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Wermelskirchen
Hundehalter im Streit mit dem Tierheim

Wermelskirchen: Hundehalter im Streit mit dem Tierheim
FOTO: Dörner, Hans (hdo)
Wermelskirchen. Pierre-Pascal Hauer suchte sich im Tierheim Hündin Anabelle aus. Was er nicht wusste: Die Hündin war trächtig. Hauer fühlt sich im Stich gelassen. Der Kreis sieht kein Verschulden des Tierheims. Von Klas Libuda und Sebastian Radermacher

Als Pierre-Pascal Hauer Hündin Anabelle aus dem Tierheim in Wermelskirchen mit nach Hause nahm, dachte er, es bleibe bei dem einen Hund. "Anabelle entwickelte sich super", erzählt er. "Sie fasste schnell Vertrauen, war sehr anhänglich und schmusebedürftig." Sie fraß genug und machte bald den Eindruck, zuzunehmen. Als Anabelle jedoch immer mehr zulegte, wurde der Hundehalter stutzig. Er brachte die Hündin zum Tierarzt. Der stellte fest: Anabelle erwartet Nachwuchs. Und das ziemlich bald.

Bass erstaunt war Hauer von der Diagnose, denn als ihm das Tierheim Wermelskirchen die Hündin vermittelte, sei von Nachwuchs noch keine Rede gewesen, erzählt er. "Auf Trächtigkeit wurde nicht hingewiesen, lediglich darauf, dass sie unkastriert sei und man aufpassen müsse", schrieb Hauer nun in einem Brief an das Kreis-Veterinäramt, der der BM vorliegt.

Pierre-Pascal Hauer ist sauer, weil er sich vom Tierheim im Stich gelassen fühlt. "Wir haben den Hund vorher geimpft, gechipt und durchgecheckt", sagt Tierheim-Leiterin Magda Ditges, "mehr können wir nicht machen."

Dass Anabelle "tragend" sei, sei zum Zeitpunkt der Vermittlung nicht festzustellen gewesen. Auch eine Ultraschall-Untersuchung habe kein entsprechendes Ergebnis gebracht. Hauer aber habe die Möglichkeit gehabt, die Hündin für die Geburt und die Aufzucht der Welpen im Tierheim einzuquartieren. "Das hat er nicht gemacht", sagt Ditges.

Er habe sich gerne um die Aufzucht der Welpen kümmern wollen, sagt Hauer. Zumal er Hündin Anabelle, die sich gerade eingewöhnt hatte, nicht wieder aus ihrer neuen Umgebung herausreißen wollte. Allerdings hätte er sich Unterstützung seitens des Tierheims gewünscht, sagt Hauer. Die Geburt und Aufzucht der Welpen hätte ihn schließlich vor eine ungeplante Herausforderung gestellt. Und ihn auch finanziell belastet. Hauer kaufte etwa eine Wurfbox, in der sich Anabelle bald einrichtete. Magda Ditges sagt: Finanzielle Hilfe könne das Tierheim nicht leisten. Eine Wurfbox hätte man Hauer aber leihen können. Er habe sich schlicht nicht darum bemüht. Pierre-Pascal Hauer hingegen fühlte sich vom Tierheim stets "pampig" abgebügelt. Die Fronten sind verhärtet.

Als die Welpen kamen, schaffte es bei sieben Geburten nur ein Welpe auf die Welt. Hauer hat sie Hera genannt. "Ich denke, man hätte ein oder zwei mehr retten können, wenn das Tierheim uns unterstützt hätte", meint Hauer. "Ich lasse kein Tier im Stich", widerspricht Magda Ditges. "Herr Hauer hat uns die Geburt gar nicht mitgeteilt." Nun hat Pierre-Pascal Hauer beim Kreisveterinäramt in Bergisch Gladbach eine Beschwerde eingereicht.

Kreissprecherin Birgit Bär teilt auf Anfrage der Bergischen Morgenpost mit, dass es immer mal wieder Einzelfälle gibt, in denen eine Schwangerschaft unentdeckt bleibt. "Man kann dem Tierheim rechtlich keinen Vorwurf machen", sagt sie. Bei dem besagten Fall seien verschiedene unglückliche Faktoren zusammengekommen. "So etwas kommt sehr selten vor", sagt Bär. Man könne im Tierheim nicht bei jedem Hund einen Schwangerschaftstest machen. Ihrer Meinung nach lag im besagten Fall bei der Geburt "offensichtlich eine Überforderung vor". Der Tod der Tiere sei sehr bedauerlich. Ihr Rat: "Man sollte sich vor dem Kauf viele Kenntnisse über das Tier aneignen."

Zuletzt übrigens wurden im Tierheim schon zwei trächtige Hündinnen vermittelt, räumt Magda Ditges ein, auch damals habe das Tierheim, als es die Tiere abgab, noch nichts von dem Nachwuchs geahnt. In diesen Fällen hätten sich die privaten Halter gemeinsam mit dem Tierheim um die Tiere gekümmert.

Quelle: RP
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