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Wermelskirchen
Der "Wermelskirchen-Stuhl" - ein Unikat

Wermelskirchen: Der "Wermelskirchen-Stuhl" - ein Unikat
FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Helga Schmincke (66) lebt seit ihrer Schulzeit in der Stadt. Ihrer Heimat zu Liebe hat die Hobby-Künstlerin einen einzigartigen Stuhl zum Thema Wermelskirchen designt. Er ist bei weitem aber nicht ihr einziges Kunstwerk. Von Jessica Balleer

Schon ihre Wohnung wirkt wie ein einziges, stimmiges Kunstwerk. Im Treppenaufgang steht eine Büste. Im Wohnzimmer bilden zwei Abflussrohre und eine Glasscheibe ein Regal. Wie auf einer Vernissage kommt man sich fast vor. In jedem Winkel ihres Zuhauses steht ein Unikat. Die vier Wände sind ein Ausdruck der Persönlichkeit von Helga Schmincke. Die 66-Jährige lebt seit ihrer Schulzeit in Wermelskirchen.

Zunächst in Hamm im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat sie die Stadt schnell lieben gelernt. Und dieser Heimat hat sie nun ein besonderes Unikat gewidmet: einen selbstdesignten Stuhl zum Thema Wermelskirchen. Die Sitzfläche verziert ein Stadtplan. Auf dem Bein unten rechts ist der Ausschnitt einer Wanderkarte. Und auf Lehne und Holzstreben kleben Fotos vom "Hotel zur Eich", der "Dhünn" und zwei Schriftzüge der größten Zeitung der Stadt, der "Bergischen Morgenpost". Solche Details seien ihr wichtig. Bereits in ihrem Berufsleben kam sie mit Künstlern in Kontakt. Dass sie gelernte Bankkauffrau ist, verwundert. Dass sie sich nie als Produktverkäuferin oder Kundenberaterin gesehen habe. Ein Problem sei das aber nie gewesen, die Chefs genehmigten ihr diese Freiheiten, ganz getreu ihrem Lieblingsspruch "Jeder Jeck ist anders". Im Marketing fand sie ihre Berufung. "Ich stehe auf Mode, auf Kunst und alles, was außergewöhnlich ist", sagt Schmincke. Dabei braucht sie das gar nicht zu betonen. Das verrät ein Blick auf die 66-Jährige, die nicht aussieht wie 66 und schon gar nicht beleidigt ist, wenn man anmerkt, dass sie ein "verrückter Vogel" ist, weil eine schwarz-weiß karierte Brille in ihrem feuerroten Haar steckt. Weil sie glitzernde Stiefel trägt und jede Menge Schmuck. Das Leben ist ihre Inspiration. Die Idee dazu, Stühle zu verschönern, entstand auf der Suche nach einem Geschenk für einen Bekannten. Zum Firmenjubiläum sammelte sie Plakate, Schriftzüge und Flyer - und nach wenigen Tagen war der erste Themen-Stuhl erschaffen. Mittlerweile geht ihr das deutlich schneller von der Hand. Zehn bis zwölf Arbeitsstunden dauert es aber schon noch, bis ein neues Exemplar, ein neues Unikat gefertigt ist. Alles beginnt mit dem Sortieren des Bildmaterials. Da wird gerissen oder geschnitten und dann mit einem Spezialkleber fixiert. Aber nicht einfach irgendwie. Beim Exemplar "Musik" hatte sie sogar darauf geachtet, welche Lieder, Textzeilen und Noten wo zu sehen sind.

Die meisten Stühle habe sie innerhalb der Familie verschenkt. "Ich fertige sie immer zugeschnitten auf die Person", sagt Schmincke. Ihr 46-jähriger Sohn hat einen Star-Wars-Stuhl. Vom gepolsterten Sitz ihres Enkels lächelt "Mickey Mouse". Ihr Lieblingsstuhl bescherte ihr das Gefühl, am Nordseestrand zu sitzen. Den findet man in ihrer Wohnung allerdings nicht mehr. Ihrer besten Freundin zuliebe räumte sie diesen Sitzplatz.

Einen Preis kann sie nicht nennen. Das komme darauf an, ob man das Material mitbringe und wie der Stuhl beschaffen ist. Denn je mehr Rundungen er hat, desto schwieriger sei es, die Deko faltenfrei zu fixieren. Helga Schmincke erzählt das und scheint in ihrem Element zu sein.

"Jeder Stuhl ist ein Individuum", sagt sie. Wenn sie über Sitzflächen, Querstreben und Lehnen fachsimpelt, ist immer dieses weite Dauerlächeln da.

Ihre Liebe zum Detail zeichnet jeden Stuhl aus - und sie spiegelt sich in ihr wider, dem Gesamtkunstwerk Helga Schmincke.

Quelle: RP
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