Er verarbeitet diese Einflüsse in einem Stück, das groovt - ohne permanente Slaps auf die Saiten. Dann wieder entwickelt sich eine sehnsüchtige Melodie, die einen nicht mehr loslassen will. "So long Michael" ist so ein Stück, gewidmet dem lange verstorbenen Kollegen Michael Hedges, mit dem er so wunderbar zusammen spielte. Bensusan kombinierte sein Gitarrenspiel zudem mit Gesang, manchmal mit Silben - quasi als Melodieinstrument, hin und wieder mit französischen Texten, stets in enger Abstimmung mit der Gitarre wie bei einem Victor-Hugo-Text: Schöne Themen mit zahlreichen Variationen, welchen sogleich ein Jazzstück folgte. Afrikanische Versatzstücke begegnen funky Sounds, arabische Musiktradition erklingt mit charakteristischen Melodien, ferne Mittelalter-Assoziationen werden evoziert oder Harmonien per Flageoletts weitergeführt. Ohne eine Zugabe wurde Bensusan am Ende nicht vom Viersener Publikum entlassen.

(nag)
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