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Wermelskirchen
Im Sommer droht ein Blut-Engpass

Wermelskirchen: Im Sommer droht ein Blut-Engpass
FOTO: blutspendedienst west
Wermelskirchen. Die Bereitschaft zur Blutspende sinkt auch in Wermelskirchen drastisch. Langjährige Spender fallen aus Altersgründen weg, junge Neuspender rücken nicht ausreichend nach. Gerade in der Urlaubszeit kann Blut knapp werden. Von Beate Wyglenda

Es kann jeden treffen, ist schnell passiert und kommt unerwartet: ein Unfall, eine Verletzung, starker Blutverlust. Die oft lebensrettende Lösung heißt Bluttransfusion. Doch so notwendig die Maßnahme, so rar wird das Gut. Denn die Bereitschaft zur Blutspende sinkt in der Bevölkerung. Das gelte auch für Wermelskirchen, wie der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) warnt. "Kamen 2012 noch etwa 240 Spender pro Blutspendetermin zu uns, erreichen wir seit zwei Jahren nicht einmal mehr 200", sagt die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Birgit Baust.

Sie plant, organisiert und veranstaltet Blutspendetermine im Rheinisch-Bergischen Kreis. Baust weiß, die rückläufige Spendenbereitschaft hat viele Gründe: "Ein Teil der Freiwilligen darf schlicht nicht mehr spenden, aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen."

Eine Obergrenze für Wiederholungsspender gibt es zwar nicht, ab dem 72. Lebensjahr wird aber individuell nach dem Gesundheitszustand über die Eignung zur Blutspende entschieden. "Fällt hinten ein so regelmäßiger Spender weg, brauchen wir vorne mindestens zwei neue Blutspender", sagt Baust.

Das Problem: Gerade unter den jungen Menschen fehlt die Spendenbereitschaft. Die 18- bis 35-Jährigen seien schwer zu gewinnen, so Baust: "So lange es einem gut geht, denkt man über Notfälle nicht nach - das gilt vor allem in unserer schnelllebigen Zeit. Erst wenn sie selbst oder Angehörige erkranken, werden junge Menschen für das Thema sensibilisiert." Befördert wird die Passivität auch durch das Leben in einer Wohlstandsgesellschaft. "Junge Leute denken, dass im gut organisierten Deutschland im Notfall immer Blutkonserven für sie vorrätig sein werden", erklärt Baust.

Ein Trugschluss, denn schon heute kommt es zu Engpässen. Besonders zu spüren bekamen das die DRK-Helfer im Mai dieses Jahres. Die günstig gelegenen Feiertage, die Spender zum Wegfahren animierten, sowie die umherfliegenden Pollen, die Allergiker plagten, sorgten für Notstand in den Blutbänken. Aber auch in den Sommermonaten kann der Bestand schon mal knapp werden. "Die Menschen verreisen, fühlen sich wegen der Hitze unwohl oder haben einfach keine Lust zu Terminen zu kommen", sagt Baust. Ebenso die im Sommer häufig aufkommende Grippewelle schließt viele Spender aus. Die geringere Resonanz ist ab Beginn der Schulferien zu spüren und kann sich - je nachdem, ob und wann ein Virus grassiert - bis weit über die Schulferien hinausziehen. "Von der Universal-Blutgruppe 0 Rhesus negativ besteht an fast keinem Tag Vorrat in der Blutbank", sagt Baust. Diese Blutgruppe ist ein Sonderfall, sie wird von allen Patienten, gleich welche Blutgruppe sie haben, vertragen. Besonders in Notfallsituationen, in denen keine Zeit bleibt, um den Patienten vollständig zu untersuchen und schnell das Blut zur Verfügung gestellt werden muss, zählt jede Spende der Blutgruppe 0 Rhesus negativ. Entsprechende Spender sind sehr gefragt, nicht zuletzt da in Deutschland lediglich sechs Prozent der Bevölkerung diese Blutgruppe haben. "Doch auch die anderen Blutgruppen werden immer gebraucht", betont Baust. Die Blutgruppe A Rhesus positiv haben beispielsweise 37 Prozent der Menschen in Deutschland.

Das DRK stellt inzwischen große Bemühungen an, um Spender, besonderes junge Erstspender, zu gewinnen. Blutspendetermine werden attraktiv gelegt, in Werbekampagnen wird auf Vorbilder wie Fußballprofis gesetzt, dazu klärt das DRK auch in Berufsschulen und Unis auf.

Die DRK-Sprecherin betont: Studien zufolge, kämen 80 Prozent aller Menschen irgendwann in die Lage, eine Blutkonserve zu brauchen. Und sie erklärt: "Blut wird sich niemals künstlich herstellen lassen."

Quelle: RP
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