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Wermelskirchen
Flüchtlinge sollen ins Schwesternheim

Wermelskirchen: Flüchtlinge sollen ins Schwesternheim
Das Krankenhaus-Gebäude steht seit zweieinhalb Jahren leer. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Der Ausschuss für Umwelt und Bau will sich über den Zustand des leerstehenden Krankenhaus-Gebäudes informieren. Es wird als Option für die Unterbringung von Flüchtlingen ins Auge gefasst. Die Kosten für eine Sanierung wären enorm. Von Sebastian Radermacher

Die Stadtverwaltung hat großen Druck, zeitnah Unterkünfte für die ihr zugewiesenen Flüchtlinge zu schaffen. Bis Ende 2016 sollen nach bisherigen Angaben 275 geflüchtete Menschen Wermelskirchen zugewiesen werden. Die Verwaltung hat auch das Schwesternheim des Krankenhauses zur Unterbringung in Erwägung gezogen - das teilt Martin Bosbach, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Bau mit. Die Ausschussmitglieder möchten sich am 22. November vor Ort über den Zustand des Gebäudes informieren.

"Im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung wurde auch das Schwesternheim als Option von der Stadtverwaltung ins Auge gefasst", sagt Bosbach (CDU). "Wir möchten nun wissen, wie die Beschaffenheit der Immobilie ist." Krankenhaus-Geschäftsführer Christian Madsen wurde vor zwei Tagen durch den Technischen Beigeordneten Dr. André Benedict Prusa über die geplante Besichtigung informiert. Er bestätigt, dass sich eine Delegation der Stadt bereits vor eineinhalb Jahren schon mal das Gebäude angesehen hat. "Tenor damals war, dass es aber wohl nicht zur Diskussion steht", sagt Madsen.

Die dreigeschossige Immobilie am Verbindungsweg des Krankenhaus-Hauptgebäudes zur Rot-Kreuz-Straße steht laut Madsen seit zweieinhalb Jahren leer. "Das Haus war für die Nutzung durch das Krankenhaus bereits abgeschrieben, als ich vor fast zehn Jahren Geschäftsführer wurde." Bis 2004 war in dem Schwesternwohnheim (Haus B) die Pflegeschule des Krankenhauses untergebracht, zudem wurden einige Bereitschaftsräume vorgehalten. Im Erdgeschoss hatte ein Pflegedienst Räume angemietet, dieser Bereich wurde in Schuss gehalten, in den Rest des Gebäude wurde nicht mehr investiert. Nach dem Umzug des Pflegedienstes wurden sämtliche Versorgungsleitungen (Strom, Wasser Heizung) gekappt.

Um das Gebäude wieder bewohnbar zu machen, steht nach BM-Informationen eine siebenstellige Investitionssumme im Raum. "In diesem Zustand ist das Gebäude auf keinen Fall zu nutzen", betont Madsen. Es könnte auch passieren, dass das Krankenhaus das Gebäude abreißen und einen Neubau errichten wird. "Diese Gedankenspiele gibt es, wir haben aber keinen Zeitdruck", sagt der Geschäftsführer.

Der Technische Beigeordnete Dr. André Prusa stellt klar, dass der Bauausschuss die Zuständigkeit für alle Hochbauten der Stadt habe. Die Frage ist nun: Ist das Schwesternheim eine städtische Immobilie? Die Stadt ist mit 66,67 Prozent als Gesellschafter an der Krankenhaus GmbH beteiligt (Kreis: 33,33 Prozent). Prusa versichert, dass sich der Bauausschuss nicht in die Unterbringung von Flüchtlingen einmischen werde. "Man sollte das Thema entspannt diskutieren. Es ist komplett offen, was mit dem Gebäude passieren soll", sagt er.

Unterdessen prüft die Verwaltung, ob der Sportplatz Tente als Fläche für eine Flüchtlingsunterkunft infrage kommt, bestätigt Stadtsprecher Jürgen Scholz. Zudem werden drei städtische Gebäude am Wiesenweg an die Rheinisch-Bergische Siedlungsgesellschaft veräußert, die dort dann Wohnraum schaffen wird. Der Notarvertrag stehe vor dem Abschluss. Auch der Umbau der Polizeiwache schreitet voran. Dort wird aber nur Platz für 60 statt geplant 78 Flüchtlinge geschaffen. Der Grund: Für mehr als 60 Bewohner muss eine Brandmeldeanlage für 70.000 Euro gekauft werden. Das wäre rausgeschmissenes Geld, da die Politik beschlossen hat, nach sechs Monaten die Belegung auf 40 Personen zu reduzieren.

Im Stadtrat am 12. Dezember soll die Politik weitere Standorte und das Vorgehen beschließen, damit die Stadt die zu erwartenden Flüchtlinge unterbringen kann.

Quelle: RP
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