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Landesliga-Gipfel
Alle sind auf die neue 18er-Liga gespannt

Landesliga-Gipfel: Alle sind auf die neue 18er-Liga gespannt
Beim Treffen in der RP-Redaktion warfen (hinten v.l.) Dennis Treker, Michael Berghausen, (vorne v.l.) Sportredakteur David Beineke, RP-Mitarbeiterin Wiltrud Wolters und Wolfgang Schleser einen Blick auf den Spielplan der Landesliga. Es warten jede Menge spannende Spiele. FOTO: BSEN
Viersen. Neben der Fußball-Bundesliga starten auch die Amateure in die Saison. Drei Teams aus dem Grenzland sind in der Landesliga dabei.

Kurz vor dem Saisonstart trafen sich in der Viersener RP-Redaktion Vertreter der heimischen Landesligisten. Dennis Treker (Sportlicher Leiter Union Nettetal), Michael Berghausen ( Vorsitzender 1. FC Viersen) und Wolfgang Schleser (Abteilungsleiter VSF Amern) sprachen über die neue Saison und aktuelle Themen des Amateurfußballs.

Hand aufs Herz: Hat die Zeit ausgereicht, um sich von der nervenaufreibenden Saison 14/15 zu erholen?

Schleser Die Saison war für uns schon extrem. Sie dauerte durch die Relegation für uns zwei Wochen länger. Dann hatten wir noch die Verabschiedung unseres Trainers Rainer Bruse, und die Jungs waren auf Mallorca zur Abschlussfahrt. Im Grunde blieb nicht viel Zeit bis zur Vorbereitung. Vielleicht zwei Wochen. Unsere neuen Trainer, Dennis Sobisz und Michael Moll, machen eine gute Arbeit. Ob die Zeit der Erholung gereicht hat, wird sich zeigen. TREKER Die Saison war insgesamt sehr nervenaufreibend. Das Hauen und Stechen um die Plätze war interessant. Wir hatten zwei Wochen länger Pause, aber wir sind immer noch im Amateurfußball. Die Jungs wollen nach einer Woche wieder raus und Fußball spielen. Wir können nur zufrieden sein. Unser Trainer Chiquinho versteht es, den Spielern Spaß zu vermitteln. BERGHAUSEN Wir haben es unnötig spannend gemacht. Aber uns hat die Zeit gereicht, um die nötigen Lehren für die neue Saison zu ziehen.

Wolfgang Schleser: "Die Relegation brauche ich nun wirklich nicht jedes Jahr." FOTO: Franz-Heinrich Busch

Die vergangene Saison war das Ergebnis des Abschlusses der Ligen-Strukturreform des FVN. Haben sich der Prozess und der damit verbundene Aufwand gelohnt?

Schleser Das war eine harte Zeit. Nicht nur spielerisch auf dem Platz. Es war auch für uns im Vorstand nervenaufreibend. Aber im Nachhinein hat es sich gelohnt.

Dennis Treker: "Wir legen Wert darauf, Spieler zu holen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen." FOTO: BSEN

Ziel war es ja unter anderem, die Qualität im Amateurfußball anzuheben. Ist das gelungen?

Schleser Auf jeden Fall. Das ist klasse. Wir freuen uns auf die neue Gruppe mit 18 Teams. TREKER Die Gruppe ähnelt der alten Verbandsliga. Sie ist sehr interessant, weil die Mannschaften so viel Qualität mitbringen. Die Qualität wurde definitiv erhöht. Diese Landesliga ist eine der stärksten Gruppen der letzten Jahre. Aber auch die Bezirksliga ist wahnsinnig stark. BERGHAUSEN Es sind interessante Gegner, aber auch die Entfernungen sind größer geworden. Das bedeutet mehr Kosten. Aber vor dem Hintergrund des demografischen Wandels war der Schritt richtig.

Michael Berghausen: "Haben unseren Kader stabil gehalten." FOTO: BSEN

Die neue Saison wird komplett anders: 34 Spieltage und eine höhere Leistungsdichte. Hoffen Sie auch wieder auf mehr Zuschauer?

