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Gut Gemacht
Menschen mit Handicap gestalten besonderen Kulturabend

Wermelskirchen. Ist es eine Kunst, sich die Schuhe zu binden? "Für manche Menschen schon", sagte Martin Plug, Abteilungsleiter Sozialer Dienst der Werkstatt Lebenshilfe in Wermelskirchen. Er gehörte zum Organisationsteam, das die Kulturveranstaltung "Jeder Mensch hat eine Begabung" am Freitagabend im "Film-Eck" auf die Beine gestellt hatte.

Nicht immer werde die individuelle Begabung eines Menschen direkt sichtbar, sagte Plug. "Deswegen setzt diese Kulturveranstaltung den Schwerpunkt auf gemeinsame Unterhaltung für Menschen mit und ohne Behinderung." Die Öffentlichkeit war eingeladen, etwa 110 Personen hatten sich angemeldet. Eintrittsgeld wurde nicht erhoben. Angesichts des abwechslungsreichen Programms zeigte sich auch Pressekontaktmann Thomas Göbbels erwartungsfroh. Zur Einstimmung sang der Werkstattchor der Lebenshilfe, anschließend lieferte der Kinofilm "Die Kunst, sich die Schuhe zu binden" Stoff zum Nachdenken. Danach sorgten Fingerfood-Häppchen für körperliches Wohlsein mit fließendem Übergang zur anregenden Rockmusik der Band "Workers Delight" der Iserlohner Lebenshilfe-Werkstätten.

Wie nicht anders erwartet, ging das Publikum von Anfang an mit. Die sieben Sängerinnen und Sänger des Chores ließen sich von ihrer Chorleiterin Anna Caspary-Grünweller zu begeisternden, gesanglichen Höhen anspornen. Die unterstützende Musik aus der Konserve animierte auch das Publikum. Bei "Lollipop, Lollipop" "ploppten" die Zuhörer mit. Die eingedeutschten Texte der Chorleiterin passten zum Abend. Der Chor sang "Willst du fliegen, dann stell' dich gegen den Wind" zur Musik von "Zombie" (Cranberries). Am Ende klatschte der gesamte Saal zu "Die perfekte Welle". Anschließend folgte der anrührende Film. Er beruht auf der wahren Geschichte des schwedischen Glada Hudik Theaters, das von Menschen mit Behinderung betrieben wird. Sie waren auch die Schauspieler im Film. Der Film zeigt anhand des völlig unstrukturierten Versagers Alex, dass seine Begabung, unkonventionell zu denken und zu handeln, erst als Betreuer einer Gruppe von Menschen mit Behinderungen zum Tragen kommt. "Warum über Jahre das Schnüren von Schuhen lernen, wenn es doch Klettverschlüsse gibt?", denkt er etwa und besorgt Schuhe mit Verschluss. Er schafft es mit ungeahnter Energie, dass auch seine Schützlinge gegen viele Widerstände ihre speziellen Begabungen ans Licht fördern.

Derart motiviert schmeckten nach dem Film die bereitgestellten leckeren Häppchen besonders gut. Dazu lieferte "Workers Delight" mit knallhartem rockigen Sounds Mitgehmusik für alle.

BERND GEISLER

Quelle: RP
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