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Brüggen
Viel Holz steckt im "Green Building"

Brüggen: Viel Holz steckt im "Green Building"
Mit dem Kran werden die Leimbinder auf die Stahlträger gehievt, die das Skelett des Marktes bilden, und montiert. Ein Leimbinder ist 42,2 Meter lang und wiegt neun Tonnen. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Riesige Leimbinder überspannen künftig den Verkaufsraum des Rewe-Markts in Bracht. Für die Planer sind sie nicht nur tragendes, sondern auch gestalterisches Element - als Verweis auf ein nachhaltiges Baukonzept. Von Birgitta Ronge

Die zweite Lieferung Leimbinder kam am späten Montagabend. Mit einem Schwertransport wurden die vier Fischbauchträger, wie die Leimbinder aufgrund ihrer an einen Fischbauch erinnernden Form genannt werden, zur Baustelle für den Rewe-Markt an der Kaldenkirchener Straße in Bracht gebracht. Allein das Rangieren des langen Fahrzeugs war ein Schauspiel, das trotz später Stunde noch Zuschauer anlockte. Mit einem Kran wurden die Leimbinder dann gestern auf die Stahlträger gehievt, die das Skelett des künftigen Supermarkts bilden, und montiert.

Angefertigt bei Holzleimbau Derix in Niederkrüchten, wiegt ein Leimbinder neun Tonnen. Jeder Leimbinder ist 24 Zentimeter breit, 2,21 Meter hoch und 42,2 Meter lang. 18 Kubikmeter Holz wurden für die Fertigung eines Leimbinders benötigt, wie Markus Eppels, Betriebsleiter bei Derix, erklärt. Für die Herstellung braucht die Firma sechs Tage. Dafür werden Fichtenbretter in mehreren Schichten miteinander verleimt, Stück für Stück wächst so der Leimbinder. Maschinell werden an von den Planern vorgegebenen Punkten Löcher für die Montage eingebohrt oder Schlitze eingefräst. "Danach kommt die Kosmetik", sagt Eppels: Von Hand werden optische Mängel, zum Beispiel kleine Astlöcher, ausgebessert und geschlossen. Denn die Leimbinder werden immer zu sehen sein.

Das ist gewollt. Man soll die Verwendung des Holzes sehen können, das den gesamten Verkaufsraum künftig überspannt, wie Matthias Schmitz, Expansionsleiter West der Rewe Group, erläutert. Denn das Gebäude ist als "Green Building" konzipiert. Dabei wird unter anderem Wert auf die Verwendung natürlicher Baustoffe gelegt, auf den schonenden Umgang mit Ressourcen, auf Energieeffizienz. Vorgeschrieben wird zum Beispiel, dass bestimmte Lösemittel oder Dämmstoffe nicht verwendet werden dürfen, aber auch, welche Baustoffe und Lieferanten in Frage kommen. Ob man sich an die Vorschriften halte, werde kontrolliert, sagt Schmitz, abschließend gebe es ein Zertifikat. Für die Baubeschreibung ihres "Green Buildings" hat die Rewe bereits ein Vorzertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erhalten. Ist das Gebäude fertiggestellt, gibt es das endgültige Zertifikat.

Die Leimbinder sind nicht die einzigen Holzteile, die für den Marktbau verwendet werden: Insgesamt werden später 263 Kubikmeter Holz im Markt verbaut sein, so Eppels. Selbst das Regenwasser wird aufgefangen und genutzt, zum Beispiel, um damit zu spülen oder zu putzen, wie Lutz Gronau vom Büro Gronau plan erklärt. Oberflächenwasser werde auf dem Grundstück versickert. Außerdem werde der Bau dafür vorbereitet, dass eine Photovoltaik-Anlage installiert werden könne.

Auf die Leimbinder wird jetzt noch das Tragwerk für das Trapezblechdach aufgebracht. Mit dem Rohbau, so Gronau, wolle man in dieser Woche fertig werden. Danach werden Dach und Fassade geschlossen, dann kann der Innenausbau beginnen. Klimageräte, Sanitär- und Heizungsanlagen müssen installiert werden. "Wir planen damit, am 30. November fertig zu sein", sagt Gronau. Um die Marktentwicklung kümmert sich Ralf Stücken, der auch die beiden Rewe-Märkte in Brüggen und Amern betreibt. Er rechnet mit sechs bis acht Wochen für die Einrichtung.

Neben "seinem" Bereich ist auch ein Backshop geplant. Stücken geht davon aus, dass es ein Kamps-Backshop wird. Mit Hans-Peter und Maria Höhl, die bis zur Schließung bei Kaiser's in Bracht waren, sei er im Gespräch.

Quelle: RP
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