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Wermelskirchen
Jazz mit Schmuse-Charme im Haus Eifgen

Wermelskirchen: Jazz mit Schmuse-Charme im Haus Eifgen
Gaben zwei viel beachtete Konzerte am Wochenende im Haus Eifgen: Roman (l.) und Julian Wasserfuhr (2. v. r.) zusammen mit Markus Schieferdecker (Kontra- und E-Bass) und Oliver Rehmann (Schlagzeug). FOTO: Peter Meuter
Wermelskirchen. Zwei Weltstars der Jazz-Szene waren am Freitag und Samstag in Wermelskirchen zu hören: Die Brüder Roman und Julian Wasserfuhr aus Hückeswagen gaben zwei eindrucksvolle Konzerte, die das Publikum begeisterte. Von Bernd Geisler

Freunden des aktuellen Mainstream-Jazz' quer durch Deutschland sind die Hückeswagener Brüder Julian (Trompete, Flügelhorn) und Roman Wasserfuhr (Piano, Orgel) schon seit langem ein Begriff. Aber seitdem sie im prestigeträchtigen "Systems Two-Studio" in Brooklyn, New York, ihr aktuelles Album "Landed in Brooklyn" mit den zwei exquisiten amerikanischen Jazzern Donny McCaslin (Saxofon) und Tim Lefebvre (Bass) aufgenommen haben, weht ihnen Weltstar-Schein um die jungen Häupter. Am Freitag und Samstag lieferten sie ein grandioses Doppelkonzert im Haus Eifgen ab - zusammen mit Markus Schieferdecker (Kontra- und E-Bass) und Oliver Rehmann (Schlagzeug).

Der melodische Jazz, den das Quartett mit einer Mischung aus professioneller Gelassenheit, spontaner Spielfreude und sympathischen Heimatgefühl spielte, hatte es in sich. Getragen von durchschaubaren Themen, imposanten Soli und traumhaftem Zusammenspiel glitten die eigenen und adaptierten Musikstücke unbeirrbar sanft in die Ohren derjenigen, die sich darauf einließen. "Wir freuen uns, wieder mal im Bergischen zu spielen", sagte Roman Wasserfuhr, nachdem er und seine Mitstreiter einleitend einen Jazz-Standard (St. James Infirmary) durch die Mangel gedreht hatten.

Michael Dierks und Michael Regenbrecht, Vorsitzende der veranstaltenden Kulturinitiative Wermelskirchen, strahlten bereits vor Konzertbeginn an der Abendkasse wie Lotto-Hauptgewinner. "Eigentlich hätten wir gar nicht davon träumen dürfen, diese Weltstars hier im Eifgen auf der Bühne begrüßen zu dürfen", sagte Dierks. 2009 waren die Wasserfuhr-Brüder zum letzten Mal in Wermelskirchen bei der Jazz-Night in der Katt aufgetreten. Und der Verein habe sie zur diesjährigen Jazz-Night eingeladen, "mal eine halbe Stunde zu spielen". Das klappte aus Termingründen nicht. Die Hückeswagener erklärten sich stattdessen bereit, ein ganzes Konzert im September zu spielen. Roman Wasserfuhr erschien vorab, um sich das Klavier im Eifgen anzusehen. Dabei entdeckte er auch eine wunderschöne alte Hammondorgel. Und da das Konzert bereits ausverkauft war, entschlossen sich die Brüder spontan, ein zweites Konzert am nächsten Tag dranzuhängen - mit Hammondorgel, aber aus Termingründen ohne Bassist. Es dauerte nicht lange, da war auch dieses Konzert ausverkauft. Offensichtlich wollten viele Bergische - ob Jazzfans oder nicht - die weltbekannten Jazzer aus der Nachbarschaft in heimischer Gegend live erleben.

Beim Konzert wurde es jedem klar, dass dies eine Sternstunde des Jazz nicht nur für Wermelskirchen, sondern von hohem internationalen Format war. Es gab viel Raum für lyrische Momente, bei denen die Zuhörer die Augen schlossen. "Man kann die Melodie des Anfangs immer mal wieder erkennen", sagte eine Besucherin. Das Zusammenspiel der Musiker war traumwandlerisch sicher, aufbauende Spannungsbögen bestimmten das Geschehen. Nach schnelleren, zuweilen rasant-artistischen Einlagen der Brüder spendeten die Zuhörer heftigen Beifall.

Das Quartett lieferte begeisternden Abgeh-Jazz mit Schmuse-Charme. Mal zum Kopf- und Körper-Wippen, mal zum Träumen. Manche Rhythmen gingen durch Mark und Bein, manche Passagen forderten konzentriertes Zuhören. Die Band lieferte drei stürmisch geforderte Zugaben. Die Besucher konnten dankbar nach Hause gehen - so hautnah und sympathisch erlebt man Weltstars nicht alle Tage.

Quelle: RP
 
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