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Viersen
Wie aus dem Fasten Neues entsteht

Viersen: Wie aus dem Fasten Neues entsteht
Das Aschenkreuz gilt als Symbol des Aschermittwochs, es ist sichtbares Zeichen für den Beginn der Fastenzeit. Sie soll für Buße und Umkehr genutzt werden. FOTO: epd
Viersen. Der Hoppeditz ist beerdigt, das närrische Treiben hat ein Ende. Zwei Pfarrer berichten, was Fasten für sie bedeutet. Ein Heilpraktiker gibt Ernährungstipps. Fazit: In der Fastenzeit entsteht die Lust auf ein sinnvolles Leben. Von Silvia Ruf

Heute ist Aschermittwoch - die fröhlichen Karnevalstage sind vorbei, der Hoppeditz unter Wehklagen beerdigt, die Bürgermeister können ihre Städte wieder übernehmen, während die Prinzenpaare wohl erst einmal ihre Füße hochlegen werden und verschnaufen können. Dabei schmerzt dann sicher auch noch das traurige Ende mit den ausgefallenen Rosenmontagszügen.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei - das hat der Kölner Jupp Schmitz schon 1953 gesungen. In den bitteren Nachkriegsjahren sicherlich mit noch mehr Berechtigung als heute, mussten die Menschen doch damals Entbehrung und Not leiden. Heute entschließt sich mancher eher freiwillig, in der 40-tägigen Fastenzeit, die dem Karnevalstrubel folgt, auf manches zu verzichten. Sei es, um unnötige Pfunde los zu werden oder Kopf und Seele wieder frei zu bekommen.

Der evangelische Pfarrer Roland Kühne aus Kempen hat einen Ratschlag für die Fastenzeit: "Sich nicht zu viel vornehmen, kleine Rationen, die eher das Durchhalten in den 40 Tagen ermöglichen." Er selbst möchte sich in der Fastenzeit mit Dietrich Bonhoeffer beschäftigen: "Ich habe mir vorgenommen, in der Fastenzeit täglich ein Wort aus dem Brebier von Dietrich Bonhoeffer zu lesen. Am 4. Februar jährte sich zum 110. Mal sein Geburtstag. Beim Lesen seiner Texte wird man nach gut lutherisch-reformierter Art auf Texte in der Bibel gewiesen." Einem solchen Gedanken für die Fastenzeit schließt sich auch Pfarrer i.R. Wolfgang Acht von der katholischen Gemeinde St. Marien in Kempen an: "Mit dem Aschermittwoch hört das Leben nicht auf, sondern es soll in Ruhe die Zeit genutzt werden, sich der Frage zu stellen, worum es im Leben wirklich gehen soll. Dazu gehört auch die Suche nach Gott und möglichen Begegnungen mit ihm. 40 Tage der Fastenzeit sollten zum Verweilen, zur inneren Ruhe und zur gedanklichen Vertiefung genutzt werden." Hilfreich sei dabei das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift, das Gespräch mit anderen über den Glauben, die Teilnahme an Gottesdiensten oder das persönliche Gebet am Morgen und am Abend. "Die Kempener Gemeinden bieten da mit Kreuzwegandachten und ökumenischen Passionsandachten eine Hilfestellung."

Sichtbares Zeichen des Beginns der Fastenzeit ist das Aschenkreuz. Die Asche wird aus den verbrannten Palmzweigen des vergangenen Jahres gewonnen und heute im Gottesdienst mit den Worten "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst" auf die Stirn gezeichnet. Pfarrer Acht erklärt die Herkunft des Brauches: "Das Aschezeichen geht auf das Urchristentum zurück. Dem bekennenden Sünder wurde Asche aufs Haupt gestreut und ein Büßerhemd angezogen. Bis zum Gründonnerstag verzichtete er auf die Teilnahme am Gottesdienst, um sich zu bekehren und den Neuanfang zu signalisieren." Als später die Ohrenbeichte eingeführt worden sei, sei diese Praxis entfallen.

Es blieb aber der Wunsch, die Zeit der Buße und Umkehr gemeinsam zu vollziehen. Schließlich wurde eine Fasten- und österliche Bußzeit von 40 Tagen eingeführt. Die 40 Tage verweisen symbolisch auf biblische Erfahrungen und erinnern an die 40 Jahre, die das Volkes Gottes durch die Wüste wanderte; an die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai im Gespräch mit Gott verbrachte; an die 40 Tage, die Elia nach der wunderbaren Speisung in der Wüste bis zum Gottesberg Horeb wanderte und an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte, bevor er auszog, um die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und umzusetzen. Immer noch gehört gerade am Niederrhein das Fischessen ebenso zum Aschermittwoch. Dies hängt eng mit dem Begriff Karneval zusammen. Heißt dies doch Abschied von fleischlichen Genüssen. Früher hieß das wirklich Fasten, karge Mahlzeiten, allenfalls eben am Freitag Fisch. Ein so veränderter Speisezettel habe sein Gutes, so der Kempener Heilpraktiker Fritz Müller. Weniger fette Speisen, weniger Kohlenhydrate, dafür regionales Gemüse und Obst helfen dem wintermüden Körper auf die Sprünge. Der Käse dürfe ein weniger fett eingekauft werden. Verzichtet man auf Aufschnitt oder Fleisch, kann man das gesparte Geld an Ostern für einen guten Zweck spenden. Die katholische Aktion Misereor und Brot für die Welt der evangelischen Kirchen werben schon seit Jahrzehnten um das "Fastenopfer". Was die Fastenzeit für jeden selbst bringen soll, muss man für sich entscheiden. Pfarrer Kühne: "Für mich bedeutet Fasten, dass ich mein Denken auf etwas richte, was ich im Laufe der geschäftigen, dahingehenden Lebenstage aus dem Blick verloren habe. Dies kann mir gelingen, indem ich auf etwas Liebgewonnenes verzichte, wie etwa Süßigkeiten, Rauchen oder alkoholische Getränke. Aber wahrscheinlich ist das Fasten nicht mehr so verbreitet." Kühne meint, viele würden heute das Pilgern vorziehen.

Auch Pfarrer Acht empfindet die Fastenzeit als wohltuend: "Die Fastenzeit wird zur kreativen Unterbrechung, die entdecken lässt, dass Leben mehr ist als nur Spaß. Leben verlangt eben auch nach Ruhe, Berührung und Beziehung, auch zu Gott. Der ist nicht im Lärm, im Trubel, bei Events, sondern mehr in der Stille und im Verweilen wahrzunehmen." Wer das versuche, spüre bald, dass nach Karneval nicht alles vorbei ist, sondern eine neue Lust auf sinnvolles Leben aufkeimen könne

Quelle: RP
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