Schleser Mehr Heimspiele werden uns mehr Zuschauer bringen. Das ist auf jeden Fall gut für den Heimverein. Wir setzen in Amern auch Busse zu weiten Auswärtsspielen ein. Das wird gut angenommen. BERGHAUSEN Theoretisch ja, aber substanziell wird sich da nicht viel tun. Dafür nimmt die Bundesliga zu viel Raum ein und generell hat sich das Freizeitverhalten stark verändert. TREKER Unsere Zuschauerzahl ist in Ordnung. Wir wünschen uns natürlich immer mehr Zuschauer. In der Liga gibt es nun etliche Mannschaften, die viele Zuschauer mitbringen. Dadurch werden wir alle gewinnen.

Nach dem ständigen Abwärtstrend der vergangenen Jahre könnten die Amateure das gut gebrauchen. Hat der Verband mit der Ligen-Strukturreform also endlich mal auch etwas Konkretes für die Amateure getan?

Treker Der Effekt, dass es mehr Zuschauer geben dürfte, ist reiner Zufall. Die Qualität zu erhöhen, war dringend nötig, denn das Gefälle war zum Teil sehr groß. SCHLESER Das kann ich so nicht sagen. Wir mussten beispielsweise in den Relegationsspielen immer ein Drittel der Einnahmen an den Verband abführen. Die restlichen zwei Drittel teilen sich die Vereine.

Auf der anderen Seite gibt es Überlegungen, die Profi-Spieltage noch weiter zu zersplittern, um noch mehr TV-Geld zu generieren. Was würde das für die Amateure bedeuten?

Treker Wenn Borussia Mönchengladbach sonntags zu Hause spielt, ist das ein Genickschuss für uns. Dann bleibt die Hälfte der Zuschauer zu Hause. Die Aufsplittung der Landesliga-Spieltage von Freitag bis Sonntag war aber auch bei der Sitzung der Landesligisten ein Thema. Zum Glück haben die Vereine das mit 10:8 Stimmen abgelehnt. BERGHAUSEN Wobei der Versuch der Flexibilisierung eine richtige Antwort auf die Ausweitung der TV-Übertragungen ist. Sie darf nur nicht einseitig von der Heimmannschaft vorgegeben werden. Ein drittes Spiel am Sonntag wäre total unglücklich für die Amateure. SCHLESER Wir versuchen gegenzusteuern, indem wir die Bundesliga-Spiele in unserem Vereinsheim parallel zu unseren Spielen zeigen.

Der DFB fährt seit einiger Zeit eine massive Werbekampagne für die Amateurvereine, bringt das etwas?

Schleser Wir arbeiten mit dem Westdeutschen Fußballverband zusammen, nicht mit dem DFB. TREKER Wer ist der DFB. Als Amateurverein haben wir mit dem DFB nichts zu tun. Bei uns haben noch keine Profis den Platz abgezogen. Wir sind auf uns alleine gestellt. Aber für den DFB selber ist das eine tolle Imagekampagne.

Die Zeiten mit vierstelligen Zuschauerzahlen bei den Amateuren sind wohl für immer vorbei. Was sind die Ideen und Konzepte, um sich als Amateurverein zu behaupten?

Schleser Das muss man vereinsintern angehen. Das hat nichts mit dem DFB zu tun. Bei uns gibt es ein Versäumnis in der Jugendarbeit. Das wieder aufzubauen, ist sehr viel Arbeit und braucht Zeit. Wir setzen dabei unter anderem auf die Kompetenz der Trainer. Amern-spezifisch ist auch die Platzanlage. Wir sind Eigentümer. Das hört sich gut an, aber es bedeutet auch, dass wir für den Bau des Kunstrasens keine öffentlichen Gelder bekommen. Die Finanzierung ist schwierig. BERGHAUSEN Auch wir müssen bei der Jugend viel besser werden. Wir haben in etwa zehn Jahre verschlafen und sind gerade dabei, wieder etwas aufzubauen. Das dauert aber, da müssen wir viel Geduld haben. Wir haben aber auch ein Problem mit der Infrastruktur gegenüber anderen Vereinen. Am Stadion Hoher Busch nagt der Zahn der Zeit. Langfristig werden sicher auch Fusionen mit anderen Vereinen ein Thema. TREKER Wir haben gut 20 Jugendmannschaften, aber trotzdem Probleme. In diesem Jahr konnten wir keinen Spieler aus der eigenen Jugend in die Landesliga hochziehen. Auswärtige Spieler kosten Geld. Da ist es besser, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Wir wollen das mit ausgebildeten Trainern erreichen. Aber wir brauchen auch die Väter und Mütter, Omas und Opas, die mithelfen.

