| 00.00 Uhr

Gastbeitrag Pfarrer Volker Lubinetzki
Das Kind und der Stern

Wermelskirchen. Wermelskirchen Auf meinem Schreibtisch sammeln sich die Adventskarten. Ein halbes Dutzend Grüße aus allen Himmelsrichtungen, und auf jeder dieser Karten: ein Stern. Der Stern über der Krippe, der Stern von Bethlehem, von dem die Weihnachtsgeschichte erzählt. Genauer gesagt: die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus, denn nur er berichtet von diesem Himmelsereignis. Die anderen drei Evangelien bleiben in Sachen Sterne stumm.

Lukas hat die bewegenden Worte gefunden, die Jahr für Jahr an Heiligabend in Kirchen vor Weihnachtsbäumen verlesen werden: "Es begab sich aber zu der Zeit. . ." Den Stern aber nennt er nicht. Markus und Johannes wissen über die Geburt Jesu gar nichts zu berichten; bei ihnen betritt Jesus gleich als reifer Mann die Bühne. Das Geheimnis des Sterns kennt nur Matthäus: "Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

" Aus nicht näher bestimmten "Weisen" hat die Volksfrömmigkeit dann die Heiligen Drei Könige gemacht. Das mag von den drei Geschenken herrühren, die sie dem Kind und seinen vermutlich ziemlich verdutzten Eltern überreichten, Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sogar Namen bekamen sie schließlich: Kaspar, Melchior und Balthasar. Und ihre Überreste lassen sich, wenn man's denn glauben will, nach einer guten Stunde Autofahrt noch heute im Kölner Dom bestaunen.

Matthäus weiß von all dem nur dies: Sternkundige Männer, genaugenommen "Magier", Anhänger des persischen Propheten Zarathustra, hatten im Morgenland - demnach wohl Persien - einen besonderen Stern beobachtet und geschlossen, dass irgendwo fern ein außerordentlicher Mensch geboren sein müsse. Eine schöne Vorstellung: Jedem Menschen ist ein Stern zugewiesen, und wer genau hinschaut, kann es erkennen. Und diesem Kind aus fremdem Land und fremder Religion fallen sie zu Füßen.

Die großen, klugen Männer vor dem Kind im zugigen Stall. Die praktischen Fragen verblassen demgegenüber: War das Himmelsphänomen überhaupt ein Stern? Eine gleißende Supernova? Ein Komet? Oder eine besondere Planetenkonstellation? Das eine oder andere wäre historisch denkbar, aber praktisch doch schwer vorstellbar: Wie kann eine Himmelserscheinung einen derart präzise zu einer Hütte oder einem Stall führen? Und wieso müssen sie dann zwischendurch den König Herodes um Rat fragen? Und überhaupt: Wie lange mag es gedauert haben, bis die Weisen aus Persien mit ihrer Entourage im Stall ankamen? Sollte das Kind dann tatsächlich immer noch dort gelegen haben? Wir wissen es nicht.

Manches Geheimnis zerbröselt unter den Fingern, wenn man zu fest zugreift. Aber die Botschaft ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen: Dieses Kind macht Grenzen durchlässig, vor ihm beugen die Weisen und Mächtigen die Knie - und das Kleine, das Unscheinbare, leuchtet in dunkler Welt und Nacht wie ein heller Stern.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Gastbeitrag Pfarrer Volker Lubinetzki: Das Kind und der Stern


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.