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Schwalmtal
Willkommen in vielen Sprachen

Schwalmtal: Willkommen in vielen Sprachen
Kinderdorfleiter Dr. Klaus Esser und Bethanien-Sprecherin Ann-Katrin Roscheck blicken auf die Willkommensschilder, die die Kinder gemalt haben. FOTO: Busch
Schwalmtal. Bislang leben im Kreis Viersen weniger als zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nach einer Gesetzesänderung ist damit zu rechnen, dass es bald viel mehr werden. Das Bethanien Kinderdorf richtet eine neue Wohngruppe ein. Von Heike Ahlen

"Welcome Refugees" steht auf einem großen Schild an der Bethanien-Jugend-Wohngruppe in Amern. An jedem Haus im Kinderdorf hängen auch Schilder - in verschiedenen Sprachen. Jede Kinderdorffamilie und jede Gruppe hat diese Willkommensgrüße selbst gestaltet, teilweise sogar in arabischen Schriftzeichen.

Das Thema Flüchtlinge ist nicht erst seit dem Einzug von Flüchtlingen ins Lindenhaus, seit den Vorbereitungen im Kastanienhaus und seit dem Beginn der Bauarbeiten in einem Bereich der Dominikanerinnen von Bethanien, wo auch bald Flüchtlingsfamilien einziehen sollen, ein Thema im Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Schwalmtal. "Es ist schon von der christlichen Philosophie her klar - wenn jemand als Flüchtling vor der Tür steht, kann ich nicht sagen: Das passt jetzt gerade nicht", sagt Kinderdorfleiter Dr. Klaus Esser.

Auf das Kinderdorf kommt eine neue Herausforderung zu: Jugendliche, die noch nicht volljährig, aber trotzdem allein als Flüchtlinge unterwegs sind. Zum ersten November hat sich an der Gesetzeslage einiges geändert. Auch "unbegleitete minderjährige Ausländer" - wie diese Jugendlichen in der Fachsprache offiziell genannt werden - werden dann nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. "Bislang haben wir im Kreis Viersen weniger als zehn solcher Jugendlicher", sagt Kreis-Sprecher Axel Küppers. "Kreis-Jugendamtsleiter Lothar Thorissen rechnet aber in Zukunft mit mindestens 50 pro Jahr."

In Bethanien lebt seit gut vier Wochen ein 16-Jähriger. Er hat einen Platz in der Jugend-Wohngruppe in Amern gefunden. "Er lernt gerade intensiv unsere Sprache, saugt alles in sich auf", berichtet Esser. "Er macht einen sehr offenen Eindruck, es scheint ihm hier gut zu gehen." Der Kinderdorfleiter weiß, dass auch ganz andere Herausforderungen auf sein Team zukommen können. "Wenn jemand schwer traumatisiert ist, dann braucht er einen muttersprachlichen Therapeuten", ist Esser überzeugt.

In Bethanien soll bald eine spezielle Gruppe für jugendliche Flüchtlinge entstehen. "Wir sind im Augenblick auf der Suche nach einer Projektleitung und Mitarbeitern", so Esser.

Die Standards sollen die gleichen sein, die auch sonst im Kinderdorf gelten: Rund-um-die-Uhr-Betreuung, Zugang zu Bildung, die Voraussetzungen für ein späteres selbstständiges Leben, Zugang zu Kultur, Musik und Sport. "Die Ziele sind die gleichen, egal, wo jemand herkommt", sagt Esser. Für die Kinder, die in Bethanien leben, wären die Neuzugänge keine Besonderheit, so Esser. Etwa 35 Prozent der Kinder, die jetzt schon im Kinderdorf sind, haben einen Migrationshintergrund.

Für Bethanien bewegt sich mit der Aufnahme der jungen Flüchtlinge eine Menge. "Wir könnten uns als Projektleitung sehr gut jemanden vorstellen, der selbst Migrationserfahrung hat", erklärt der Kinderdorfleiter. Wenn es nötig ist, führt er, um jemanden kennenzulernen, auch schon mal ein Bewerbungsgespräch per Skype. Und während in der Vergangenheit immer die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche Voraussetzung dafür war, in Bethanien zu arbeiten, ist das diesmal nicht erforderlich. "Wir gehen neue Wege, wir erweitern unseren Horizont - und von daher bedeutet die neue Aufgabe auch eine Bereicherung für uns", so Esser.

Sobald das Team steht, könnte eine Wohngruppe speziell für junge Flüchtlinge eröffnen. Sollten bis dahin noch Zuweisungen kommen, versucht Bethanien, jeweils einzelne Jugendliche in bestehenden Gruppen unterzubringen.

Wer sich als Erzieher für das neue Team bewerben will, findet alle Informationen im Internet unter www.bethanien-kinderdoerfer.de.

Quelle: RP
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