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Wermelskirchen
Frische Milch tanken in der Innenstadt?

Wermelskirchen. Immer mehr Landwirte verkaufen Produkte direkt "ab Hof". Frische Rohmilch etwa gibt es rund um die Uhr an sogenannten Milchautomaten. Hiesige Bauern könnten sich einen in Wermelskirchen vorstellen. Ein Gedankenspiel. Von Jessica Balleer

"Früher kamen die Leute noch zum Hof und holten Milch", sagt Lutz Görne (59). Der Landwirt aus Wermelskirchen erinnert sich zurück und denkt dabei an bessere Zeiten, als die regionalen Produkte, als die Milch noch wertgeschätzt wurde. Heute kämpfen die Bauern gegen Ramschpreise, die der Einzelhandel bestimmt, mehreren Tausend Euro Verlust jeden Monat und der Unsicherheit über die Zukunft. Immer mehr Landwirte suchen ihr Heil in der Direktvermarktung. Milchautomaten etwa sind die "stählernen Kühe", an denen die frische Rohmilch "ab Hof" gezapft werden kann. Könnte das auch in Wermelskirchen funktionieren? Lutz Görne hat Zweifel.

In Deutschland stehen etwa 170 bis 180 Milchautomaten. Kunden können zum Milchbauer vor Ort fahren, ein Gefäß mitnehmen und die Rohmilch literweise "to go" einkaufen - zu einem fairen Preis für beide Seiten. "Es gibt sicherlich Betriebe, die verkehrstechnisch so angebunden sind und ein Kundenpotenzial erschließen können", sagt Lutz Görne. Um diese Direktvermarktung aber rentabel zu betreiben, müssten eben auch viele kommen. Einen Milchautomaten auf dem eigenen Hof kann er sich nicht vorstellen. "Bei mir in Buchholzen kommt dafür nicht genügend Verkehr vorbei." Außerdem müsse sich ein Landwirt die Investition sehr gut überlegen: Ein Milchautomat selbst kostet zwischen 6000 und 9000 Euro. Hinzu kämen die Behausung, die Entwässerung und der Zeitaufwand. "Samstags, sonntags und an Feiertagen werden diese Automaten besonders stark frequentiert", sagt Lutz Görne. Ein Ruhetag sei da kaum mehr möglich. "Wer das anfängt, der macht es richtig oder gar nicht."

Für einige wenige sei das die Möglichkeit eines Zubrotes. Als Option, um aus der Milchkrise herauszukommen, sieht er das nicht. "Außerdem können die Leute kommen, wenn sie frische Milch wollen", sagt Görne. Was er sich allerdings vorstellen könnte, wäre eine Art "Milchtankstelle" mitten im Stadtzentrum. Mit ein, zwei Betrieben könne man diesen betreiben, "vielleicht am Markt, am Loches-Platz oder irgendwo in der Nähe der Innenstadt", überlegt Görne. "Dafür braucht man vermutlich eine Genehmigung."

Die braucht es nicht. Das bestätigt Baudezernent Dr. André Benedict Prusa auf Nachfrage unserer Redaktion. Und er zeigt sich sogar angetan von der Idee: "Als Stadt würden wir es auf jeden Fall begrüßen", sagt Prusa. "Diese Milchautomaten sind eine tolle Idee." So seien Warenautomaten genehmigungsfrei, die bis zu 50 Kubikmeter Fassungsvermögen haben und niedriger sind als drei Meter. "Die zweite Frage ist das Grundstück", gibt Prusa zu bedenken. Im Falle der Innenstadt müsste also ein Vertrag mit dem Eigentümer, das heißt mit der Stadt, aufgesetzt werden. Ein Konzept wäre es, dass der Landwirt als Direktvermarkter in den Vertrag geht. "Wir sind interessiert daran, einheimische Produkte abzubilden", sagt Prusa, der selbst aus der Landwirtschaft kommt. "Für regionale Milch ein paar Cent mehr bezahlen, das klingt doch gut."

Im Herbst 2014 bereits hatte sich auch Landwirt Torsten Mühlinghaus mit Milchautomaten befasst. Er steht der Idee ebenfalls offen gegenüber. Auf ein Problem ist er allerdings gestoßen: "Rohmilch darf man nur auf dem Hofgelände verkaufen." So schreibt es die Rohmilchverordnung vor. Die Milch müsste also in einem Pasteurisator abgekocht werden, bevor sie in der Innenstadt angeboten werden dürfte. Eine Option ohne Konjunktiv bleibt: Wer Rohmilch kaufen will, ist auf den Höfen willkommen.

Quelle: RP
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