Früher, bei einigen Klubs auch heute noch, war bei den Amateuren selbst in unteren Spielklasse viel Geld im Spiel. Gibt es ein Umdenken, auch bei den Spielern?

Schleser Ich denke, wir haben den kleinsten Etat in der Landesliga. Wir können es uns nicht erlauben, Spielern viel Geld zu geben. Der Kostenfaktor steigt sowieso von Jahr zu Jahr. In Amern ist die Mannschaft der Star. Das würde nicht funktionieren, wenn einer kommt, der nur Handgeld kassieren will. Nach dem Abschied von Rainer Bruse sind die Spieler geblieben, das spricht für den Charakter. TREKER Auch bei uns ist das eher rückläufig. Der Etat ist nicht so hoch, wie oft behauptet wird. Letztlich liegt es an den Vereinen selber. Wir müssten uns am besten auf Obergrenzen einigen, denn die Jungs versuchen uns als Vereine gegeneinander auszuspielen. Mittlerweile ist es bei uns aber so, dass Spieler zu uns kommen möchten, weil sie unter Chiquinho trainieren möchten. Wir legen aber Wert darauf, Spieler zu holen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Für sie ist es wichtiger, dass der Wohlfühlfaktor stimmt. BERGHAUSEN Dass es bei hohem Trainingseinsatz plus Spiel eine Aufwandsentschädigung gibt, ist okay. Doch bei den meisten Spielern ist angekommen, dass nicht mehr so viel Geld im Spiel ist. Alleine schon deshalb, weil heute alles offiziell und transparent ist. Das tut dem Amateurfußball gut.

Bei den Profis kennt die Finanzspirale nur eine Richtung: nach oben. Kann man das als Vertreter eines Amateurvereins nachvollziehen?

Treker Im Grunde wird da nur noch eine Ware hin und her geschoben. Mit welcher Berechtigung werden Spieler für 15, 25 oder 50 Millionen gehandelt. Die Vereine können das Geld über Marketing wieder zurückholen, aber wo ist die Grenze. Mittlerweile haben schon A-Jugendliche Spielerberater. Ich werde jedenfalls kein Gespräch mit einem Spielerberater führen. Ich bin froh, dass es im Amateurfußball eine Ablöseregelung gibt.

Zuletzt hat es einige Regeländerungen gegeben. Zunächst wurde die Sperre nach Gelb-Rot eingeführt, vorige Saison kam auch noch die Sperre nach der fünften Gelben dazu. Hat sich das bewährt?

Treker Gelb-Rot und die fünfte Gelbe haben sich auf jeden Fall bewährt. Jetzt kommt auch die Anpassung auf die zehntägige Sperre. Das ist gut so. BERGHAUSEN Die Anpassung an die Bundesliga finde ich nicht schlecht. Ob man damit Spieler und deren Emotionen bändigen kann, bezweifle ich allerdings.

Bei den Profis ist das Freistoßspray inzwischen etabliert. Wäre das auch etwas für die Amateure?

Schleser Das kennt mittlerweile jeder aus der Bundesliga. Wenn es kommen soll, dann kommt es. Die Spieler würden sich wohl erst einmal über die Schuhe putzen, wenn der Schiedsrichter das einsetzt.

Gibt es noch andere Änderungen, die aus Ihrer Sicht dem Amateurfußball helfen würden, ihn attraktiver, transparenter machen würden?

Schleser Zur neuen Saison wird die Einlaufzeremonie Pflicht. Grundsätzlich ist das eine feine Sache. Das wird bei uns auch schon gemacht, aber den Rest von oben für alle zu verordnen, tut dem Fußball nicht gut, denn auch Auswechselspieler sollen sich vorher abklatschen und beide Teams sollen sich hinterher im Mittelkreis verabschieden TREKER So etwas ist in der Landesliga oder Bezirksliga in Ordnung. In den Klassen darunter ist das übertrieben.

