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Wermelskirchen
Heimeliger Abend mit Ozzy

Wermelskirchen. Georg Göbel-Jakobi alias Ozzy Ostermann aus Herbert Knebels Affentheater begeisterte vor rund 50 Zuschauern beim Konzert in der Katt. Von Wolfgang Weitzdörfer

Von seinen Auftritten mit Herbert Knebels Affentheater ist Ozzy Ostermann, alias Georg Göbel-Jakobi, den ausverkauften großen Saal der Kattwinkelschen Fabrik gewöhnt. Dort zelebriert er in regelmäßigen Abständen im schrägen Kostüm mit dem Meister allerlei Firlefanz und bringt dabei den Ruhrpott ins Bergische. Am Donnerstagabend hingegen war der gebürtige Ostfriese Göbel-Jakobi in sehr intimem Rahmen vor etwa 50 Zuschauern im kleinen Saal der Katt zu Gast. Zusammen mit Bassist Peter Deinum, Flötist/Saxophonist Lothar van Staa und Schlagzeuger Stefan Lammert brachte er seine Gitarrenmusik zu Gehör, handgemacht, schnörkellos und mit viel Leidenschaft und handwerklicher Klasse. "Wir spielen heute einige Lieblingslieder. Viele Eigenkompositionen und - auch ein wenig Jazz. Den aber mit menschlichem Antlitz", sagte Göbel-Jakobi schmunzelnd. Das Publikum erlebte dabei einen im besten Sinne heimeligen Abend, mit Musik, die die Seele streichelte.

Etwa dann, wenn Göbel-Jakobi seine Lap-Steel-Guitar aus dem umfangreichen Instrumentenfundus im Bühnenhintergrund holte und die wundervolle Bruce-Springsteen-Coverversion "Brothers Under The Bridge" spielte. Das perlende Fingerpicking, die virtuosen Flöteneinsätze und der dezente Shuffle-Rhythmus am Schlagzeug - da einem die Kälte der Winternacht noch in den Knochen saß, fehlte zum absoluten Wohlgefühl nur noch das prasselnde Kaminfeuer im Eck. Überhaupt: Die Musik passte perfekt in einen kleinen, verrauchten Jazz-Club. Denn Lieder wie der "CBT Blues" oder das nicht nur wegen des Sopransaxophons an 80er-Jahre-Jazz erinnernde "Lassie In The Sky" mit seinen Dissonanzen und dem verspielten Schlagzeug, waren wie für kleine Bühnen gemacht, auf denen man den Musikern auf die Finger gucken konnte. Oder zu denen man alternativ die Augen schließen und sich auf einen musikalischen Trip entführen lassen konnte.

Dazwischen, und er konnte vielleicht einfach nicht ganz aus seiner Ozzy-Ostermann-Haut, kalauerte Göbel-Jakobi sich durch seine Ansagen. "Ich habe die ganzen Klampfen doch nicht zum Spaß mit!", meinte er etwa beim erneuten Instrumentenwechsel. Oder als er in der Ansage zu "Long Way From Home" meinte, dass das Stück ein wenig von der TV-Serie "Breaking Bad" inspiriert sei. Um dann hinzuzufügen: "Das ist aber natürlich eine ganz eigenständige Komposition. Da ist nix abgekupfert. Außer vielleicht einem Ton_ dem hier!" Sprach's und ließ die leere E-Saite schnalzen. Sei's drum, die Ansagen waren sympathisch, wie es auch Göbel-Jakobi war, und sie lockerten den Abend in der genau richtigen Dosis auf.

Das Schönste an diesem wunderschönen Abend war jedoch, dass da echte Vollblutmusiker auf der Bühne zu erleben waren. Die groovten und harmonierten ganz prächtig, die brachten jede Menge Dynamik in die Songs, die warfen sich die musikalischen Bälle gegenseitig zu und bildeten jeder für sich und alle zusammen eine echte Einheit. Wobei der Hauptfokus auf Göbel-Jakobi lag, dessen Virtuosität an den sechs Saiten eine echte Ohren- und Augenweide war. Vor allem dann, wenn er wie in "Oh, Baby" ganz alleine über das Griffbrett seiner Lap-Steel-Guitar wanderte, als wären die solistischen Eskapaden ein locker-leichter Sommerspaziergang. Völlig zu Recht bekam er hierfür begeisterten Applaus des Publikums, das sich überhaupt großartig zu unterhalten schien - und ganz offensichtlich richtig froh darüber war, die warme Wohnung gegen einen Besuch in der Katt eingetauscht zu haben.

Quelle: RP
 
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