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Wegberg
Die Magie des Augenblicks bannen

Wegberg: Die Magie des Augenblicks bannen
Hobbyfotograf Burkhard Schmidt mit einigen seiner herausragenden Aufnahmen. Am liebsten betätigt der Arzt den Auslöser auf Reisen. FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. Mit seinen Bildern zeigt Hobbyfotograf Burkhard Schmidt aus dem Leben gegriffene Szenen. Von Nicole Peters

Die Fotografien nehmen den Betrachter schon aufgrund ihrer recht düsteren Stimmung gefangen. "Between Dusk and Dawn" titelt die aktuelle Serie, die Hobbyfotograf Burkhard Schmidt beispielsweise bei der diesjährigen Kunst-Offensive im ehemaligen Karmeliterkloster zeigte.

Für diese überwiegend schwarz-weißen Aufnahmen war er in der Zeit zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen auf den Straßen verschiedener Städte unterwegs. Und es ist zudem die dichte, regelrecht durchkomponierte Bildaussage bei gleichzeitiger Lebendigkeit der dargestellten Personen, die zu längerem, genauem Schauen animieren.

Unterschiedliche Szenen und Begegnungen im Alltag stellt Schmidt im Allgemeinen gerne dar. Durch direkten Kontakt mit den Menschen kommt Nähe auf, beschreibt er seine Vorgehensweise. "Ebenso durch großen Respekt, mit dem ich den Menschen begegne." Beides ermöglicht ihm authentische Aufnahmen. Um die besonderen Stimmungen und Situationen etwa bei regelmäßigen Geschäftsreisen nach Berlin oder Städtereisen nach Palermo oder Neapel einfangen zu können, ist er meist stundenlang allein, mit einem guten Freund oder der Familie unterwegs. Die Kamera ist dabei das Medium der Kontaktaufnahme. "Die klobig große Kamera ist nicht zu verbergen, zumal meine Fotografien aus nächster Nähe überwiegend mit einem Weitwinkel entstehen", sagt er. Oftmals liege ihnen ein stilles Einvernehmen zwischen ausgesuchter Person und ihm zugrunde - eine unausgesprochene Erlaubnis, Aufnahmen zu machen. "Was mir wichtig ist, ist dem Menschen das an ihm Besondere zu entlocken", erzählt Schmidt weiter, "nichts, was ihn bloßstellt oder zu intim ist." Aussagekräftige, stimmige Aufnahmen zeugen von seiner schnellen Einschätzung geeigneter Situationen. Innerhalb der Serie "Between Dusk and Dawn" etwa das Foto einer Frau, die auf dem Bahnsteig noch einmal ihre Lippen mit einem Lippenstift nachzieht. Oder von einem weiten, relativ menschenleeren im Nebel liegenden Platz, auf dem ein junger Mann unverhohlen verbotene Substanzen verkauft. Einen ganz unmittelbaren, scheinbar unbemerkten Blick wirft der Fotograf durch die Fensterscheibe in ein Geschäftslokal, in dem mit Schutzkleidung unter sterilen Bedingungen Lebensmittel im Teigmantel hergestellt werden. Voll pulsierender Lebensenergie dagegen ist die Aufnahme einer Männergruppe an der Garküche. Es sind zwanglos festgehaltene Momente einer Lebenszeit, die vorher und nachher weiter rinnt. Deren Magie allerdings für lange Zeit auf Papier gebannt ist.

Seine Begeisterung für die Fotografie entdeckte der Mediziner, der sich vor Jahren aufgrund unsicherer Zukunftsperspektiven gegen ein Studium an der Folkwangschule Essen entschied, früh. "Mein Vater schenkte seinen drei Kindern in frühen Jahren eine kleine und einfache Kamera", blickt Schmidt zurück, "es war eine Mischung aus väterlichem Vorbild, Technikbegeisterung und Vaters Fotomagazinen mit tollen Fotos von Landschaften und schönen Frauen, die meine Neugierde weckte." Nach der Familienphase nahm er die fotografische Tätigkeit Anfang der 2000er Jahre wieder auf und stellt seit einigen Jahren auch wieder öffentlich aus.

Durch seine Zeiten als Arzt im Nachtdienst habe er ganz eigene, magische Momente zu dieser Tageszeit erlebt, sagt Schmidt. In Kombination mit einer neuen Spiegelreflex-Kleinbildkamera sei die intensive Beschäftigung während der dunklen Zeit zustande gekommen.

Quelle: RP
 
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