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Kreis Viersen
Bombenfund legt Verkehr lahm

Viersen - Fund einer Bombe legt den Verkehr lahm
Experten des Kampfmittelräumdiensts der Bezirksregierung Düsseldorf hatten bei Sondierungen unter der Ackeroberfläche einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die Fünf-Zentner-Bombe wurde vorsichtig freigelegt, um sie später unschädlich machen zu können. FOTO: Wolfgang Kaiser
Kreis Viersen. Gegen Mittag wurden Polizei und Feuerwehr alarmiert: In einem Feld in Kempen war ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Für Stunden waren Teile des benachbarten Gewerbegebiets nicht erreichbar Von Andreas Reiners

Frank Höpp hat die Ruhe weg. Die braucht der Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes der Bezirksregierung auch. Höpp ist ein erfahrener Sprengmeister und hat schon etliche Weltkriegsbomben entschärft. Gestern Mittag war Höpp in Kempen im Einsatz. Auf einer Ackerfläche an der Hülser Straße hatte ein Suchtrupp des Kampfmittelräumdienstes bei Sondierungen gegen 11 Uhr rund einen Meter unter der Erdoberfläche einen Blindgänger gefunden.

Das fünf Zentner schwere Relikt des letzten Krieges lag mitten im Feld - etwa einhundert Meter von der Straße entfernt, genau gegenüber der Kempener Feuer- und Rettungswache und Außenstelle des Straßenverkehrsamtes an der Heinrich-Horten-Straße. Es dauerte etwa vier Stunden, bis der Blindgänger unschädlich gemacht war. Gegen 15.45 Uhr gab der Kampfmittelräumdienst Entwarnung, die Bombe war entschärft.

Es war der größte Fund dieser Art in den vergangenen Jahrzehnten in Kempen, der gestern für Stunden Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst in Alarmbereitschaft versetzte. Die Stadt hatte routinemäßig den Kampfmittelräumdienst beauftragt, auf der Ackerfläche nach möglichen Bomben zu suchen. Das geschieht immer dann, wenn eine möglicherweise belastete Fläche bebaut werden soll. Das Feld liegt im Dreieck zwischen Hülser Straße, Bahnstrecke und Kempener Außenring. Es soll zu einem kleinen Gewerbegebiet weiter entwickelt werden. Der Baumarkt Mobau Wirtz & Classen, früher Pegels, will sich dort ansiedeln. Bislang ist der Baumarkt an anderer Stelle an der Hülser Straße ansässig. Die Stadt will das Areal erschließen und Baurecht schaffen.

An dieser Stelle wurden mögliche Kriegsbomben vermutet, hatten doch die alliierten Luftverbände gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Bahnlinie und den Bereich des Bahnhofs in Kempen mit einem Bombenteppich überzogen.

Und tatsächlich wurde der Suchtrupp fündig. Mit einem kleinen Bagger wurde die Bombe vorsichtig freigelegt. Danach wurden sämtliche Gebäude im Umkreis von 250 Meter - auch die Feuer- und Rettungswache, das Wasserwerk und etliche Gewerbebetriebe im Bereich Heinrich-Horten-Straße - evakuiert. Die Polizei alarmierte mit Lautsprecherdurchsagen die Anwohner in einem Umkreis von 500 Metern, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Kempener Außenring wurde vorübergehend gesperrt, auch die Hülser Straße im Bereich der Fundstelle. Zudem musste der Bahnverkehr zeitweise eingestellt werden. Fahrgäste wurden am Kempener Bahnhof informiert und konnten nur mit Bussen die Weiterreise antreten. In Teilen der Kempener Innenstadt und im Ortskern von St. Hubert kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, weil der Außenring als Hauptverkehrsader teilweise dicht war.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Evakuierung abgeschlossen war. Da auch die Feuer- und Rettungswache betroffen war, richtete die Stadt in sicherer Entfernung im städtischen Baubetriebshof an der Heinrich-Horten-Straße die Einsatzleitstelle ein. Von hier aus wurde die Arbeit der Feuerwehr koordiniert. Mitarbeiter der Kreisleitstelle aus Viersen unterstützten die Kempener Kollegen. Eingebunden war auch das städtische Ordnungsamt, Amtsleiter Ulrich Eckerleben gehörte zum Team der Einsatzleitung um Wehrchef Franz-Heiner Jansen. Etwa 40 Wehrleute vom Löschzug Kempen waren in Alarmbereitschaft, die Kreispolizei hatte ebenfalls 40 Beamte in Kempen zusammengezogen. Sie sperrten die Straßen ab und kontrollierten die Evakuierungszone. Bürgermeister Volker Rübo (CDU) informierte sich an der Einsatzleitstelle über den Stand der Dinge.

Die Entschärfung der Bombe war insofern problematisch, als dass der Zünder nicht frei zugänglich war. So kam nur eine kontrollierte Sprengung des Blindgängers in Betracht. Auch diese war für Sprengmeister Höpp und seinen Kollegen Routine. Mit einem Raketenzünder wurde der Zünder abgesprengt und mit einer zweiten Sprengung die Bombe unschädlich gemacht. Unklar war vorübergehend, in welchem zeitlichen Ablauf die beiden Sprengungen erfolgen würden. Gegen 15.17 Uhr war auf dem Baubetriebshofs ein dumpfer Knall zu hören. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis klar war: Mit dieser Detonation hatte der Sprengmeister die Bombe entschärft. Die vorherige erste Sprengung war in einer Entfernung von mehr als 500 Meter gar nicht zu hören gewesen. In der Kempener Altstadt bekam man von der Sprengung nichts mit, allerdings machte die Nachricht vom Bombenfund dort schnell die Runde.

Gegen 16 Uhr präsentierte Sprengmeister Höpp den entschärften Blindgänger. Er war bereits in einem Kleinlaster verladen worden.

Quelle: RP
 
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