Das Freistoßspray ist ein Mittel den Schiedsrichter vor unnötigen Diskussionen zu schützen. Haben Sie Angst, dass dem Fußball irgendwann die Schiedsrichter ausgehen?

Treker Ja. Man muss da auch mal eine Lanze für die Schiedsrichter brechen. Ich möchte den Job nicht machen. Wenn das so weitergeht, spielen wir unterhalb der Bezirksliga bald keinen Fußball mehr. BERGHAUSEN Ich hoffe nicht, dass das so kommt. Grundsätzlich machen die Schiedsrichter einen guten Job, egal in welcher Klasse. Sie müssen schwere Entscheidungen in kürzester Zeit treffen.

Gewalt gegen Schiedsrichter ist eher ein Problem der unteren Spielklassen. Dennoch, was lässt sich dagegen unternehmen?

Schleser Wir haben als Vorstände Vorbildfunktion und müssen auf die Spieler und auch die Zuschauer einwirken. Wir müssen dahin kommen, dass die Schiedsrichter nach dem Spiel gerne im Vereinsheim bleiben. Bei uns ist das so. BERGHAUSEN Ich glaube nicht, dass härtere Strafen helfen. Wichtig ist der Umgang miteinander. Da müssen Vorstand, Trainer und Betreuer mit gutem Beispiel vorangehen. Das hat etwas mit Respekt und Fair Play zu tun. TREKER Die Vereine sind dafür verantwortlich. Wenn bei uns einer gegen einen Schiedsrichter handgreiflich wird, würde er ausgeschlossen. Das kann man nicht dulden.

Wieso gibt es Vereine, die lieber die Strafe für zu wenig Schiedsrichter an den Kreis bezahlen, als Schiedsrichter zu stellen?

Schleser Wir haben unser Pensum erfüllt. Wir müssen vier Schiedsrichter stellen und haben sechs. Wenn alle denken, dass sie lieber Strafe zahlen, wo wären wir dann? TREKER Die Vereinsführung muss Führung vorleben. Das gilt auch für die Schiedsrichter.

Eingangs haben wir die neue Saison schon erwähnt. Sehen Sie Ihre Mannschaft für das gehobene Niveau gut gerüstet?

Schleser Die Mannschaft steht. Ich glaube, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten gut aufgestellt sind. Wir sind positiv überrascht, dass die Resonanz auf Dennis Sobisz und Michael Moll so positiv ist. Sie ergänzen sich gut. Die Voraussetzungen für eine entspanntere Saison sind geschaffen. TREKER Wir haben uns qualitativ und in der Breite verstärkt. Da werden sich auch gestandene Spieler auf der Bank wiederfinden. Die Vorbereitung läuft sehr gut. Wichtig ist ein breiter Kader, denn die Spieler werden in dieser Saison an ihre Grenzen kommen. Rund um das Team haben wir viel geschaffen, vom Bus bis hin zu der Partnerschaft mit Grenzland Fitness und dem Therapiezentrum St. Hubert. BERGHAUSEN Wir haben unseren Kader stabil gehalten und uns punktuell verstärkt. Gerade in der Offensive mussten wir nachlegen. Von den Ergebnissen her war die Vorbereitung nicht so gut, aber das bewerte ich nicht über. Ich denke, wir sind gut auf die neue Spielzeit vorbereitet.

Was sind die Zielsetzungen Ihrer Mannschaften für die neue Landesliga-Spielzeit?

Treker Wir wollen im oberen Drittel mitspielen, zwischen Platz eins und sechs. BERGHAUSEN Die starke Konkurrenz macht eine Prognose schwer, aber das obere Tabellendrittel ist schon unser Anspruch. Ab dem zehnten Spieltag wissen wir, wo die Reise hingeht. SCHLESER Ein gesicherter Mittelfeldplatz wäre gut für uns. Die Relegation brauche ich nun wirklich nicht jedes Jahr.

DAVID BEINEKE UND WILTRUD WOLTERS FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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